Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Kommentar zum Wochenende

Wohnungsbau: Politisch ist noch viel Luft nach oben

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Gesteuertes, behutsames Wachstum hin oder her. Die Politik muss beim Wohnungsbau noch mehr aufs Gas drücken. Der Notstand wird immer schlimmer, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende.

Nach jahrzehntelanger Brache wird die Bebauung des Areals rund um den früheren Poststadel an der B 388 konkret. Es wurde Zeit. Von Monat zu Monat nimmt die Wohnungsnot im Landkreis zu. Immer mehr Menschen sind auf der Suche, die Preise steigen dramatisch. Im Erdinger Nordosten sollen über 200 neue Wohneinheiten entstehen. Sie werden dringend benötigt.

Die Not ist an konkret messbar: Die Landkreisbevölkerung ist im vergangenen Jahr um 1164 Bürger gewachsen. Die Summe neuer Wohnungen hinkt hinterher. In den ersten acht Monaten vergangenen Jahres wurden 435 Baugenehmigungen erteilt, im gleichen Zeitraum 2017 waren es 468. Nicht jede Genehmigung bedeutet, dass umgehend mit dem Bau begonnen wird.

Umso wichtiger ist, dass es auch mit den anderen Baugebieten rasch vorangeht – etwa am Thermengarten und auf dem Erdbeerfeld. Letzteres ist nach vor durch das Hochwasserproblem gebremst. Die Frage ist, ob wirklich erst das gesamte Schutzkonzept für Erding fertig sein muss, ehe es hier weitergeht. Wie erfolgreich der Stadtrat in der Wahlperiode 2014 bis 2020 war, wird auch daran abzulesen sein, wie viele neue Wohnungen entstanden sind. Momentan ist noch viel Luft nach oben.

***

Wie sich die Zeiten ändern können, zeigt sich an CSU-Fraktionschef Jakob Mittermeier. Nach der Stadtratswahl 2014 war der heute 78-Jährige nicht unumstritten. In der Partei wurde gerungen, ob Mittermeier nicht besser einem Jüngeren Platz machen sollte. Am Ende stand ein Kompromiss: Mittermeier sollte erst einmal die Hälfte der Wahlperiode die größte Fraktion im Gremium leiten. 2017 könnte er dann von einem bis dahin eingearbeiteten Kollegen abgelöst werden.

Es wurde niemand eingearbeitet. Es gibt auch keinen Bedarf (mehr). Denn Mittermeier sitzt fester im Sattel denn je. Er hält nicht nur die 17-köpfige Fraktion zusammen, er ist auch ein treuer und zuverlässiger Knappe seines Oberbürgermeisters Max Gotz. Die beiden funken ohne Störgeräusche auf der gleichen Wellenlänge und spielen sich geräuschlos die Bälle zu. In diesem Spiel ist Mittermeier mal Verteidiger, mal Angreifer. Damit bleibt die CSU die treibende Kraft in der Stadtpolitik. Gerungen wird hinter den Kulissen, nach außen ist die Partei eine Mauer.

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