Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Kommentar zur RTL-Sendung

Nikolaus-Schule im Visier von Wallraff: Alles richtig gemacht

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Missstände in Behinderteneinrichtungen aufdecken, das wollte die RTL-Sendung „Team Wallraff  Reporter undercover“. Der Beitrag über Erding entfiel - warum auch immer?! Im Krisenmanagement verdient die St.-Nikolaus-Schule jedenfalls eine 1. RTL hingegen hat sich angreifbar gemacht, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar.

Mit gemischten Gefühlen wird die Familie der St.-Nikolaus-Schule die RTL-Sendung „Team Wallraff – Reporter Undercover“ verfolgt haben. Mit versteckter Kamera wurde in mehreren Behinderten-Einrichtungen gefilmt, um Missstände aufzudecken. In die Nikolaus-Schule hatte sich zwar auch eine Journalistin eingeschleust, Erding kam in der Sendung am Montagabend dann aber nicht vor.

Einerseits dürfte man an der Nikolaus-Schule erleichtert gewesen sein, nicht gezeigt worden zu sein. Andererseits hat sich Schulleiter Georg Bauer wohl auch ein bisschen geärgert, von sich aus an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. So hat er die Fährte selbst auf sich gelenkt.

Bauer und sein Team haben keinen Grund, sich zu grämen. Denn sie haben alles richtig gemacht. Wenn es Anzeichen für mögliche Missstände oder Kritik von außen gibt, ist es immer der beste Weg, offensiv vorzugehen und aktiv das Gespräch zu suchen. Nur so behält man das Heft des Handelns in der Hand.

Niemand weiß, ob das Team Wallraff in Erding etwas gefunden hat, dazu schweigt der Sender. Aber mit der Pressekonferenz ist es der Einrichtung gelungen, auf die harte Arbeit der Fachkräfte hinzuweisen, auf die Gratwanderung, auf die sich Pfleger mit schwerst behinderten Menschen oft begeben müssen.

Und dann ist etwas passiert, womit Schulleiter Bauer nicht rechnen konnte: Eine breite Öffentlichkeit, allen voran Eltern mit Kindern an dieser Einrichtung, hat sich hinter die Nikolaus-Schule gestellt, die Arbeit dort gelobt, sich solidarisch gezeigt und dem Team den Rücken gestärkt.

Und die Sendung selbst? Ja, die Zuschauer bekamen unschöne, beklemmende Szenen zu sehen. Es waren aber auch Sequenzen dabei, die interpretationsbedürftig waren, vom Team Wallraff aber ohne Gegenrecherche als skandalös bezeichnet wurden. Die als Praktikantin getarnte Undercover-Reporterin muss sich die Frage gefallen lassen, warum sie nicht selbst viel öfter eingegriffen hat, als Pfleger verbal und körperlich zu weit gingen.

Diese Art von Recherche mag in Einzelfällen notwendig sein. Dass sich Journalisten aber nicht als solche zu erkennen geben, muss aber die Ausnahme bleiben.

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