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„Mein Herz brennt für Erding“ , sagte Thomas Schmidbauer am Anfang seiner Rede im vollen Kletthamer Vereinsheim.

Kommunalwahl 2020

OB-Kandidat fordert offene Diskussion im Stadtrat

Thomas Schmidbauer wirft seinen Hut in den Ring. Der 55-Jährige ist OB-Kandidat von Erding Jetzt. In Klettham stellte er sein Wahlprogramm vor.

Erding– „Im Stadtrat wird vieles einstimmig beschlossen. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern“, sagte Thomas Schmidbauer, OB-Kandidat von Erding Jetzt, im Vereinsheim des RW Klettham. Auf den ambitionslos klingenden Satz folgte dann aber die Vorstellung eines durchaus spannenden Wahlprogramms: „Wir brauchen eine neue, offene Diskussionskultur im Stadtrat. Deshalb müssen wir die Mehrheitsverhältnisse ändern.“

Das Wahlprogramm von Erding Jetzt setzt sich aus, je nach Betrachtung, vier oder fünf Themen zusammen: Wohnen, Gewerbe, Verkehr, Innenstadt und Nachhaltigkeit. Wobei letzteres kein eigenständige Punkt ist, sondern Teil von allen vier Themen.

Kommunalwahl 2020: „Erding kann mehr“

Selbstsicher sagte Schmidbauer dann: „Erding kann mehr.“ Damit meinte der 55-Jährige unter anderem mehr Transparenz bei Entscheidungen. „Nichtöffentliche Sitzungen müssen im Stadtrat die absolute Ausnahme werden. Die Bürger haben das Recht zu erfahren, was mit ihrem Geld passiert.“ Zudem wünsche sich der zweifache Familienvater bei neuen Projekten mehr Nutzen für die Erdinger Bürger, den er bei den aktuellen Planungen oft vermisse. Und dann holte er weit aus und wetterte gegen die CSU.

Mittelstand wichtiger als Industriekonzerne mit hunderten Leiharbeitern

Da wäre zum Beispiel das Industriegebiet zwischen Korbinian-Aigner-Gymnasium und Westpark: „Die Stadt wollte dort eine Logistikhalle bauen. Da hätte die ganze Innenstadt Platz. Mehrfach. Großteils auch von der Höhe her.“ Selbstbewusst fügte er an: „Erding Jetzt hat das verhindert.“ Gemeint war ein kurzes, viel beachtetes Video der Gruppierung. Nach der Veröffentlichung seien CSU und OB, so Schmidbauer, zurückgerudert. Die Pläne wurden verändert, aber nicht genug, fand Schmidbauer. „Auch die neue Halle ist viel zu groß für den Mittelstand.“ Da werde ein Konzern einziehen und viele Leiharbeiter beschäftigen. Vielmehr müsse man auf den Mittelstand setzen, versuchen Start-ups in die Stadt zu locken. Das Grundstück sei viel besser geeignet für ein neues Stadtviertel, ein Mischgebiet mit Wohnungen, Büroflächen, Spielplätzen. „Stattdessen will die CSU mehr Lkw-Verkehr in die Stadt holen.“ Das müsse verhindert werden.

Erding Jetzt: Bessere Ideen für neuen S-Bahnhof?

Nicht mehr revidierbar sei dagegen der neue S-Bahnhof auf dem Fliegerhorst-Gelände. „Die Planungen sind schon viel zu weit. Wir hätten den Bahnhof lieber am jetzigen Standort behalten.“ Aber auch hier müsse zum Beispiel das Parkhaus verhindert werden. „Die CSU will den Verkehr dorthin holen, wo wir ihn nicht brauchen.“ Stellplätze für Pendler könne man beispielsweise in Aufhausen schaffen: „Für den Fahrer macht es keinen Unterschied, ob er am Fliegerhorst oder am anderen Ende der Stadt in die S-Bahn steigt. Für die Bewohner der Stadt aber schon.“

Nachhaltigkeit fester Bestandsteil von allen Themenpunkten

Bei jeder Planung müsse die Nachhaltigkeit und der Nutzen für die Bürger an erster Stelle der Überlegungen stehen: „Wenn man nur auf Bausubstanz setzt, bekommt man so etwas wie das Bräuhausviertel – ein Viertel ohne Leben. Da gibt es einen kleinen Spielplatz und ich habe da noch nie ein Kind gesehen.“

Auch für Jugendliche nahm sich der 55-Jährige viel Zeit in seiner Rede: „Unsere Verantwortung endet nicht, wenn sie mit der Schule fertig sind.“ Man müsse Erding attraktiv für sie machen, denn „nur mit jungen Menschen können wir unseren Wohlstand ausbauen.“

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Mayls Majurani

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Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Erding, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Erding.

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