Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Kommentar zum Wochenende

Die Stimmung droht zu kippen

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Frauenhaus, Klinikum, Geburtshilfe - Die Stimmung im Landkreis droht zu kippen. Die Politik muss aufpassen, meint Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende.

Die CSU behauptet von sich, „näher am Menschen“ zu sein. Sie zitiert gerne Franz Josef Strauß mit dem Satz, den „Menschen aufs Maul zu schauen, aber nicht nach dem Mund zu reden“. Im Streit um das Klinikum, die Geburtshilfe und das Frauenhaus scheint vor allem Landrat und CSU-Kreisvorsitzender Martin Bayerstorfer beides nicht zu beherzigen – mit besorgniserregenden Folgen.

Die Bevölkerung ist aufgewühlt, Zorn und Unverständnis wachsen. Als Leiter einer kommunalen wie staatlichen Behörde muss der Landrat natürlich auf den sparsamen Umgang mit Steuergeldern achten. Bei Klinikum und Frauenhaus haben freilich immer mehr Menschen das Gefühl, dass es dem CSU-Kreisvorsitzendem nicht nur darum geht. Sie wittern – nicht zu Unrecht – auch persönliche Motive. Sein Verhältnis zum Klinikums-Vorstand sowie zum Sozialdienst katholischer Frauen als Träger des Frauenhauses ist ganz offensichtlich mindestens eingetrübt.

Dabei übersieht Bayerstorfer, dass die breite Bevölkerung „ihr“ Krankenhaus und die Einrichtung für Gewaltopfer als Institutionen sieht, bei denen es vorrangig nicht ums Geld geht. Gerade ein Krankenhaus ist immer mit Emotionen behaftet. Eine Notaufnahme oder eine Geburtshilfe müssen nicht rentabel sein, sie müssen einfach da sein – und rund um die Uhr funktionieren. In Erding geht die Angst um, dass ein schuldenfreier Haushalt auf einmal wichtiger ist als eine wohnortnahe Versorgung.

Gewiss, für viele Kommentare in den sozialen Netzwerken gilt: Verdammt viel Meinung bei so wenig Ahnung. Und dennoch lässt sich bei Facebook & Co. eine Entwicklung ablesen, die brandgefährlich ist. In den vergangenen Tagen wurden oft Vergleiche zwischen den Millionenausgaben für Asylbewerber und dem Spardiktat für Kranken- und Frauenhaus gezogen. Man mag das für populistisch halten. Aber die Menschen haben sehr wohl eine Antwort auf die Frage verdient, warum bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise ohne große Prüfung für alles auf einmal sehr viel Geld zur Verfügung stand, während bei der Grundversorgung der Allgemeinheit nun jeder Euro zweimal umgedreht werden soll.

Wer diese Zweifel vom Tisch fegt, darf sich nicht wundern, wenn extreme Parteien Zulauf erhalten. Eine davon heißt Alternative für Deutschland. Sie lebt allein vom Protest und ist deswegen eben keine Alternative.

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