Rentnertreffen im Stadtpark: Michael Heindl (l.) und Karl-Heinz Bauernfeind nahmen die Stadtentwicklung unter die Lupe. foto: seidel

„Kultur ins Tal der Ahnungslosen“

Erding - Nicht Ball Pompös oder Schickimicki-Party, sondern der Turmschiaba-Ball ist und bleibt Erdings Faschingsereignis Nummer eins.

Der Häuptling der Freunde der Stadt Erding, Altbürgermeister Karl-Heinz Bauernfeind, begrüßte rund 140 Gäste wieder mit klassischen Zylinder. Kaum spielte die Hausband Top Secret auf, stürmten die Tänzer das Parkett. Nach dem Einzug der Narhalla begeisterte Funkenmariechen Emma mit einer artistischen Einlage, und Prinz Siegfried I. von den edlen Wasserrittern legte mit Prinzessin Verena I. vom Fashion Palast eine flotte Sohle aufs Parkett.

Erstes kabarettistisches Highlight war das Rentnertreffen im Stadtpark, in dem Heinz (Bauernfeind) und Michi (Heindl) gekonnt die Stadtentwicklung aufs Korn nahmen. Da erklärt Michi, sportlich-dynamisch mit Pulsmesser und Grünfutter, dass jede Stadt, die mehr als zehn Kreisverkehre hat, zur Großen Kreisstadt wird. Um den Neuaufbau des Mayr-Wirts fürchten beide. Michi, weil die Archäologen in der alten Metzgerei „recht viel Knochen finden werden“, Heinz, weil danach nichts mehr ist wie es war. „Da werden nicht mehr die Erna und die Rosa bedienen, sondern die Chantal und die Jaqueline.“ Es geht halt alles schief, nicht nur beim Gruber seinem Bau. „Die polnischen Maurer haben andere Wasserwaagen“, vermutet Michi, und gibt ihnen auch gleich die Schuld beim Schwimmbad - „lauter schiefe Mauern“. Und was nicht schiefgeht, geht stiften, wie die Stiftungsbrauerei. Michi kann ihm nur Recht geben, denn auch der Rubenberger und der Friedberger sind weg, sogar „s’Buff hat zugemacht“. Was?! „Das Boeff halt, beim Gruber drin.“

Einen weiteren Höhepunkt, das Turmgespräch, lieferten Andreas Mayr alias der Stodara und Josef Hochholzer, der scheena der beiden Türme. Letzterer ist aber der Marketing-Ekstase verfallen und nennt sich „the one and only beautyful tower of Erding“ , will er doch in Sachen PR mit der Zeit gehen. Der Stodara ist dagegen angeschlagen. Der Kran hat ihm beim Sturm das Auge gebläut. Es wird eben allaweil umeinand gebaut, und die Sparkasse tut sanieren. „Vielleicht ist es der nass neiganga“, meint der Stodara. Ebenso rätselt er, wo der Stadtbaumeister mit seiner Plakatierungsverordnung bei dem großen Werbeplakat zur Langen Zeile war.

Eine Erdinger Antwort auf die Eurokrise ist nach Ansicht des Scheena die LZK, die Landeskreiszentralkasse „Scheiß auf die Krise, wir machen unser eigenes Geld“, freut sich der Stodara. Heißen soll das Geld nicht Wundpfund, Gotzbatzen oder Ardeokiesel sondern Airdinger, denn gegen einen Erdinger fürchtet der Scheene den Einspruch Brombachs.

Dass mit dem Ruhestand von Bendl, Biller, Erhard und Kirmair das Ende des Bildungs- und Kulturbetriebs naht, fürchtet da Stodara. Aber er blickt nach Dorfen und sieht, dass man dort den Jakobmayer wieder zum Leben erweckt hat. „Da kommt Kultur ins Tal der Ahnungslosen“, sagt der Scheena. Der Stodara freut sich, dass „im Juli die Titanic nochmal untergehen darf“. Dem Vorschlag, dies mit der Weia-Feier zu kombinieren, widerspricht er, „weil untergehen kannst eher mit da Stadthalle ois mit der Wasserwacht“. Dass deren Chef heuer Faschingsprinz ist, und der des Vorjahres von der Feuerwehr stammt, lässt ihn fragen: „Geht’s der Narrhalla so schlecht, dass die der Reihe noch olle Hilfsorganisationen brauchen?“

Bleibt noch der Name des neuen Gymnasiums, dessen Abkürzung KAG für den Scheena schlimmer klingt als Gymnasium am Schrottplatz. Der Vorschlag beider: „Turmschiebergymnasium“.

Gert Seidel

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