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Startklar: Ärzte und Hebammen am Klinikum Erding (v. l.): Irene Brotsack, Julia Bernd, Maike Jörn-Großkurth, Dr. Birgit Niemeyer, Annemarie Wolf und Evelin Altenbeck.

Kreisssaal am Klinikum Erding geht wieder in Betrieb

Vollsortimenter rund um die Geburt

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Anfang, spätestens Mitte November geht der Kreißsaal am Klinikum Erding wieder in Betrieb. Ärzte und Hebammen sind froh und erleichtert, die Wende geschafft zu haben. „Wir sind wieder da“, jubelte Chefärztin Dr. Birgit Niemeyer bei einem Infoabend.

Erding - Als der Kreißsaal am Klinikum Erding im Juli geschlossen wurde, wurden die monatlichen Infoabende für werdende Eltern fortgesetzt. Zum ersten kamen noch viele Schwangere – und mussten ernüchternd wieder heimgehen. Ob und wann in Erding wieder Kinder auf natürlichem Wege zur Welt gebracht werden können, war ungewiss. Im August und September gab es immerhin Anzeichen, dass es mit der Wiedereröffnung „irgendwann im Herbst“ klappen könnte.

Beim Infoabend am Mittwoch nun herrschten Euphorie und Aufbruchstimmung. Erding verabschiedet sich aus dem Kreis der 59 Kliniken in Deutschland, die heuer ihre Geburtshilfe stilllegen mussten.

Chefärztin Dr. Brigitte Niemeyer und Annemarie Wolf als Koordinatorin der Hebammen konnten bestätigen: „Im November geht es wieder los. Wir sind soweit. Es ist in jeder Hinsicht ein Neuanfang“, erklärten sie vor rund 50 werdenden Eltern. „Wir hoffen, dass es gleich am 1. November losgehen kann, aber das haben wir nicht in der Hand“, so Wolf. Spätestens Mitte November sollen aber wieder natürliche Geburten möglich sein. Aktuell sind nur geplante Kaiserschnitte möglich. Zuletzt waren es rund fünf im Monat.

Grund für das Zeitfenster sind nach den Worten Niemeyers die Bauarbeiten im Kreißsaal. „Die sind mitten im Gange. Wir machen täglich Druck, dass wir die neuen Räume Ende Oktober übernehmen können.“ Vor der Inbetriebnahme sei ein Tag der offenen Tür geplant.

Die drei Kreißsäle – einer mit Wanne, ein vierter dient für Notfälle – würden derzeit völlig erneuert und mit modernster Technik ausgestattet, darunter kabellose Wehen- und Pulsmessgeräte sowie neuer Ultraschall. Alle Plätze sind monitorüberwacht.

Ihre Arbeit gemacht hat die Task Force Kreißsaal auch personell. Weil nur noch fünf Beleg-Hebammen zur Verfügung standen, musste der Kreißsaal im Juli geschlossen werden. „Mittlerweile sind es neun“, berichtet Wolf. Dies sei eine sehr gute Zahl, „denn so können wir auch mit Urlauben und Krankentagen sehr gut planen“. Eine Hebamme sei immer da, eine im Hintergrund und eine Dritte, die bei Notfällen kurzfristig ins Haus geholt werden könne. Vier Kolleginnen seien aus Erding und Umgebung. Hinzu kommen elf Ärzte sowie Kinderkrankenschwestern.

Wolf betonte, dass es nicht nur räumlich und personell ein Neuanfang sei, sondern auch bei der Versorgung rund um die Geburt. Sie kündigte ein Kursangebot der Hebammen an. So gebe es unter anderem Workshops in Erster Hilfe, für Beikost, Tragetuch, Säuglingspflege, Stillvorbereitung Stoffwindel, Windelfrei und kindlicher Schlaf. Ferner sei ein offenes Tragecafé geplant. Auch Akupunktursprechstunden gebe es.

Das Klinikum will nicht nur für den Geburtsvorgang an sich eine Anlaufstelle sein. Vor der Entbindung können sich Schwangere bezüglich Vorsorge, Betreuung, Hilfe bei Beschwerden sowie für Geburtsvorbereitungskurse an das Haus wenden. Für die Zeit danach gibt es eine bis zu achtwöchige Nachsorge zu Hause, Stillberatung sowie Rückbildungsgymnastik.

Wolf musste aber einräumen, dass es bei der häuslichen Nachsorge zu Engpässen komme werde. Bis zum Frühjahr 2018 sei man so gut wie ausgebucht. Angesichts der geringen Zahl an Hebammen sei das ein allgemeines Problem.

Engpässe sind auch bei den Geburten selbst nicht auszuschließen. Auslöser dafür ist nach den Worten Wolfs die Einigung der Kassen mit dem Hebammenverband, derzufolge Hebammen immer nur zwei Schwangere gleichzeitig betreuen dürfen. Wolf kritisierte diese Regelung scharf. Schon heute schlage der Hebammenmangel voll durch. Nun drohe eine weitere Verschlechterung.

Anmeldungen von Schwangeren nimmt das Klinikum Erding ab sofort unter Tel. (0 81 22) 59 16 48 entgegen.

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