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Skeptisch: Der Langenpreisinger Steinmetz Erich Lechner (hier mit Frau Andrea) hat viele Aufträge in München.

Kritik aus dem Handwerk 

Dieselfahrverbot „blinder Aktionismus“

Die Handwerker blicken mit Sorge nach München. Sollte 2018 dort tatsächlich ein Dieselfahrverbot in Kraft treten, sehen viele ihr Geschäft bedroht.

Erding – In München droht ab 2018 ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge. Gerade Handwerker wären davon betroffen. Ihre Transporter fahren ausnahmslos mit Diesel. Entsprechend groß ist die Kritik. Der Handwerkskammerpräsident für München Oberbayern, Franz Xaver Peteranderl, wendet sich entschieden gegen diese Pläne. Er könne das höchstens befürworten, wenn die Unternehmen bei der Umrüstung ihres Fuhrparks zum Beispiel auf Elektrofahrzeuge unterstützt werden, sagte Peteranderl beim Kreishandwerkerempfang in Erding. „Alles andere wäre existenzgefährdend – nicht nur für Handwerker aus München“, erklärte er.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat Stadt München und Freistaat Bayern dazu verpflichtet, noch heuer ein Konzept für mögliche Diesel-Fahrverbote auszuarbeiten. Es geht dabei um die regelmäßig zu hohe Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid in München.

Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger hält den Richterspruch für wenig durchdacht. Er spricht von „blindem Aktionismus“ und schimpft: „Die sollen nur so weitermachen, die Hirschen da oben.“ Die Leidtragenden seien am Ende die Bürger, prophezeite Waxenberger. Denn so gerate die Nahversorgung mit Handwerkerdienstleistungen in Gefahr. Sein eigener Betrieb Anzinger Bau ist nicht in München tätig. Er meidet die Innenstadt, wie viele andere Handwerker, da für sie die aktuelle Situation aufgrund mangelnder Parkplätze auch jetzt schon nicht gut ist.

Die Finsinger Firma Wildgruber ist dagegen sehr viel in München unterwegs. Laut Prokuristin Gabriele Wildgruber macht der Sanitär- und Heizungsbetrieb etwa 60 Prozent seines Umsatzes in der Landeshauptstadt. Ein Fahrverbot hält sie daher auf jeden Fall für geschäftsschädigend. Auch die Einführung der blauen Plakette, mit der nur Dieselfahrzeuge mit Euro 6-Abgasnorm in die Innenstadt dürften, wäre für Wildgruber keine Alternative. Dafür müssten nämlich die insgesamt fünf Dieselfahrzeuge, von denen die zwei neuesten Euro 5-Norm haben, ausgetauscht werden.

„Die Zeche muss irgendjemand bezahlen. Aber wer?“, fragt Wildgruber. Für die meisten Betriebe sei die Modernisierung des Fuhrparks finanziell nicht zu stemmen. Hart treffen würde ein Verbot auch den Langenpreisinger Schreinermeister Peter Huber. Er habe viele Aufträge in München, unter anderem beim Innenausbau von Läden an der Maximilianstraße. Ähnlich geht es in Langenpreising Steinmetz Erich Lechner, der auch oft in die Landeshauptstadt muss.

Herbert Geisberger, Inhaber der Firma Garten Geisberger aus Isen, glaubt, das mit dem Verbot der Verkauf von Elektroautos angekurbelt werden soll. Doch bei dieser Technologie werde Augenwischerei betrieben und vieles in Sachen Ökobilanz unter den Tisch gekehrt. Immerhin: Geisberger hat aktuell bereits einen Lkw und einen Transporter mit Euro 6-Norm, sodass er bei Einführung der blauen Plakette weiterhin in München tätig sein könnte.

Grundsätzlich sei es eine sinnvolle Idee, die Emissionen zu reduzieren, findet Max Wittmann, Inhaber der Schreinerei Wittmann aus Neuching. Allerdings sollte dabei nichts überstürzt werden. „Ich würde mir wünschen, dass die Diskussionen ehrlicher wären und es keine Einteilung in Gut und Böse gibt“, sagt er. Sein Betrieb ist hauptsächlich in München beschäftigt – ungefähr zu 80 Prozent, schätzt der Schreiner. „Das sind Investitionen, die einem aufgezwungen werden. Das Geld kann man dann nicht mehr an anderer Stelle verwenden“, sagt er für den Fall, dass er tatsächlich neue Fahrzeuge kaufen muss.

An eine Umsetzung des Verbots glaubt allerdings keiner der befragten Handwerker. Auch der Kreishandwerksmeister zweifelt daran: „Die Politiker werden merken, dass sie sich ins eigene Fleisch schneiden.“ Gabriele Wildgruber versucht es mit Galgenhumor. „In Zukunft müssen wir wohl mit Drohnen arbeiten“, scherzt sie.

Maria Bachmaier

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