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Mit rostendem Strahl bringt Harry Seeholzer die Gemüter in Wallung. Die Tore auf den Kreisverkehren wurden heiß diskutiert.

Auszeichnung des Landkreises

Kulturpreis für Harry S. und Kreisjagdverband

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Zwei Preisträger, die nicht unterschiedlicher sein könnten und dennoch eines gemeinsam haben: Künstler Harry S. und der Kreisjagdverband sind tief im Landkreis Erding verwurzelt und prägen ihn durch ihre Arbeit.

Erding – Der Kulturpreis des Landkreises geht an den Kreisjagdverband und Künstler Harry Seeholzer. Bei beiden könnte man sich wundern, warum sie die Auszeichnung nicht schon lange bekommen haben. Der Vertreter des einen Gewinners, Vorsitzender Thomas Schreder, erfuhr davon als Kreisrat im Landratsamt, der andere Preisträger bekam den Anruf im Urlaub auf Kreta. Gefreut haben sie sich beide.

„Jagd als Kulturgut unseres Volkes“

Traditionell sind es zwei Preisträger pro Jahr. Der Ausschuss beschloss am Montagnachmittag in nichtöffentlicher Sitzung die Vergabe an den Maler und Bildhauer sowie an den Kreisjagdverband. Anschließend wurde die Entscheidung bekannt gemacht. Im grünen Lodenfrack nahm Schreder die persönlichen Glückwünsche seiner Kollegen im Ausschuss für Bildung und Kultur entgegen. Harry S. dürfte luftiger angezogen gewesen sein. „Ich schau mir gerade mit einem Mai Tai und einer guten Zigarre in der Hand den Sonnenuntergang an. Wir haben 32 Grad“, erzählte er beim Anruf unserer Zeitung.

Die Jagd sei in der Kulturgeschichte der Menschheit ein wesentliches Element, erklärte Landrat Martin Bayerstorfer bei seiner Laudatio. Der Kreisjagdverband habe unter anderem zum Ziel, „die allgemein anerkannten Grundsätze waidgerechter Jagdausübung zu pflegen und das Verständnis für die Jagd als Kulturgut unseres Volkes in der Bevölkerung zu fördern“, würdigte der CSU-Politiker den 550 Mitglieder starken Zusammenschluss. Seine Vorläufer seien bereits 1920 in Dorfen und 1924 in Erding gegründet worden.

Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen und die von den Jadhornbläsern gestalteten Hubertusmessen geben der Bevölkerung laut Bayerstorfer einen guten Einblick ins Jagdwesen und seine Kultur. Dazu gehörten die Ausbildung der Jagdhunde und die Falknerei. Den „vorbildlichen Beitrag zur Umwelterziehung“ in der Arbeit mit Kindern hob er ebenso hervor. Der Kreisvorsitzende freute sich für seine Mitglieder. „Damit können wir die ehrenamtliche Seite der Jagd in den Vordergrund stellen“, sagte der 51-Jährige. Der Verband habe sich schon einige Male um den Preis beworben.

Wie auch der Jagdverband ist der zweite Preisträger im Landkreis verwurzelt. Der 57-Jährige lebt und arbeitet in Erding, wo er auch Mitglied des Stadtrates ist. „Das untrennbar mit dem Landkreis Erding verbundene künstlerische Werk Harry Seeholzers erscheint mehr als preiswürdig“, schloss Bayerstorfer seine Laudatio. Darin würdigte der Landrat Seeholzers Wirken als Aktionskünstler sowie seine große Bandbreite der Ausdrucksformen von Malerei über Skulpturen aus Holz, Stein und Bronze bis hin zu seinem größten Projekt: dem Weiden- und Skulpturenpark „S-amhain“.

„Für manche ist das eine Tor-tur“

Auch mit dem Erdinger Traditionsgut setze sich Seeholzer auseinander, etwa mit seiner Turmschieber-Skulptur samt Wasserspiel an der Münchner Brücke, berichtete der Landrat. Aktuell habe er sich am Wettbewerb für die Brunnenskulptur am Fehlbach beteiligt, erzählt Seeholzer. Außerdem plane er eine Ausstellung mit seinem Sohn im Frauenkircherl.

Über die Kunstszene hinaus ist Seeholzer gerade in der jüngeren Vergangenheit bekannt geworden: als Schöpfer der Tore auf Erdinger Kreisverkehren. „Für manche ist das eine Tor-tur“, sagte Seeholzer gestern lachend zu den sehr gemischten Reaktionen. „Aber das ist doch schön, wenn man polarisiert. Was kann einem als Künstler in der heutigen Zeit besseres passieren?“, meinte der Bildhauer. So erfülle der Preisträger eine wichtige Aufgabe, erklärte auch der Landrat: „Die Menschen setzen sich aktiv mit Seeholzers Kunst auseinander und treten miteinander in Diskurs.“

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