Kunstwerk mit Verfallsdatum: Das größte Sgraffito-Werk von Benno Hauber findet man an der Turnhalle am Lodererplatz in Erding. Noch, denn die Halle wird bekanntlich abgerissen. 
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Kunstwerk mit Verfallsdatum: Das größte Sgraffito-Werk von Benno Hauber findet man an der Turnhalle am Lodererplatz in Erding. Noch, denn die Halle wird bekanntlich abgerissen. 

Zwölf sogenannte Sgraffito-Arbeiten hat Benno Hauber in Erding angefertigt

Kreative Kratzkunst

  • VonGerda Gebel
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Zahlreiche Spuren hat der Erdinger Künstler Benno Hauber († 1994) in Erding hinterlassen. Neben Gemälden, Plastiken und Brunnen sind an einigen Häusern noch auffällige Wandarbeiten, sogenannte Sgraffiti, zu bewundern.

Erding - Als Sgraffito bezeichnet man eine historische Putztechnik, die erstmals in der Renaissance zur Herstellung von Fassadendekorationen eingesetzt wurde. Abgeleitet vom italienischen Verb „sgraffiare“ (deutsch: kratzen), kann man es mit Ritz- oder Kratzputz übersetzen. Dabei werden auf eine Wand mehrere Mörtel- und Putzschichten aufgebracht und mit der Richtlatte glatt abgezogen. Eine darunter liegende Mörtelschicht wurde zuvor mit lichtechten Pigmenten eingefärbt. In die weiche Putzschicht werden Linien und Flächen eingeritzt oder gekratzt, sodass die durchgefärbte Schicht sichtbar wird. Diese Technik war sehr witterungsbeständig und wurde gern zu Reklamezwecken an Hausfassaden genutzt.

Neptun und Rohrzangen zieren das Michl-Haus an der Haager Straße.

Haubers größtes Sgraffito-Werk ziert die Turnhalle an der Schule am Lodererplatz, in der derzeit das Impfzentrum Erding untergebracht ist. Demnächst wird die Turnhalle für den Neubau der Mehrzweckhalle abgerissen. Auf dem 32 Meter langen Fassadenband tummeln sich stilisierte Sportler in Bewegung bei Fußball, Gewichtheben oder Gymnastik.

Geboren wurde Hauber 1924 in Kammerberg (Kreis Freising). Nach einer Lehre als Kirchenmaler besuchte er die Rabenbauer-Schule für Gebrauchsgrafik in München, seit 1951 war er als Maler, Grafiker und Bildhauer in Erding tätig. Er wurde 1982 mit dem Kulturpreis ausgezeichnet. Zu seinen Werken gehören neben den Sgraffiti auch der Drachenbrunnen im Stadtpark, die „Spirale“ an der Münchener Straße, das Madonna-Bild am Frauenkircherl sowie zahlreiche Gemälde, etwa die Bürgermeisterporträts im Rathaus.

Benno Hauber hat in Erding viele künstlerische Spuren hinterlassen.

Auch einige Privatleute ließen sich ihre Hausfassade verschönern. Recht fantasievoll kombinierte der Künstler dabei Elemente aus dem Gewerk des jeweiligen Hausbesitzers. So steigt beim Michl-Haus an der Haager Straße 16 der Meeresgott Neptun mit seinem Dreizack aus dem Wasser empor. Beheimatet war hier die Sanitär- und Installationsfirma Michl, die sich mit den abgebildeten Rohrzangen, Blechscheren und Gewindeschneider um freien Durchfluss in den Rohren einsetzte.

Auch am Forster-Haus an der Haager Straße 28 gibt die Fassadenverzierung einen Hinweis auf die Profession des früheren Besitzers: In dem um 1880 erbauten Haus war die Viehhandlung mit Stall der Familie Forster untergebracht, weshalb der Künstler den Heiligen Franz von Assisi als Patron der Tiere für die Hausfassade wählte.

Am Schmalzbauer-Haus in der Langen Zeile liefert die Verzierung am Giebel einen Hinweis auf das Tabakwarengeschäft. Der mittige Tabaktopf wurde dekoriert mit einer dreiblättrigen Tabakpflanze und zwei -pfeifen. Insgesamt zwölf Sgraffito-Arbeiten hat Hauber zwischen 1950 und 1985 in Erding angefertigt, das Tabakwappen stammt wohl von 1960.

An der Spiegelgasse wurde das Schuhhaus Moosbauer mit einem sinnigen Spruch über den Wert guten Schuhwerks versehen, Tabakhändler Nützl nebenan schmückte sein Haus mit stilisierten Tabakblüten und -blättern. Am Rätschenbach fällt am Haus des kürzlich verstorbenen Malermeisters Ludwig Dorfmüller die schmuckvolle Namenszeile auf. Die drei Schilder im Wappen weisen auf das Malerhandwerk hin.

Konzentriert auf den Verkehr, schenken die Passanten dem beinahe haushohen Wandbild an der Ecke Anton-Bruckner-Straße/Johann-Sebastian-Bach-Straße eher wenig Aufmerksamkeit. Hier hat Hauber Symbole aus der Landwirtschaft wie Blumen, Ähren und Vögel rund um eine strahlende Sonne gruppiert. Reich verziert mit der Putz-Kratz-Technik war auch der große Erker am Eisenschmid-Haus an der Landshuter Straße: Abgebildet war das Warenangebot mit stilisierten Werkzeugen, Schrauben, Schüsseln und Kannen. Diese Fassadenzier ist nicht mehr erhalten, ebenso wie beim Nützl-Haus an der Spiegelgasse. Einem Neubau weichen musste das Gebhart-Haus (Am Stadtpark), dessen Fassade der Hl. Georg zierte.

Weitere Informationen

Abbildungen und Infos zu den Werken findet man im Buch „Schatzkammer Erding“ von Albrecht A. Gribl, das von der Stadt Erding herausgegeben wurde. Es gibt zudem einen Stadtspaziergang vom Arbeitskreis „Erding bewegt“ – den Themenweg „Auf den Spuren der Erdinger Kunstmaler“, auf www.erding.de.

Gerda und Peter Gebel

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