Im Kreistag hat Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) sieben Wochen nach Ausbruch der Corona-Pandemie einen Zwischenbericht über die lokale Bekämpfung von Covid-19 abgegeben.
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Auf Abstand gehen die Fraktionen im Kreistag immer wieder – bislang nur politisch. Die letzte Sitzung in dieser Amtszeit fand in der Stadthalle statt, um die Sicherheitsabstände zu wahren. Die Pandemie war auch Thema. 

Landrat: „Schneller gehandelt als viele andere“

Corona-Zwischenbericht im Kreistag: Klinikum nimmt wieder Normalbetrieb auf

  • Hans Moritz
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Im Kreistag hat Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) sieben Wochen nach Ausbruch der Corona-Pandemie einen Zwischenbericht über die lokale Bekämpfung von Covid-19 abgegeben.

Erding – Im Kreistag hat Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) sieben Wochen nach Ausbruch der Corona-Pandemie – die erste Infektion war am 4. März bekannt geworden – einen ersten Zwischenbericht über die lokale Bekämpfung der weltweit grassierenden Lungenkrankheit abgegeben. Dabei betonte er, „dass wir in vielen Bereichen schneller und früher gehandelt haben als andere“. Auch deshalb sei es gelungen, das Virus in Schach zu halten. Als Beispiele nannte die Inbetriebnahme von gleich drei Teststellen seit 11. März sowie den Aufbau einer Notklinik im Fliegerhorst.

Was die Screenings, die an der FOS/BOS und am Bildungszentrum für Gesundheitsberufe in Erding sowie am Gymnasium Dorfen vorgenommen werden, betrifft, deutete Bayerstorfer vor dem Hintergrund des Abflauens der Pandemie an, diese auf einen Standort am Erdinger Stadion zu konzentrieren.

Notkrankenhaus im Fliegerhorst kann in 48 Stunden aktiviert werden

160 Betten im Notkrankenhaus – bis zu 1000 sind möglich – können laut Landrat binnen 48 Stunden aktiviert werden. Der Wartezustand koste den Landkreis 25 000 Euro pro Monat, das Vorhalten der Sauerstoffversorgung dort schlage monatlich mit 45 000 Euro zu Buche.

Die Lage im Klinikum bezeichnete er als „entspannt“. Seit März seien dort 91 Covid-19-Patienten behandelt worden. Aktuell seien es sieben. Insgesamt ist durch Umorganisation von Stationen Platz für über 100 Fälle, die gleichzeitig behandelt werden können. Vor diesem Hintergrund kündigte Bayerstorfer ein Wiederhochfahren des Krankenhauses und damit die Rückkehr in den Normalbetrieb an. „Ab sofort werden auch elektive Patienten wieder behandelt und operiert.“

Vier Millionen Euro für Schutzausrüstung

Bei der Schutzausrüstung sei Erding durch eine gute Bestellpolitik bestens ausgestattet. Desinfektionsmittel stelle man selbst her. „Was wir jetzt haben, reicht für zwei Monate“, so der Kreischef. Insgesamt habe man für vier Millionen Euro Masken, Schilde, Anzüge und Überzieher bestellt. Geliefert worden sei bisher für 1,4 Millionen Euro. Zum Selbstkostenpreis würden Praxen und Heime beliefert. Knapp 7600 Mund-Nasen-Schutze seien von Ehrenamtlichen genäht und zur Verfügung gestellt worden.

Sollte Schutzausrüstung übrig bleiben, könne diese in den Krankenhäusern in Erding und Dorfen – Letzteres wird als coronafreier Betrieb geführt – verwendet werden. „Das schont den Haushalt“, so Michael Hildenbrand, Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK).

Acht Landkreisbürger an Corona verstorben

Seit Ausbruch der Pandemie hätten Behörden und Hilfsdienste wie BRK, THW, Feuerwehr und Bundeswehr 2462 Kräfte für die Corona-Bekämpfung abgestellt, aktuell seien es 70, die der FüGK zuarbeiteten, darunter viele Kräfte aus der Kreisverwaltung; andere Abteilung seien heruntergefahren worden.

Hildenbrand berichtete, dass 267 Ordnungswidrigkeiten-Verfahren liefen, etwa nach Verstößen gegen die Ausgangsbeschränkung. 24 Covid-19-Infizierte hätten bislang auf der Intensivstation behandelt sowie 16 beatmet werden müssen. Acht Landkreisbürger sind an oder mit Corona verstorben.

Ressourcen schonen: Keine Massenscreenings

Dr. Sibylle Borgo, neue Leiterin des Gesundheitsamtes, blickte zurück, dass ab Mitte März die Fallzahlen zunächst sprunghaft gestiegen seien – „vor allem durch aus Südtirol und Österreich heimkehrende Wintersportler“. Der Aufbau der Kriseninfrastruktur sei „sehr schnell“ verlaufen. Borgo sprach von einer mittlerweile „extremen Entlastung“ und einer „deutlichen Reduzierung“ der Neuinfektionen. Alle Praxen hätten nun Schutzkonzepte.

Zu den Tests erklärte die Gesundheitsamtschefin: „Die Vorgaben macht das Robert-Koch-Institut. Angeordnet würden sie weiterhin von Hausärzten oder der Kassenärztlichen Vereinigungen, wenn Symptome vorlägen. Massenscreenings schloss sie weiter aus. „Wir müssen die Ressourcen schonen.“ Zudem gäben Tests nur eine Momentaufnahme wieder. Wegen der langen Zeit, in der die Krankheit ausbricht, „geben Tests oft auch eine falsche Sicherheit“.

Fachbereichsleiter Andreas Münsch berichtete von einer Vielzahl juristischer Fragen, die das Landratsamt erreichten. Die Unterstützung durch zahlreiche Ärzte, Hilfskräfte und Studenten habe dazu beigetragen, „dass wir superschnell reagieren konnten“.

Neue Kritik an Covid-19-Prävention in Asylbewerberheimen

Die Debatte um Corona-Schutz in Asylbewerberheimen weitet sich aus. Nach der Forsterner Grünen-Politikerin Maria Feckl hat im Kreistag Ulla Dieckmann (SPD) mehr Vorsorge angemahnt. Sie verlangte, dass Geflüchtete bei Umzügen in neue Unterkünfte auf Covid-19 getestet werden. „Die Regierung von Oberbayern macht es bei Abverlegungen aus den Ankerzentren auch.“ Zudem riet sie, die Belegungsdichte in den Unterkünften zu reduzieren, um direkte Kontakte zu minimieren.

Wie Feckl kritisierte Dieckmann, dass im Infektionsfalle die Asylbewerber in den Unterkünften blieben und alle weiteren Mitbewohner unter häusliche Quarantäne gestellt würden. „Damit werden weitere Ansteckungen in Kauf genommen. Hier leben aber auch Risikofälle wie Alte und Vorerkrankte.“ Dieckmann forderte, das Präventionskonzept zu überdenken. Zudem verlangte sie Wlan in allen Unterkünften, damit Kinder am digitalen Unterricht teilnehmen könnten.

Ein Test kostet 180 Euro

Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) erwiderte: „Gleiches Recht für alle.“ Flüchtlingsunterkünfte würden bei Tests und Quarantäne wie Hausstände beziehungsweise Wohngemeinschaften behandelt. Grundsätzlich sei das Landratsamt nicht für Tests zuständig, dies sei vielmehr die Kassenärztliche Vereinigung. An die müsse man sich wenden. Abstriche würden nach wie vor nur bei Verdachtsfällen sowie Personal von Heimen und Kliniken genommen. Außerdem erkenne er den Bedarf nicht: „Neue Flüchtlinge kommen derzeit nicht. Und es gab zuletzt nur zwei Umverlegungen – wegen häuslicher Gewalt“, so Bayerstorfer. CSU-Fraktionschef und Versorgungsarzt Dr. Thomas Bauer erklärte: „Man kann einen Test auch selbst veranlassen, der kostet aber 180 Euro.

Petra Bauernfeind (FW) bat um finanzielle Unterstützung für die Flüchtlingshilfe, die über 4000 Mund-Nasen-Schutze für ihre Klientel, unter anderem aber auch für Heime genäht habe. Bayerstorfer sagte, eine Bezuschussung sei auch nachträglich noch möglich. Die Förderung werde über die Kontaktstelle „Ehrenamt aktiv“ abgewickelt.

Hans Moritz

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