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Mimen für jede Lebenslage (v. l.): Stefan Schlagenhaufer, Michael Siegert und Ferdinand Maurer. 

FKK-Impro-Show in der Stadthalle

Komödie endet im Porno

Erding – Sie fühlen sich frei, komisch und kreativ, getreu ihrer Theater-Idee FKK-Impro-Show. Sie gehen tatsächlich völlig befreit auf die Bühne: keine Probe vor der Show, Stühle als multifunktionale Requisiten, keine Kostüme, kein Hintergrundbild. So auch jetzt wieder im kleinen Saal der Stadthalle.

Schließlich setzen sie das in gekonnte Aktion um, was ihnen die Zuhörer am Abend als Thema geben. Doch bevor’s los geht, stehen Lockerungsübungen an. Alle müssen aufstehen, sich am Vordermann festhalten. Dann die Schultern des Vordermanns massieren, um am Schluss laut „Tschaka“ zu rufen. Erst jetzt fühlen sich Ferdinand Maurer, Sebastian Schlagenhaufer und Michael Siegert, alle aus Erding und der näheren Umgebung, bereit für ihre erste Aufgabe als Mimen für jede Lebenslage.

Die erste Idee aus dem Publikum, nach einer gelben Socke zu suchen, gibt offensichtlich nicht viel her. Also klatschen sich die drei Akteure zur nächsten Szene ab, einem dicken Pickel im Gesicht. Es folgen die Montage eines Badezimmerspiegels, die Flucht vor einer Tropenkrankheit, der klägliche Versuch, sich aus dem Sitzen heraus auf Schlittschuhen zu probieren. Etwas mehr Kreativität verlangt schon die nächste Aufgabe: Schuhe zu putzen als Szene in diversen Film-Genres. Unglaublich, wie sich eine solche Alltags-Banalität plötzlich ändern kann, wenn sie, als Komödie noch harmlos begonnen, plötzlich im Thriller-Modus oder als Porno endet. Oder wie ein Hundehaufen – dargestellt in einer Fantasy-Version – ganz ungewohnt zu „Sternenstaub“ mutiert. Szenen und Handlungen wechseln sich ebenso schnell ab wie die drei Schauspieler, die ständig auf der Suche nach optimaler Improvisation sind.

„Das ist eine enorme Anforderung an das Vermögen eines jeden Akteurs“, hat Ferdinand Maurer diesen hohen Anspruch einmal beschrieben. Und er weiß, wovon er spricht. Schließlich steht dieses junge Talent seit vielen Jahren auf Bühnen und hat vor kurzem beim Theaterverein in Markt Schwaben Regie geführt.

Sein Talent und das seiner Mitstreiter sind beeindruckend. Chamäleon-gleich schlüpfen die drei in unterschiedliche Rollen, saugen Ideen aus dem vorwiegend jungen Publikum begierig auf, um sie alsbald in Lach-Stürme umzuwandeln. Etwa, wenn sie als Kommissare einen Delinquenten des Stalkings von Uli Hoeneß bezichtigen. Dieser gibt am Ende nicht nur entnervt auf, sondern auch zu, dass er ihn nackt verfolgt habe: „Der hat mir doch einen FC-Bayern-Bademantel versprochen.“

Ein anderes Mal spielen Maurer und Schlagenhaufer Filme nach, deren Titel ihnen vom Publikum auf Zettelchen gereicht wurden. Christian Kappl, „die lebende Jukebox“, spielt dazu Klänge, die Menge errät die Filme meist schnell.

Als Sebastian den imaginären Redner im „Verein zur Pflege des Wiener Dialekts“ darstellen soll, kommt es zum schauspielerischen Höhepunkt. Nicht nur sein Schmäh bringt den Saal zum Kochen, vor allem auch Ferdinand als sein Gebärden-Dolmetscher – nicht immer dem gesprochenen Wort folgend: eben frei, komisch und kreativ. 

  Friedbert Holz

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