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Rote Attacke: In Angriffslaune war die SPD, allen voran die Redner Ulla Dieckmann (l.) und Horst Schmidt (r.). Auch Stefan Grabrucker (hinten, 3. v. l.) stand am Pult.

„CSU, die dunkle Seite der Macht“

SPD teilt bei politischem Aschermittwoch aus

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Der Politische Aschermittwoch ist dazu da, kräftig auszuteilen. Insofern kann sich die SPD nichts vorwerfen lassen.

Erding – Der Politische Aschermittwoch ist dazu da, kräftig auszuteilen. Insofern kann sich die SPD nichts vorwerfen lassen. Orts- und Stadtratsfraktionsvorsitzender Horst Schmidt, Kreistagsspitzenkandidatin Ulla Dieckmann und Hans Schreiner, gemeinsamer Landratskandidat von Freien Wählern, SPD und Grünen, feuerten vor allem in Richtung einer nervösen CSU, verteilten jedoch auch Watschn für Erding Jetzt und AfD. Stefan Grabrucker, auf Platz fünf der Stadtratsliste, vertrat den beruflich verhinderten OB-Kandidaten Alexander Gutwill.

Die kleine Stube im Weißbräu war mit 35 Genossen gut gefüllt. Die nebenan im großen Saal auftretende CSU (siehe zweite Erding-Seite) habe nach Stühlen gefragt, aber „wir sind voll besetzt“, meinte Schmidt. Der Aschermittwoch sei eine Tradition bei der SPD, bei der CSU sei es der erste seit einigen Jahren. „Die CSU ist nervös. Sie wird immer nervöser“, schlussfolgerte Schmidt. CSU-Landrat Martin Bayerstorfer „wird gamsig. Er lässt keine Veranstaltung aus, um ständig in der Presse zu sein“.

Bezahlbares Wohnen, Verkehrsberuhigung, soziales Miteinander, Klimawandel

Schmidt nannte vier Kernthemen der SPD: bezahlbares Wohnen, Verkehrsberuhigung, soziales Miteinander in der Stadt und Klimawandel. Die CSU habe keine der wesentlichen Entscheidungen ohne die SPD durchgebracht, so Schmidt, der sich kämpferisch gab: „Die Wahlen in Hamburg haben gezeigt, dass die SPD noch gewinnen kann. Wir wollen wieder drittstärkste Kraft werden.“

Passend zum Tage verglich Schreiner den von ihm beabsichtigten politischen Umschwung mit einer Fastenkur. Der Körper brauche Veränderung. Zudem zog er einen bildhaften Vergleich mit Mönchen. Es brauche einen Blick über die Klostermauern hinaus. Die CSU sei seit 1978 durchgehend im Kreis an der Macht und habe einen Fraktionszwang aufgebaut. Es sei eine „Politik der Vergangenheit“, so Schreiner, der eine Abkehr vom Schwarz-Weiß-Denken hin zu den vielen Grautönen in der heutigen Gesellschaft forderte. „Wenn ich Landrat werden sollte, hätte ich eine große Opposition, die CSU“, sagte er. Er werde jedoch die Hand reichen für eine Zusammenarbeit. Die CSU verglich er mit einem großen Bären, der mal behäbig sei, aber auch mal zuschlage und „Rambazamba“ mache. „Der Bär bewegt sich jetzt, wir werden ernstgenommen.“

Dieckmann: Landrat verbreitet Frauenbild der 50er Jahre

SPD-Urgestein Willi Scheib fragte Schreiner nach seiner Haltung zur Nordumfahrung. Als Bürgermeister von Bockhorn sei er gegen die geplante Trasse, und seine persönliche Meinung werde sich nicht ändern. Doch er werde als Landrat der Meinung der Kreistagsmehrheit sein, so Schreiners Antwort.

Dieckmann bezeichnete sich eingangs ihrer Rede als „Wadlbeißerin“ – ein Titel, dem sie gerecht wurde. Es sei „der Wahnsinn“, welche Kommentare die CSU auf der Facebook-Seite Schreiners abgebe. Ohne einen Namen zu nennen, meinte sie damit Stadtrat Burkhard Köppen. „Der hört jetzt aber auf wegen Fasten“, spöttelte Schmidt. Dieckmann schoss gegen ein Homevideo des Landrats, das ein Frauenbild der 50er Jahre vermittle. Auch würden plötzlich lange vom Landrat abgelehnte Themen wie Bürgersprechstunde oder Klimamanager umgesetzt. Nach ihrem Ritt durch die politischen Ziele der SPD (wir berichteten) knöpfte sich Dieckmann noch die AfD vor: „Sie hat den Nährboden für Anschläge geschaffen“, sagte sie mit bebender Stimme.

Gemeinsam an der Zukunft arbeiten

Schmidt wetterte Richtung Erding Jetzt: „Es ist typisch für Erding Jetzt, alle anderen Parteien als bestechlich zu bezeichnen.“ Ihm ist weiter ein Dorn im Auge, dass es keinen Seniorenbeirat gibt. „Dem Landrat ist wichtiger, dass er beim Volksfest Marken an die Senioren verteilt.“

„Die demokratischen Parteien müssen gemeinsam an der Zukunft Erdings arbeiten“, schlug Grabrucker moderatere Töne an. In Bezug auf die schwarz-grünen Wahlplakate der Kreis-CSU frotzelte jedoch auch er: „Sie zeigen, dass sich da die dunkle Seite der Macht bewirbt.“ Als Ziele für die Stadt gab Grabrucker unter anderem Klimaneutralität bis 2030, Mobilitätswende mit weitgehend autofreier Innenstadt, ein Jugendparlament und bessere Bürgerbeteiligung aus. Bei den Bürgerversammlungen werde zweieinhalb Stunden geredet, und dann hätten die Bürger keine Lust mehr, nachzufragen. „Viele fühlen sich abgehängt.“

Markus Schwarzkugler

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Erding, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Erding.

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