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Gespannte Erwartung: OB Max Gotz (M.) sowie die Landratskandidaten Martin Bayerstorfer (r.) und Hans Schreiner – hier beim SPD-Neujahrsempfang in Erding – mussten gestern Nerven beweisen. In zwei Wochen duelliert man sich erneut.

Kommunalwahl 2020

Die heiße Nacht der Stichwahlen

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In Erding kann sich weder OB Max Gotz noch Landrat Martin Bayerstorfer auf Anhieb durchsetzen. In sechs Landkreis-Gemeinden wird es Stichwahlen geben.

Erding – Politbeben im Landkreis Erding: Bei der Kommunalwahl gestern Abend wurde die Parteienordnung heftig durchgeschüttelt. Die CSU muss zumindest in den politischen Spitzenämtern kräftig Federn lassen, aber auch im Kreistag selbst. Sie verlor vier Rathaussessel und gewann einen hinzu. Außergewöhnlich war die gestrige Kommunalwahl aber auch, weil es neben der Landratswahl in gleich sechs Gemeinden zum Stechen kommt: in Erding, Finsing, Forstern, Taufkirchen, Isen und Langenpreising. Vor sechs Jahren gab es nur eine Stichwahl – in St. Wolfgang, die Ullrich Gaigl (FW) gewann. Er trat diesmal ohne Gegenkandidat an.

Zwei große Überraschungen hielt der Wähler für die CSU parat: In Erding muss Oberbürgermeister Max Gotz am 29. März (CSU) mit 48,9 Prozent in die Stichwahl – gegen Petra Bauernfeind (FW/22,3 Prozent). Noch heftiger erwischte es die Lengdorfer Bürgermeisterin Gerlinde Sigl. Sie wurde von Michèle Forstmaier (FW) mit 52,9 zu 47,1 Prozent völlig unerwartet unsanft aus dem Amt befördert. In Moosinning holte sich die SPD den Chefsessel zurück: Georg Nagler schlug Manfred Lex mit 56,7 zu 43,3 Prozent. Auch in Pastetten verlor die CSU das Bürgermeisteramt nach dem Rückzug von Cornelia Vogelfänger – und zwar krachend: Peter Deischl (FW) zog mit 75,5 Prozent meilenweit an Matthias Zimmerer (24,6 Prozent) vorbei.

Wichtig: Am 29. März ist Stichwahl in mehreren Kommunen und für den Landrat. Ab 18 Uhr wird ausgezählt. Alle Ergebnisse, News und Reaktionen lesen Sie hier live im Stichwahl-Erding-Ticker.

Wartenberg: Keine Stichwahl trotz sechs Bürgermeisterkandidaten

Die Christsozialen hatten aber auch Grund zum Feiern. In Wartenberg hatten angesichts sechs Kandidaten alle mit einer Stichwahl gerechnet. Doch Christian Pröbst machte mit 58,9 Prozent den Sack gleich im ersten Wahlgang zu. Er hatte Bürgermeister Manfred Ranft wochenlang vertreten. Auffällig ist hier das schwache Abschneiden der anderen Kandidaten. Als Zweitbester ging Dominik Rutz von den Grünen mit 16,4 Prozent über die Ziellinie. In Eitting beansprucht die CSU den Wahlerfolg zumindest zur Hälfte für sich: Reinhard Huber kandidierte zwar auf er Ortsliste Reisen, ist aber stellvertretender CSU-Ortsvorsitzender.

Die CSU kann aber über die Stichwahlen noch zulegen.

CSU gewinnt – Kein A94-Protest in Dorfen

Mit Spannung war erwartet worden, ob sich die A94 auf das CSU-Ergebnis niederschlägt. Ein einheitliches Bild ergibt sich nicht. Zwar verlor sie in Pastetten und Lengdorf, dafür sicherte sich Grundner mit 53,5 Prozent die dritte Amtszeit im ersten Wahlgang. Martin Bayertorfer lag in der Isenstadt knapp vor Schreiner.

Das Interesse an der Kommunalpolitik scheint wieder leicht zuzunehmen: 58,5 Prozent – gemessen an der Landratswahl – waren es 2014, diesmal machten 64,3 Prozent der Bürger von ihrem Wahlrecht Gebrauch, mehr denn je als Briefwähler.

Grünen-Boom auch in Erding

Das Ergebnis der Kreistagswahl stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Es zeichnet sich aber erneut eine – einfache – Mehrheit für die CSU ab. Um 22.30 Uhr lag sie bei gut 35 Prozent. Der Boom der Grünen hat auch das Erdinger Land erreicht Mit gut 25 Prozent landete sie auf Platz zwei, gefolgt von den Freien Wählern mit 15 Prozent. Viertstärkste Kraft war zu diesem Zeitpunkt die AfD mit knapp zehn Prozent. Erst dahinter folgte die SPD mit unter neun Prozent. FDP, ÖDP und Linke blieben deutlich unter fünf Prozent. Konkrete Resultate werden erst im Lauf des Montags vorliegen. Der Trend ist aber klar, er geht zu Lasten der Volksparteien. 2014 hatte die CSU 47,1 Prozent geholt, die Freien Wähler 19,3, die SPD 12,5 und die Grünen 10,2 Prozent. Verändern sich die aktuellen Werte nur noch unwesentlich, wird es für die CSU im Kreistag deutlich schwerer. Von den derzeit 29 der 60 Sitze wird sie weit entfernt sein.

Hans Moritz

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