Zwei Tage hat es gedauert, bis die Sitzverteilung im Stadtrat klar war. Am frühen Dienstagabend stand sie nach einigen technischen Turbulenzen fest.
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OB Max Gotz (CSU) muss am 29. März in die Stichwahl
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Petra Bauernfeind (FWE) muss als OB-Kandidatin in die Stichwahl
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Ludwig KirmairCSU, 70 Jahre, Realschuldirektor i.R., bisher 2. Bürgermeister/Kulturreferent
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Janine KrzizokCSU, 33, Richterin, bisher Sportreferentin
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Walter RauscherCSU, 73 Jahre, Rentner, bisher Inklusionsreferent
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Günther AdelsbergerCSU, 57 Jahre, selbständiger Schreiner
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Steffi HaglCSU, 31 Jahre, Verwaltungsfachwirtin
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Dr. Thomas BauerCSU, 54 Jahre, HNO-Arzt

Kommunalwahl 2020

Bunter Mix: Neun Parteien im Erdinger Stadtrat

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Zwei Tage hat es gedauert, bis die Sitzverteilung im Stadtrat klar war. Am frühen Dienstagabend stand sie nach einigen technischen Turbulenzen fest.

Erding – Zwei Tage hat es gedauert, bis die Sitzverteilung im Stadtrat klar war. Am frühen Dienstagabend stand sie nach einigen technischen Turbulenzen fest. Neun Parteien/Gruppierungen, 15 Neulinge, acht Frauen: Das sind die ersten Parameter des neuen 40-köpfigen Gremiums.

Sitzmäßig Federn lassen mussten die CSU (-4) und die SPD (-2). Dennoch bleibt die CSU mit 13 Sitzen die mit Abstand stärkste Fraktion. Auf den zweiten Platz hoch katapultierten sich die Grünen. Sie haben ihre Sitze verdoppelt auf jetzt sechs. „Das hab’ ich in meinen Träumen nicht zu hoffen gewagt“, sagt Helga Stieglmeier dazu. Sie hat die meisten Grünen-Stimmen erhalten. Was sie besonders freut, ist die paritätische Besetzung von drei Frauen und drei Männern. Die schlechte Frauenquote im Gremium selbst – nur acht von 40 – bedauert sie.

Grüne und Erding Jetzt feiern Wahlerfolg

Neben Stieglmeier und dem bewährten Stadtrat Herbert Maier neu bei den Grünen sind Cornelia Ermeier, Gerhard Ippisch und Stefan Lorenz. Lorenz saß bislang für die Piratenpartei im Gremium und hatte – wie Ippisch – als Parteiloser auf der Grünen-Liste kandidiert.

Freude herrscht auch bei Erding Jetzt (EDJ). „Wir sind zufrieden“, sagt Fraktionschef Hans Egger zu den fünf Sitzen (+1). Neben ihm schafften die bisherigen EDJ-Räte Harry Seeholzer und Hans Balbach den Wiedereinzug. Zudem sind Listenführer Thomas Schmidbauer und David Ritter gewählt worden. Egger wertete den einen Sitz mehr für seine Fraktion auch angesichts des Zuwachses für die Grünen und des Einstiegs der AfD als Erfolg.

Hans Egger: „Ein paar Auberginen weniger“

Überhaupt sei das Ziel, das Erding Jetzt mit dem Erklär-Video zu „GemüsErding“ ins Netz gestellt hatte, erreicht worden: „Wir haben es geschafft, dass es ein paar Auberginen weniger sind.“ Damit ist die CSU gemeint. Auch von der Stichwahl ums Oberbürgermeisteramt zwischen Max Gotz (CSU) und Petra Bauernfeind (FWE) am 29. März verspricht sich Egger einiges für die künftige Stadtratsarbeit: „Vielleicht gibt’s eine bisserl offenere Betrachtungsweise, wenn man erkennt, dass man nicht unumstritten ist“, meinte er mit Blick auf Amtsinhaber Gotz.

Bei der CSU ist die Enttäuschung vom Wahlsonntag noch nicht verflogen. Der scheidende Fraktionschef Jakob Mittermeier, der sein kommunalpolitisches Engagement nach 48 Jahren beendet, erklärt auch angesichts des Verlusts von vier Stadtratsmandaten: „Wir waren überzeugt, eine Politik gemacht zu haben, die vor den Wählern besteht.“ Der Rathaus-Tunnel „mag eine gewisse Rolle gespielt haben“, räumt Mittermeier ein. Das sei nicht so glücklich gelaufen. Nicht mehr den Sprung in den Stadtrat geschafft haben die CSU-Räte Christian Numberger, Hermann Schießl und Siegi Ippisch. Elisabeth Mayr und Josef Biller hatten sich wie Mittermeier nicht mehr zur Wahl gestellt.

Eine komplett neue SPD

Der 80-Jährige kritisiert Erding Jetzt für ein Online-Video aus dem Jahr 2017 zur damals heftig umstrittenen Logistikhalle in Erding-West. Das Video wurde kurz vor der Wahl heuer erneut online gezeigt. Die Halle sei längst passé, so Mittermeier. „Da ist nicht sauber gearbeitet worden. Aber wir haben vielleicht auch zu wenig dagegen gehalten.“

Enttäuscht ist auch Horst Schmidt. Der SPD-Fraktionschef hört nach 18 Jahren im Stadtrat auf. Die SPD hat mit Alexander Gutwill, Stefan Grabrucker und Carina Bischke gleich drei neue und auch jüngere Gesichter im Gremium, aber zwei weniger als bisher. „Das ärgert mich natürlich. Wir haben ein gutes und starkes personelles Angebot gemacht.“ Ganz erklären kann sich Schmidt das schwache Abschneiden seiner Partei nicht. „Aber man muss es akzeptieren und neu anfangen.“ Jetzt müsse sich die Fraktion finden. Bei der SPD hören bekanntlich alle fünf Stadträte auf. Das sind neben Schmidt Seniorenreferentin Jutta Harrer, Hans Schmidmayer, Willi Scheib und Tülin Güvenc-Mecilioglu.

Bunte Zusammensetzung freut Petra Bauernfeind

Als „durchaus gutes Ergebnis“ wertet Petra Bauernfeind, Fraktionssprecherin der Freien Wähler Erding (FWE), das Abschneiden ihrer Gruppierung. „Wir haben uns stabilisieren können, obwohl die Grünen zugelegt haben und die AfD drin ist“, sagt sie zu den sechs Stadtratssitzen, die die FWE verteidigt haben. Bauernfeind ist die einzige FWE-Frau im Gremium. Johanna Heindl war nicht mehr angetreten. Neu im Gremium ist FWE-Vorsitzender Benedikt Hoigt. Sehr schön findet Bauernfeind die bunte Stadtrat-Zusammensetzung aus neun Gruppierungen: „Da braucht es viele Kompromisse.“

Auch AfD-Kreisvorsitzender Wolfgang Kellermann ist mit den drei Sitzen für seine Partei zufrieden. Er gehörte dem Stadtrat schon einmal als Republikaner an. Auch SPD-Stadtrat Stefan Grabrucker hat sozusagen die Fronten gewechselt. Er war schon einmal ÖDP-Stadtrat.

Gabi Zierz

Erdinger Stadtrat – Wahlbeteiligung 56,8 Prozent

Oberbürgermeister/in 

Die Entscheidung darüber fällt in der Stichwahl am Sonntag, 29. März, zwischen Amtsinhaber Max Gotz (CSU) und Petra Bauernfeind (FWE). Die Stichwahl wird wegen der Corona-Krise generell per Briefwahl durchgeführt.

Stadtrat: 40 Sitze

CSU: 33,8 Prozent, 194 059 Stimmen, 13 Sitze (-4): 

1. Max Gotz (10 535 Stimmen), fällt von der Liste, wenn er die OB-Stichwahl gewinnt. Dann rückt Stephan Stanglmaier nach.
2. Ludwig Kirmair (8058 Stimmen)
3. Janine Krzizok (7877)
4. Walter Rauscher (6908)
5. Günther Adelsberger (6411)
6. Stefanie Hagl (6312)
7. Thomas Bauer (6113)
8. Burkhard Köppen (6015)
9. Thomas Schreder (6002)
10. Willi Vogl (5994)
11. Hubert Sandtner (5788)
12. Alois Flötzinger (5640)
13. Sepp Kaiser (5633/neu)

Bündnis 90/Die Grünen: 16,2 %, 92 998 Stimmen, 6 Sitze (+3): 

1. Helga Stieglmeier (6711 Stimmen)
2. Cornelia Ermeier (6190/neu)
3. Herbert Maier (5968)
4. Gerhard Ippisch (5135/neu)
5. Stefan Lorenz (5075)
6. Verena Comperl (5072/neu)

Freie Wähler Erding (FWE): 15,3 %, 87 780 Stimmen, 6 Sitze (+/-0). 

1. Petra Bauernfeind (6301 Stimmen), fällt von der Liste, wenn sie die OB-Stichwahl gewinnt, dann rückt Johanna Mehringer nach.
2. Johann Fehlberger (4310)
3. Rainer Mehringer (3763)
4. Josef Hochholzer (3691)
5. Jürgen Beil (3477)
6. Benedikt Hoigt (3425/neu)

Erding Jetzt: 13,2 %, 76 001 Stimmen, 5 Sitze (+1): 

1. Thomas Schmidbauer (5599/neu)
2. Hans Egger (3983)
3. David Ritter (3924/neu)
4. Harry Seeholzer (3447)
5. Hans Balbach (3106)

SPD: 7,1 %, 40 737 Stimmen, Sitze: 3 (-2): 

1. Alexander Gutwill (4383/neu)
2. Stefan Grabrucker (3839/neu)
3. Carina Bischke (3395/neu)

AfD: 6,3 %, 36 038 Stimmen, Sitze: 3 (+3): 

1. Wolfgang Kellermann (2572/neu)
2. Tobias Krüger (2405/neu)
3. Alfons Penzkofer (2137/neu)

ÖDP: 4,5 %, 25 798 St., Sitze: 2 (+/-0) 

1. Stephan Treffler (3629)
2. Eva Döllel (2552)

FDP: 2,2 %, 12 552 Stimmen, 1 Sitz (+/-1): 

1. Dr. Rainer Vogel (1655/neu)

Die Linke: 1,5 %, 8384 St., 1 Sitz (+/-1): 

1. Walter Koppe (1105/neu)

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