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300 neue Parkflächen entstehen am Südufer des Kronthaler Weihers. Dazu wurden etliche Bäume gefällt (Mitte). Zur Sicherheit der Badegäste verlegt die Stadt die Straße In den Hacken vom Ufer nach Süden Richtung Siedlung.

Kronthaler Weiher 

Sicherheit wiegt schwerer als Lärmschutz

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Trotz Anliegerprotesten hält der Stadtrat an seinem Kurs fest, die Straße In den Hacken vom Südufer des Kronthaler Weihers in Richtung Norden zur Wohnbebauung hin zu verschieben. Langfristig Entlastung bringen kann aber nur die Nordumfahrung.

Erding – Um Klarstellung bemüht waren Andreas Erhard als oberster Rathaus-Jurist und Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) am Dienstag im Stadtrat. Denn zuletzt hatte es immer wieder Unstimmigkeiten über den weiteren Ausbau des Erholungsgebiets Erding Nord am Kronthaler Weiher gegeben.

Im nächsten Schritt will die Stadt die Straße In den Hacken – in einigen Plänen war irrigerweise von der Melkstatt die Rede – vom Südufer des Weihers nach Norden an den Wall verschieben, der die Freisinger Siedlung abschirmt. Zuletzt hatte sich das Gerücht verbreitet, dieser bei den Anliegern höchst umstrittene Schritt werde erst getan, wenn die Nordumfahrung (ED 99) mit eigener Weiher-Anbindung fertig ist – und die Laster vom Kieswerk Kronthaler nicht mehr durchs Wohngebiet fahren müssen.

Erhard erläuterte, dass es sich im Bebauungsplan 201 lediglich um eine Kann-Bestimmung handle. Daraus leiteten er und OB Gotz ab, dass die Straße In den Hacken auch ohne ED 99 verschwenkt werden könne.

Der OB erinnerte daran, dass man bereits 2009 mit dem Beschluss, das Naherholungsgebiet zu modernisieren, festgelegt habe, die Verkehrs- und Parksituation zu verbessern. „Nach Jahren haben wir dank Nordumfahrung die historische Chance, den Schwerverkehr aus der Freisinger Siedlung zu bringen.“ Und er verwies darauf, „dass es immer unser Anliegen war, die Besucher, vor allem Familien mit Kindern, auf dem Weg zum See besser vor dem Verkehr zu schützen. Er erinnerte aber auch an den Protest einiger Anwohner, die den Lärm vor allem der Kieslaster in unmittelbarer Nähe zu ihren Häusern fürchteten.

Gotz verwies auf das Schallschutzgutachten. „Demzufolge bräuchten wir gar keinen Wall.“ Der Experte habe mit 4000 Fahrzeugen am Tag, darunter 140 Lkw, mit bis zu 30 Kilometer pro Stunde gerechnet. „Es gibt keine Grenzwertüberschreitung.“

Harry Seeholzer (Erding Jetzt) kritisierte das in der Bevölkerung weit verbreitete St.-Florians-Prinzip. Am Kronthaler Weiher sei etwas Tolles geschaffen worden, das nun noch mehr Menschen anziehe. „Für deren Sicherheit müssen wir etwas tun. Für mich gilt: Allgemeinwohl vor Eigennutzen.“

Petra Bauenfeind (FW) zog das Gutachten in Zweifel. Vor allem leere Kieslaster seien sehr laut. „Wenn man wegen der Sicherheit am See die Straße verschiebt, müsste man das auch mit der viel befahrenen Johann-Sebastian-Bach-Straße machen.“

Hans Egger (Erding Jetzt) erklärte ebenfalls, dass die Sicherheit höchste Priorität habe. Die Anwohner seien durch den Wall gut abgeschirmt. Günther Kuhn (Grüne) meinte hingegen, dieser sei wegen der Lkw zu niedrig. Sein Kompromissvorschlag: „Die Stadt schafft zusätzlichen Lärmschutz.“

Das wies Gotz entschieden zurück. „Wir haben andere Bereiche in Erding, in denen es gar keinen Lärmschutz gibt, etwa entlang der Anton-Bruckner-Straße.“ Er warnte vor Bezugsfällen. „Mit der Gleichbehandlung wäre es dann vorbei.“

Horst Schmidt (SPD) schlug einen Kompromiss vor: eine Lkw-Straße am Weiher und eine für Badegäste am Wall – zumindest bis zur Fertigstellung der ED 99. Gotz meinte dazu nur: „Eine Insellösung hat für mich keine Logik.“ Die Gefahr bleibe.

Jakob Mittermeier (CSU) erinnerte daran, dass man seit Jahrzehnten um eine Verbesserung ringe. „Jetzt sind wir mit der Nordumfahrung so weit wie nie. Deswegen verstehe ich diese Debatte auf den letzten Metern nicht.“ Ins gleiche Horn stieß Walter Rauscher (CSU): „Die Situation am Weiher verschärft sich. Sicherheit geht vor. Und es zeichnet sich mit der Nordumfahrung endlich ab, dass die Freisinger Siedlung vom Schwerverkehr befreit wird.“

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