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500 Euro für die Geburtshilfe hat Peter Böhme (2. v. r.) bei einer Benefizveranstaltung gesammelt (wir berichteten). Gestern übergab er das Geld ans Klinikum Erding. „Diese Geste macht mich sprachlos“, sagte Hebamme Annemarie Wolf (M.). Sie war eine von circa 60 Gästen am Spendenabend. Auf das Thema aufmerksam geworden war Böhme durch Leserbriefe im Erdinger Anzeiger. Er ist der Überzeugung: „Die Erdinger sollen ihre Kinder weiterhin in Erding kriegen.“ Die Spendensumme soll laut der Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. Birgit Niemeyer (r.), in ein künstlerisches Dekoelement für den Kreißsaal investiert werden, da die Spende auch aus einer künstlerischen Veranstaltung stammt. Ebenso über die Spende freuten sich Oberärztin Irene Brotsack (l.) und Dr. Dirk Last (2. v. l.), stellvertretender Vorstand des Klinikums, der den Wohltäter Böhme herzlich zur Wiedereröffnung des Kreißsaals im November einlud.

Klinikum Erding

Der Kreißsaal öffnet im November

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Neun Beleghebammen werden ab November im Klinikum Erding arbeiten. Der genaue Starttermin in der seit Juli geschlossenen Geburtsstation hängt aber noch von Bauarbeiten ab. Wenn die Modernisierung abgeschlossen ist, geht’s los.

Erding– Die Geburtshilfe im Klinikum Erding wird im November wiedereröffnet. „An welchem Tag genau, können wir noch nicht sagen“, erklärte Landrat Martin Bayerstorfer gestern in einer Pressekonferenz. Fragezeichen gebe es noch bei den Umbaumaßnahmen in den Kreißsälen. Das Personal steht dann aber bereit: Neun Beleghebammen, drei aus dem alten Team, drei neue aus dem Umland sowie drei aus dem Großraum München.

Im Juli hatte die Geburtsstation schließen müssen, weil nur noch fünf Beleghebammen den ganzen Dienst abdecken mussten. Damals schon dabei war Annemarie Wolf, die nun mit Julia Bernd dem Verbund der selbstständigen Geburtshelferinnen vorsteht. „Wenn wir das Projekt richtig machen wollen, dann braucht’s eine Modernisierung der Räume“, habe sie damals den Klinik-Verantwortlichen gesagt, berichtete die Lenggrieserin gestern in der Pressekonferenz.

Ergebnis der Bemühungen: Acht Hebammen sind bereits verpflichtet. „Für die neunte Stelle haben wir drei Bewerberinnen“, sagte Wolf mit einem Grinsen. Es seien ausschließlich erfahrene Kolleginnen ausgewählt worden.

„Die Kreißsäle werden komplett überarbeitet“, berichtete Klinik-Vorstand Sándor Mohácsi. Die Bauarbeiten sind voll im Gange. Alle Räume der Geburtsstation erhalten neue Böden und Farben: hell, warm, beruhigend. Aus vier Kreißsälen, von den einer zu klein ist, werden drei geräumige. Ein Clou sind „virtuelle Fenster“, hochauflösende Bildschirme, die beruhigende Naturbilder zeigen. Dazu kommen neue Wehenschreiber und andere Geräte. Insgesamt 80 000 bis 100 000 Euro werde sich das Klinikum das kosten lassen, berichtete Mohácsi.

Der Kreißsaal-Umbau sei „eine wichtige Säule für die Gewinnung der Hebammen“ gewesen, meinte Wolf. Doch es gab noch andere Argumente. Klinikum und Landkreis haben ein Gesamtpaket geschnürt. Erstens werden Kinderkrankenschwestern eingestellt, die den Hebammen als Stationshilfen zur Hand gehen. „Acht Stunden am Tag. Das sind 3,3 Stellen mehr“, sagte Dr. Dirk Last, stellvertretender Klinik-Vorstand über die finanziellen Auswirkungen. Dafür entfällt der bisher zusätzliche Bereitschaftsdienst der Hebammen. Sie werden in Zwölf-Stunden-Schichten im Klinikum arbeiten. Eine Beleghebamme wird vor Ort sein, nur in Ausnahmefällen eine zweite.

Zweitens erhalten die Beleghebammen eine Lohngarantie, vor allem in den vermutlich noch geburtenärmeren Anfangsmonaten. Als Selbstständige rechnen sie direkt mit den Kassen ab. Das Krankenhaus zahlt also grundsätzlich nichts, wird ihnen aber mit dem zusätzlichen Geldtopf notfalls unter die Arme greifen. Das ist nun umso wichtiger, weil ein aktueller Schiedsspruch die finanzielle Situation von Beleghebammen weiter verschlechtert hat.Last berichtete über anstrengende Monate in der Task Force zur Kreißsaal-Wiedereröffnung. Auch den Mitarbeitern der Geburtsstation dankte er. „Es war nicht selbstverständlich, dass sie der Klinik die Stange gehalten haben. Es sind Kinderkrankenschwestern in unbezahlten Urlaub gegangen.“

Hebamme Julia Bernd baut ein neues Angebot auf. „Wir wollen eine Art Elternschule etablieren“, berichtete sie. Geplant seien Workshops und Kurse von Babymassage über Tragetuchberatung bis Ernährung. „Wir haben außerdem vor, eine Elternsprechstunde einzurichten“, erklärte Chefärztin Dr. Brigitte Niedermeyer. Denn auch für die Nachsorge sei die Versorgung mit Hebammen im Landkreis schlecht.

„Es ist sicherlich einmalig, dass eine Geburtsstation, die geschlossen wurde, wieder eröffnet wird“, sagte der Landrat voller Stolz. Er bedankte sich bei allen Beteiligten. Das finanzielle Engagement des Landkreises halte er für absolut richtig: „Das muss es uns wert sein.“

Ein Infoabend

über die Angebote der Geburtshilfe findet am Mittwoch, 4. Oktober, um 17 Uhr im Klinikum statt. Dabei wird auch der Termin des Tages der offenen Tür in der umgebauten Geburtsstation bekanntgegeben.

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