Vor Gericht

Kreditkarten-Betrüger fliegt in Erding auf

Erding/Landshut – Fürs gewerbliche Fälschen von Kreditkarten muss ein Rumäne (49) drei Jahre und acht Monate hinter Gitter. Er wollte damit auch in Erding einkaufen.

von Walter Schöttl

Der Staatsanwalt sprach von Ammenmärchen, die der Angeklagte den Prozessbeteiligten aufgetischt hatte. Die 4. Strafkammer des Landgerichts Landshut schickte den 49-Jährigen wegen Kreditkartenbetrugs für drei Jahre und acht Monate hinter Gitter.

Laut Anklage war der Rumäne heuer im Januar per Flieger eingereist und hatte bis zu seiner Festnahme am 18. Februar in Erding Einkäufe mit gefälschten Kreditkarten getätigt. Dabei war er durchaus international unterwegs. Nicht nur, dass er einen ungarischen Pass – natürlich mit Alias-Personalien – hatte. Seinen Kreditkarten nach war er Kunde der „Bank of China“, der „Oriental Financal Group Costa Rica“, der „Banco Popular de Puerto Rico“ und anderen.

Die Anklage listete sieben Betrugsfälle auf. In drei Elektromärkten in München, wo sich der 49-Jährige mit vier iPhones und einem MacBook im Wert von 5000 Euro eingedeckt hatte, wurde eine der Kreditkarten akzeptiert, in vier Fällen nicht. Dazu gehörte auch ein Elektromarkt in Erding, wo sich der Rumäne ein iPhone für 850 Euro ausgesucht hatte. Die Transaktion scheiterte. Als deshalb seine Personalien überprüft werden sollten, legte er die ungarische ID-Karte vor und wurde schließlich von einer Polizeistreife verhaftet.

Vor Gericht kündigte seine Anwältin Isabella Komm ein „vollumfängliches Geständnis“ an, der Rumäne wolle die „Hintermänner“ namentlich liefern. Tatsächlich berichtete er, dass er über Bekannte in seiner Heimat Kontakt mit einem in Waldkraiburg lebenden Landsmann, dessen Namen er auch aktenkundig machte, bekommen habe.

Mit dem Rest der Geschichte lieferte er dann das, was Staatsanwalt Achim Kinsky später als Ammenmärchen bezeichnete: Ein Waldkraiburger Landsmann habe ihm eine Arbeit zugesagt, allerdings sei die Jobsuche erfolglos gewesen. Deshalb habe ihm der Landsmann die ungarische ID-Karte beschafft und ihn gezwungen, mit den gefälschten Kreditkarten einzukaufen. Die betrügerisch erlangten Geräte seien von dem Waldkraiburger per Paket nach Rumänien geschickt worden. Er selbst habe keinen Anteil am Erlös bekommen, so der Angeklagte. Außerdem sei er davon ausgegangen, dass die Karten echt seien. Auch als ihm Vorsitzender Richter Oliver Dopheide klar machte, dass er „Schmarrn“ erzähle, blieb der Mann bei seiner Version. Dabei war er bereits in Frankreich wegen Kreditkartenbetrügereien und in Rumänien wegen gefälschter Schecks zu Freiheitsstrafen verurteilt worden.

Staatsanwalt Kinsky wertete die Aussagen des 49-Jährigen als „Blödsinn“. Allerdings sei nicht zu widerlegen, dass er lediglich das „Werkzeug“ seines Hintermannes gewesen sei. Trotz großer Bedenken kämen „minder schwere Fälle“ in Betracht, für die eine Gesamtstrafe von drei Jahren und zehn Monaten angemessen sei. Verteidigerin Komm verwies auf das Geständnis und beantragte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

Die Kammer verhängte schließlich für die gewerbsmäßige Kreditkartenfälschung, für drei Fälle des vollendeten und vier Fälle des versuchten Betrugs sowie Urkundenfälschung eine Gesamtstrafe von drei Jahren und acht Monaten. Lediglich in den vier Fällen, in denen die Transaktion gescheitert sei, sei man zu minder schweren Fällen gekommen, so der Richter.

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