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Strahlende Preisträger und ein brillanter Festredner (v. l.): Landrat Martin Bayerstorfer, Thomas Schreder vom Kreisjagdverband, Künstler Harry Seeholzer und Pfarrer Rainer Maria Schießler vor dem Symphonieorchester Erding in der Stadthalle Erding beim Eintrag ins Goldene Buch des Landkreises.

Kulturpreis des Landkreises

Seeholzer und Jäger: Zwei Spiegel der Zeitgeschichte

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Eine Majestät und einen lebendigen Adler hat es auf der Kulturpreisverleihung des Landkreises noch nie gegeben. Am Freitagabend mischte sich Jagdkönigin Lisa Müller unter die Gäste. Denn die 39. Auszeichnungen gingen an den Kreisjagdverband und den Erdinger Künstler Harry Seeholzer.

Erding - Wie weit der Begriff Kultur zu fassen ist, und wie groß die Bereiche sind, die er abdeckt, dafür stehen die diesjährigen Kulturpreise, die Landrat Martin Bayerstorfer am Freitagabend in der Stadthalle an den Kreisjagdverband sowie an den Erdinger Künstler Harry Seeholzer verliehen hat.

Die Ausübung der Jagd ist für Bayerstorfer „ein Spiegel der Zeitgeschichte“. Gerade bei der Jagd werde der gesellschaftliche Aspekt des Kulturellen deutlich. Vor Ort repräsentiert werde sie seit 1948 von der Bezirksgruppe Erding im Bayerischen Jagdschutz- und Jägerverband, heute als Kreisjagdverband bekannt, gegründet vom damaligen Oberdinger Bürgermeister Albert Schweiger.

Besonders geprägt, so Bayerstorfer, habe den Verband Dr. Egon Lechner, Vorsitzender von 1972 bis 1996. Einige Wegmarken dieser Ära griff er heraus: die Neueinteilung der Hegeringe, Ausstiegshilfen für Tiere im Isarkanal, das Engagement in der Naturschutzwacht, die Gründung eines Bläserchors und die Hegeschau in heutiger Form.

Seit Jahren setze sich der Verband für das Verhindern von Wildunfällen sowie des Mähtods von Kitzen ein. Lechners Nachfolger war Kurt Hörmann, in dessen Amtszeit Franz Streibls Chronik fällt. Er blieb zehn Jahre. Seit 2006 ist Thomas Schreder im Amt. „Er wirkt stets auf einen Interessenausgleich zwischen allen Nutzergruppen, der Verwaltung und der Politik ein.“ Schreders Projekte seien unter anderem das Umweltmobil sowie der Schulkalender. Darüber hinaus würdigte Bayerstorfer die Leistungen der Jagdhornbläser, die beim Festakt freilich nicht fehlen durften.

Seeholzer, als Künstler besser bekannt als Harry S., sei einer, „der mit seiner Kunst den Menschen neue Perspektiven auf Natur und Umwelt aufzeigt“, so Bayerstorfer. Er erinnerte daran, dass Seeholzer als Masseur begonnen habe. Die Gesundheitsreform habe dafür gesorgt, dass Seeholzer fortan nur noch künstlerisch tätig war, wenngleich er sich heute auch kommunalpolitisch betätige – im Rat seiner Heimatstadt.

Der Landrat blickte auf Seeholzers erstes großes Projekt zurück – „Erding liebt Harry S.“, bei dem er in 19 Geschäften Harry.S-Produkte – vom Brautkleid bis zur Bäckersemmel – gezeigt hatte und zum Schluss schlagzeilenträchtig sogar übers Wasser der Sempt gelaufen war. Längst genieße der 58-Jährige internationalen Ruhm – als Maler wie als Bildhauer. Dabei verwies Bayerstorfer auf die zahlreichen Exponate am Flughafen München. Als größtes Projekt würdigte er den Weiden- und Skulpturenpark in Taufkirchen.

2005 dehnte Seeholzer sein künstlerisches Schaffen in die dritte Dimension aus – oft mit der Kettensäge. Als Beispiel führte Bayerstorfer den Blauen Christus auf, der voriges Jahr in der Stadtpfarrkirche ausgestellt war. „Seine Werke tragen zum Nachdenken über die Gegenwart bei“, so der der Landrat. Auch auf die umstrittenen Stadttore aus Corten-Stahl in Erding-West ging der Laudator ein. Zu der zum Teil hämischen Kritik bemerkte er: „Der Werbeeffekt für Seeholzer und seine Tore hätte kaum größer ausfallen können.“ Damit habe er zum Diskurs angeregt.

Die Kulturpreisverleihung ist stets auch ein musikalischer Genuss – dank des Symphonieorchesters unter der Leitung von Veronika Marschall.

Nicht minder preiswürdig war die Festrede, die der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler hielt. Selten hat man einen so herzerfrischenden, humorvollen und zugleich tiefgründigen Beitrag gehört. Schießler meinte, es gebe Dinge, die man nicht über ihren Zweck definieren könne. Dazu gehöre die Kultur – „dem einen gefällt’s, dem anderen nicht“. Wer sehen wolle, wie künstlerisches Schaffen entsteht, müsse Kinder beim Spielen beobachten.

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