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Stinksauer sind die Asylhelfer auf Politik und Behörden (v. l.): Maria Brand, Heidemarie Eibl, Dagmar Wendel und Gertrud Eichinger.

Kritik der ehrenamtlichen Helfer

AGA: Bundesamt schlampt bei Asylverfahren

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Unter den Asylhelfern breitet sich Frust aus. Hauptkritik der Ehrenamtlichen: Behörden machen ihnen – künstlich – das Leben schwer. Dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge werfen sie Schlampigkeit vor.

Erding - Rund 900 Flüchtlinge leben derzeit im Landkreis Erding. Das schätzt zumindest die Aktionsgruppe Asyl (AGA). Die Zahl der Helfer geben Dagmar Wendel, Heidemarie Eibl, Gertrud Eichinger und Maria Brand mit 800 bis 1000 an. Doch von dieser Summe dürfe man sich nicht blenden lassen. „Der engere Kreis, der den Löwenanteil der Arbeiten übernimmt, ist viel kleiner“, sagt Brand. Dieser Kreis sei aber immer stärker gefordert – durch überbordende Bürokratie.

Eibl erklärt, dass es immer weniger Helfer würden. „Durch den Frust mit der Politik und den Behörden, aber auch durch die Umverteilungen nimmt die Zahl der Aktiven stetig ab.“ Erste Helferkreise befänden sich in Auflösung. Noch schlimmer laut Eibl und Wendel: „Wir finden kaum noch neue Kräfte.“

Als Gründe für den Frust nennen sie vor allem den Kommunalpass. Eibl kritisiert, dass die Karten oft nicht funktionierten oder ihre Gültigkeit nach nur einem Jahr verlören, obwohl ein viel späteres Ablaufdatum aufgedruckt ist. Beim Fachbereich Asyl des Landratsamts sollen deswegen zu Monatsbeginn täglich bis zu 50 Karten ausgetauscht werden müssen.

Sehr frustrierend, so Eibl, Brand und Eichinger, seien Willkür und Strenge bei den Arbeitsverboten. Zum Teil müssten Flüchtlinge Hals über Kopf ihren Job aufgeben oder könnten zugesagte Stellen nicht antreten. Laut Brand führt das dazu, „dass das Lernen und der Wille zur Integration der Migranten gebrochen werden“. Die Stimmung schwanke zwischen Hoffnungs- oder Perspektivlosigkeit und Wut.

Scharfe Kritik übt die AGA am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Brand erklärt: „Da das Bamf aufgrund einer Weisung des Bundesinnenministeriums alle Asylfälle der vergangenen Jahre in kürzester Frist aufarbeiten muss, zeigen Anhörungen und Bescheide massive Mängel.“ Eine gründliche Einzelfallprüfung sei nicht mehr erkennbar – genau das verlangt aber nicht zuletzt das Grundgesetz. Stattdessen lese man in vielen Schreiben keine individuelle Begründung, sondern Textbausteine.

Die Folgen, so die AGA-Vorsitzende, seien gravierend: „Bei 90 Prozent der – abgelehnten – Asylanträge führt das zu Klagen vor den Verwaltungsgerichten.“ Die Betroffenen müssten ihre gesamten Ersparnisse für Anwälte und Prozesskosten ausgeben.

Mittlerweile, so Brands Befund, sei die Justiz ob der Klageflut völlig überlastet. Die Folge: Die Verfahren ziehen sich in die Länge. So lange dürfen die Zuwanderer in der Regel aber keinen Job annehmen. „Mindestens ein Jahr ohne Arbeit bis zur Wiederaufnahme eines Verfahrens ist nicht unüblich“, kritisiert Brand. Über eine Petition wollen die Helfer durchsetzen, dass Flüchtlinge arbeiten dürfen, bis über ihre Zukunft entschieden ist.

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