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Ein neuralgischer Punkt: die Kreuzung Freisinger Straße/Am Gries/Niedermühle am nördlichen Ausgang der historischen Altstadt von Erding. Derzeit geht es dort nicht ganz so turbulent zu. Das ändert sich, wenn die neu erbaute Freisinger Brücke ab dem Sommer wieder befahrbar ist. 

Kontroverse Debatte im Verkehrsausschuss 

Freisinger Brücke nur noch Einbahnstraße?

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Die Kreuzung Freisinger Straße/Am Gries ist ein gefährliches Pflaster. Vier Konzepte zur Entlastung und höheren Sicherheit hat ein Verkehrsexperte erarbeitet. Überzeugen konnte er die Stadträte mit keinem. Fest steht nur: Die Innenstadt bekommt zwei neue Kreisverkehre.

Erding Es wären nur ein paar Schilder auf beiden Seiten der Freisinger Brücke, die ab Sommer dieses Jahres wieder befahrbar sein wird. Doch die Handvoll Tafeln hätte Auswirkungen auf den gesamten Verkehr in der Altstadt und auf den angrenzenden Straßen. Eine Entscheidung fällte der Verkehrsausschuss des Stadtrats am Donnerstag nicht. Es wurde deutlich: Ins völlig überlastete innerstädtische Straßennetz sind in den nächsten Jahren noch allerhand – stauträchtige – Eingriffe notwendig.

Radfahrer und Fußgänger in Gefahr

Seit 12. Juni 2017 ist die Freisinger Brücke wegen Abrisses und Neubaus gesperrt. Aber auch nach der Freigabe wird der Verkehr dort nicht wirklich rollen. Denn an der angrenzenden Kreuzung Freisinger Straße, Am Gries, Lange Zeile und Niedermühle kommt man nicht nur zu den Stoßzeiten kaum voran. Deswegen erhielt der Verkehrsplaner Helmuth Ammerl vom Büro Obermeyer den Auftrag, Wege aus dem Chaos zu finden.

Seine Diagnose vom Ist-Zustand fiel ernüchternd aus: Radfahrer und Fußgänger sind extrem gefährdet. Und der zunehmende Verkehr wird nicht zuletzt durch die Rechts-vor-Links-Regelung blockiert. Hier hat der Infarkt sein Zentrum.

Vier Szenarien stellte er den Stadträten am Donnerstag vor: Ein Linksabbiegeverbot von der Freisinger Straße zum Gries, ein Linksabbiegeverbot von der Langen Zeile zur Freisinger Straße, die Umwandlung der Freisinger Brücke in eine Einbahnstraße stadtauswärts oder in umgekehrter Richtung. Bestandteil aller Modelle ist, dass die Kreuzungen Freisinger Straße/Krankenhausstraße sowie weiter westlich Freisinger Straße/Melkstattstraße aufgelöst und durch Mini-Kreisverkehre ersetzt werden.

Ammerl erklärte, dass die beiden Abbiegeverbote die Leistungsfähigkeit der angrenzenden Kreuzungen und Kreisel gewährleisteten. Allerdings falle die Entlastung in der gesamten Innenstadt – Freisinger Straße, Am Mühlgraben, Lange Zeile und Schrannenplatz – eher gering aus.

Die Einbahnregelungen würden hingegen zu einer deutlichen innerstädtischen Beschleunigung führen, sofern die Lange Zeile zur Vorfahrtsstraße sowie die Kreuzung Melkstattstraße/Anton-Bruckner-Straße ebenfalls umgebaut würde. Für diesen neuralgischen Punkt schlug Ammerl eine eigene Rechtsabbiegerspur auf der Melkstattstraße vor, so dass dieser Verkehr schneller abfließen könne. Linksabbieger und Geraudeausfahrer (in Richtung Kronthaler Weiher) würden sich eine Spur teilen.

Ammerls Fazit: Eine Einbahnregelung über die Freisinger Straße stadtauswärts hätte den größten Entlastungsfaktor.

Feuerwehr erreicht Wache zu spät

Über die Vorschläge entbrannte eine kontroverse Debatte. Abgestimmt wurde nicht. Oberbürgermeister Max Gotz (CSU), der von einem „harten Eingriff in ein lange Zeit ausbalanciertes System“ sprach, regte ein „modulares Vorgehen“ an – erst die neue Brücke, dann die neuen Mini-Kreisel, um in der Folge eventuell den Verkehr an der Brücke neu zu regeln.

Feuerwehrreferent und Dritter Bürgermeister Hans Schmidmayer (SPD) konnte sich mit der Sperre der Brücke stadteinwärts gar nicht anfreunden. „Ein Viertel der Erdinger Feuerwehrleute lebt westlich des Fehlbachs und hätte dann enorme Schwierigkeiten, im Alarmfall erst einmal zum Gerätehaus zu kommen.“ Die Brücken-Sperre sorge bereits heute für bis zu sieben Minuten längere Anfahrtswege – „und das bei 500 Einsätzen im Jahr“. Kommandanten und Kreisbrandinspektion hätten „größte Bedenken“.

Darauf wies auch Gotz hin. Er stellte zudem klar, „dass die Stadtbuslinien nicht behindert werden dürfen“. Ammerl entgegnete, die Brücke sei breit genug, bei der Einbahnregelung könne es Ausnahmen geben.

CSU-Fraktionschef Jakob Mittermeier bekannte: „Mich überzeugt keine Variante.“ Er fragte, ob man die Sicherheit an der bestehenden Kreuzung nicht auch mit Zebrastreifen erhöhen könne.

Sein Fraktionskollege Burkhard Köppen zeigte sich überzeugt, „dass jede Einbahnvariante auf großen Widerstand der Bevölkerung stoßen wird“. Verwiesen wurde auch darauf, dass die Anton-Bruckner-Straße deutlich mehr Verkehr abbekommen werde – mit negativen Auswirkungen auf die Freisinger Siedlung, wie Harry Seeholzer (Erding Jetzt) und Petra Bauernfeind (FW) anmerkten.

Eckhaus abreißen für Gries-Kreisel?

Hermann Schießl (CSU) und Hubert Niestroy (SPD) zeigten sich verwundert, „dass wir erst eine Brücke zweispurig neu bauen, um sie dann in einer Richtung zu sperren“. Das könne man den Bürgern nicht erklären, warf Niestroy ein. Er und Seeholzer fragten, ob man nicht auch am Gries einen Kreisel schaffen könne. Gotz erwiderte, dann müsse man das Eckgrundstück mitsamt Haus kaufen, um es für die erforderliche Fläche abzureißen – für den OB eine alles andere als realistische Lösung.

Das heiße Eisen wird nun Thema in den Fraktionen. Noch vor der Sommerpause will Gotz ermitteln lassen, in welche Richtung es gehen könnte.

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