Geballte Frauenpower (v.l.): Michaela Mühlen (Bürgerforum Inning), Cornelia Vogelfänger (CSU), Nicole Schley (SPD), Petra Bauernfeind (FW) und Maria Feckl (Grüne).
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Geballte Frauenpower (v.l.): Michaela Mühlen (Bürgerforum Inning), Cornelia Vogelfänger (CSU), Nicole Schley (SPD), Petra Bauernfeind (FW) und Maria Feckl (Grüne).

Zum Internationalen Frauentag

Mehr Frauenpower für die Rathäuser

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Die (Kommunal-)Politik ist nach wie vor eine Männerdomäne. Nur sechs von 26 Bürgermeistern im Landkreis sind Frauen. Wir haben mit Amtsinhaberinnen und Kandidatinnen gesprochen.

Landkreis – Seit 1919 dürfen Frauen in Deutschland wählen – und gewählt werden. Doch noch immer ist die Politik eine Männerdomäne, auch im Kreis Erding. Hier standen bis 2002 nur Männer an der Spitze der Gemeinden. Heute sind immerhin sechs von 26 Kommunen in weiblicher Hand. Das könnte sich am 15. März ändern.

Elf Frauen wollen heuer ins Bürgermeisteramt

Elf Frauen wollen ins Bürgermeisteramt gewählt werden – in Bockhorn, Dorfen, Erding, Finsing, Forstern, Inning am Holz, Isen, Lengdorf, Ottenhofen und Wartenberg. Definitiv unter weiblicher Führung werden drei Kommunen bleiben: Michaela Mühlen (Inning, Bürgerforum Inning) und Nicole Schley (Ottenhofen, SPD) haben keine Gegenkandidaten, in Lengdorf gibt’s mit Amtsinhaberin Gerlinde Sigl (CSU) und Michèle Forstmaier (FW) ein Damenduell.

Cornelia Vogelfänger: „Frauen trauen sich das Amt oft nicht zu“

In den meisten Gemeinden kandidieren aber nur Männer. Warum ist das so? „Ich glaube, Frauen trauen sich das Bürgermeisteramt oft nicht zu“, vermutet Cornelia Vogelfänger (66). Sie ist eine, die sich das Amt zugetraut hat. Als sie vor 18 Jahren als Rathauschefin von Pastetten kandidiert hat, war sie landkreisweit eine von drei Bewerberinnen. Gegen zwei männliche Konkurrenten zog sie ins Rennen und wurde erste Bürgermeisterin im Landkreis. Eine kleine Sensation. „Das war aufregend, und ich war stolz, dass ich das geschafft hatte“, erinnert sich Vogelfänger – ebenso an die Hilfsbereitschaft ihrer Kollegen: „Wenn ich Fragen hatte, konnte ich jeden anrufen. Das fand ich toll.“

In Pastetten, Moosinning und Steinkirchen werden Männer übernehmen

Für Vogelfänger ist nach drei Amtsperioden Schluss. „Ich freue mich sehr auf Zuhause und auf mehr Zeit mit den Enkeln“, sagt sie und gibt zu: „Natürlich hätte ich mich über eine Frau als Nachfolgerin gefreut.“ Mit Matthias Zimmerer (CSU) und Peter Deischl (FWE) stehen aber zwei Männer zur Wahl. So ist es auch in Moosinning: Hier kämpfen Manfred Lex (CSU) und Georg Nagler (SPD) um die Nachfolge von Pamela Kruppa (CSU). Und Hans Schweiger (ÜWG) will in Steinkirchen Ursula Eibl (CSU) beerben.

Nicole Schley: „Anfang war da schon Ungläubigkeit in der Gemeinde“

In Ottenhofen hat Schley ihre erste Amtszeit hinter sich und gesteht: Direkt nach der Wahl, „da war schon Ungläubigkeit in der Gemeinde – weil ich erstens eine Frau bin und zweitens bei der SPD“. Sie findet, dass keine Frau ein Führungsamt übernehmen sollte, nur weil sie eine Frau ist, „sondern weil sie das von der Qualifikation her genauso gut kann wie ein Mann“, sagt die 49-Jährige.

Generalisierungen finde sie grundsätzlich schwierig, gerade beim Thema Frau/Mann. „Dennoch glaube ich, dass wir ein bisschen empathischer sind als Männer.“ Frauen seien meist auch nicht übertrieben von sich selbst eingenommen, und „sie reflektieren vielleicht mehr, nehmen sich manches mehr zu Herzen. Männer lassen Probleme eher nicht so nah an sich ran.“

Petra Bauernfeind: „Ich glaube, es gibt auch weibliche Machos“

Vogelfänger berichtet, dass bei Treffen die Bürgermeisterinnen miteinander freilich besonders viel sprechen würden, „aber der Austausch ist mit allen gut“. Petra Bauernfeind (FW), die zum zweiten Mal als (Ober-)Bürgermeisterkandidatin in Erding antritt, beobachtet ebenfalls, dass sich Frauen untereinander stärker vernetzen, auch parteiübergreifend. Sie betont jedoch, dass nicht alle Frauen gleich sind: „Es gibt dominante Frauen, die Männer an die Wand reden. Und ich glaube, es gibt auch weibliche Machos.“ Sie habe immer noch das Gefühl, „dass man Männern das Amt mehr zutraut. Ganz deutlich habe ich das bei der Bürgerversammlung in Altenerding gemerkt. Da hatte ein Bürger ein Anliegen und hat immer ,Meine Herren Stadträte‘ gesagt, obwohl ich daneben saß“, berichtet die 50-Jährige.

Reine Männersache: Drei Gruppierungen ohne Frau auf der Liste

Reine Männersache ist die Kommunalwahl bei der AfD Dorfen, bei der Wählervereinigung Entwicklung Gemeinsam (St. Wolfgang) und bei der Wählergemeinschaft Gemeinsames Neuching. SPD und Grüne hingegen besetzen ihre Listen traditionell geschlechterparitätisch. Sogar mehr Frauen als Männer schicken die Grünen in Isen und Forstern ins Rennen.

Maria Feckl: „Für mich selbst zählt die Qualifikation, nicht das Geschlecht“

Dennoch habe sie bei der Kandidatensuche erlebt, dass oft Frauen nicht antreten, weil sie sich um Kinder oder zu pflegende Angehörige kümmern, sagt Maria Feckl. Es seien eben nach wie vor meist die Frauen, die sich um Nachwuchs, Haushalt und Pflege kümmern. Eine zusätzliche Belastung durchs Ehrenamt schrecke ab. „Für mich selbst zählt aber die Qualifikation, nicht das Geschlecht“, sagt die 55-Jährige, die für die Grünen in Forstern Bürgermeisterin werden will.

Michaela Mühlen: „Frauen müssen ihre Stärken bewusst wahrnehmen“

Ähnliche Erfahrungen bei der Kandidatensuche hat Innings Bürgermeisterin Michaela Mühlen gemacht. Auf der Liste des Bürgerforums Inning sind fast ein Drittel Frauen. Sie würden „viele Stärken mitbringen, die man in so einem Gremium gut brauchen kann“. So seien Frauen besonders konsensorientiert, oft ein bisschen zurückhaltender und empathischer und könnten den Gemeinderat mit anderen Blickwinkeln bereichern. „Diese Kombination ist wahnsinnig wichtig, deshalb muss man Frauen einfach ermutigen, dass sie ihre Stärken bewusst wahrnehmen.“

Anfängliche Skepsis: „Kann die das schon?“ 

Als Mühlen 2014 zur Bürgermeisterin gewählt wurde, sei ihr durchaus Skepsis entgegengeschlagen. „Ich war damals erst 35, und da hat es oft geheißen: ,Hat die das schon im Kreuz, kann die das schon?‘ Mit solchen Bedenken werden Männer nicht so konfrontiert“, sagt die 41-Jährige. Gerade zu Beginn habe sie gedacht, sie müsse sich besonders beweisen, müsse als Frau ihren Mann stehen. „Doch das ist Unfug. Wir müssen uns nicht dafür verstecken, dass wir Frauen sind“, sagt Mühlen, die sich inzwischen auch auf höherer Ebene für mehr Frauen in der Politik einsetzt – vorigen Oktober etwa durfte sie bei der Veranstaltung „Frauen in die Parlamente“ des Landtags vor 300 Kommunalpolitikerinnen aus ganz Bayern über ihre Erfahrungen berichten.

Vogelfänger: „Auch Männer kochen nur mit Wasser“

Dass mehr Frauen in der (Kommunal)-Politik nicht schaden würden, da sind sich die Befragten einig. Für alle angehenden Politikerinnen hat Vogelfänger den Tipp: „Selbstbewusst an die Sache rangehen und mit dem Wissen, dass alle nur mit Wasser kochen – auch die Männer“.

Bauernfeind: „Traut euch was zu!“

Bauernfeind rät: „Traut euch was zu. Zieht euch nicht selbst in die zweite Reihe zurück, wenn ihr der Meinung seid, dass ihr in der ersten Reihe besser aufgehoben seid. Und formuliert eure Ansprüche.“ Jede Frau hat eine andere Persönlichkeit, meint Schley, „aber was ich raten kann ist, sachlich zu argumentieren und Probleme schnell zu lösen. Und man braucht ein dickes Fell – aber das braucht man in diesem Amt generell“.

Vroni Macht

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