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Eintrag ins Goldene Buch bei der Kulturpreisverleihung in der Stadthalle Erding (v. l.): Bernhard Thalhammer, Vorsitzender des Theatervereins Isen, Ulli Büsel, Leiterin des Jugendkammerorchesters Violinissimo, dahinter Landrat Martin Bayerstorfer und Festredner Dr. Norbert Göttler (r.). 

Kulturpreisverleihung

„Kultur ist der Kitt unserer Gesellschaft“

Zum 41. Mal verlieh der Landkreis Erding den Kulturpreis. Er ging dieses Jahr an das Jugendkammerorchester Violinissimo und den Theaterverein Isen. Die jungen Musiker sorgten promt für eine Überraschung.  

Erding– Die schönen Künste bereichern das Leben. Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler ging in seiner launigen Festrede bei der 41. Verleihung des Kulturpreises am Freitagabend sogar noch weiter: „Kultur ist kein Luxusprodukt, sie ist der Kitt unserer Gesellschaft, sie ist das, was uns zusammenhält.“ Der mit jeweils 2000 Euro dotierte Preis ging heuer an das Jugendkammerorchester Violinissimo aus Erding und an den Theaterverein Isen.

„Musik ist für den Menschen elementar“, konstatierte auch Landrat Bayerstorfer in seiner Laudatio auf das Jugendkammerorchester Violinissimo und führte sogleich den Beweis an: „Wir alle lauschen heute Abend zwischen den Reden mit Freude den Darbietungen des Sinfonieorchesters der Kreismusikschule und genießen die Musik.“ Ein musikalisches Aushängeschild für den Landkreis sei Violinissimo, im Jahr 2004 von der Erdinger Geigerin Ulli Büsel gegründet. Seitdem hat es zahlreiche Preise gewonnen, und man könne zurecht sagen: „Das Jugendkammerorchester gehört zu besten jungen Orchestern der Welt.“ Außergewöhnlich sei – neben dem hohen künstlerischen Niveau – sein Konzept, ohne Dirigent zu spielen. „Nicht mitmachen, sondern Verantwortung zeigen, mitgestalten, das sei das Motto von Violinissimo. Überall, wo Büsel als Geigenlehrerin wirkte, habe sie versucht, ihre Idee umzusetzen – Musizieren ohne eine Autorität, die von oben bestimmt. Der erste Auftritt außerhalb Erdings war 2011 beim Bayerischen Orchesterwettbewerb und er schlug ein wie eine Bombe. Die jungen Musiker sahnten ab und ließen bekannte und hochgelobte Ensembles hinter sich. Aus diesen Siegen wurde ein Serie mit internationalen Einladungen, so spielten sie bereits in der Carnegie Hall in New York. Trotz aller Erfolge bleibe das Orchester seiner Heimat treu und geben regelmäßig Benefizkonzerte mit einem Gesamterlös von insgesamt 45 000 Euro. Strahlend nahm Büsel die Urkunde entgegen und meinte: „Meine Güte, wenn ich das so höre, haben wir das wirklich alles erlebt?“ Sie dankte vielen Gönnern, Helfern und Sponsoren, aber vor allem ihren Violinissimos: „Ihr seid großartig!“

Den Zugang zur Kultur eröffne im ländlichen Bereich besonders das Amateurtheater. „Das Theater ist ein Ort voller Zauber“, sagte Bayerstorfer in seiner Laudatio auf den Theaterverein Isen. Gerade Laienschauspieler würden mit ihrem ehrenamtlichen Engagement entscheidend zur Stabilisierung der Gesellschaft beitragen. Mit dem Modell des Mehrgenerationentheaters – wie es auch die Isener pflegten – gehe die älteste Form der Vermittlung von Bildung einher: Die Jungen lernen von den Erfahrenen.

Das Theaterspiel in Isen habe eine lange Tradition, die sich bis ins Jahr 1903 zurückverfolgen lasse. Den heutigen Verein gibt es seit 36 Jahren. Seither realisierten die rund 30 Aktiven unter den insgesamt 90 Mitgliedern 94 Stücke. Gespielt wurden Komödien und bayerische Volksstücke sowie Musicals. Aber auch an gesellschaftpolitische oder sozialpolitische Stücke wagte sich der Theaterverein. Fest im jährlichen Programm verankert ist das Märchen zur Weihnachtszeit, das die Jugend gerade auf die Bühne gebracht hat. Ein herausragender Aspekt der Isener Theaterarbeit sei die Einbeziehung der jüngsten und jungen Generation in die Schauspielwelt und die Integration von Menschen mit Behinderung.

2. Vorsitzender Rainer Annuscheit übernahm die Dankesrede und meinte bescheiden, die Jury habe es schwer gehabt, denn es gebe sehr viele gute Bühnen im Landkreis. Er gratulierte auch Violinissimo und gab zu, nicht gewusst zu haben, „solch ein hochkarätiges Orchester im Landkreis zu haben“. Davon gaben die jungen Musiker dann auch prompt eine Kostprobe. Energiegeladen zeigten sie an ihren Streichinstrumenten, was sie drauf haben und machten ihre Leiterin sichtlich stolz. Dafür ernteten sie vom Publikum Stehende Ovationen.

Alexandra Anderka

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