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Ein hochkarätigen Gast hatte K BW-Geschäftsführer Hans Otto Seitschek (l.): den früheren bayerischen Kultusminister, Politikwissenschaftler und Publizisten Hans Maier. 

Kultusminister a. D. Hans Maier beim Kreisbildungswerk 

Religion und Gewalt – eine stete Spannung

Auf Einladung von Geschäftsführer Hans Otto Seitschek hielt der ehemalige bayerische Kultusminister Prof. Dr. Hans Maier im Johanneshaus einen eindrucksvollen Vortrag.

Erding – Hohen Besuch hatte dieser Tage das Katholische Bildungswerk Erding (KBW). Auf Einladung von Geschäftsführer Hans Otto Seitschek hielt der ehemalige bayerische Kultusminister Prof. Dr. Hans Maier im Johanneshaus einen eindrucksvollen Vortrag. Aktuelle Veröffentlichungen des Vortragenden zu diesem und anderen Themen konnten an einem Büchertisch der Buchhandlung Lesezeichen erworben werden.

Ausgehend vom Lukas-Evangelium, „Nötige sie, hereinzukommen“, betonte Maier, dass Religion an keinem Zwang leiden dürfe, am wenigsten durch die Religion selbst. „Das Gewissen kann nicht genötigt werden, jedes wahre religiöse Bekenntnis kann nur in Freiheit geschehen – aller Gewalt zum Trotz“, so Maier.

Dabei seien zwei Richtungen der Gewalt zu unterscheiden: einmal die, die von Religionen ausgeht, zum anderen die, die öffentlichen Zwang auf Religionsgemeinschaften ausübt. „Oftmals radikalisieren sich religiöse Gruppen gerade dann, wenn sie von staatlicher Autorität unter Druck gesetzt werden“, urteilte Maier.

Ob die verfassungsrechtlich garantierte Religionsfreiheit das beste Mittel sei, um hier zu einem Interessensausgleich zwischen verschiedenen Religionsgemeinschaften und dem Staat zu kommen, war eine der Fragen, die im Anschluss an den Vortrag lebhaft diskutiert wurden. Das war der Tenor: In Deutschland hat sich die Religionsfreiheit in den zurückliegenden Jahrzehnten in den meisten Fällen gut bewährt. So blieb der Wunsch, dass sich auch andere moderne Staaten an dem Modell der Kooperation zwischen Religionsgemeinschaften und dem Staat orientierten und der Religion Freiheit einräumen.

Maiers Ausführungen boten weitere Anknüpfungspunkte – so zur Frage der Interpretation heiliger Schriften, die in Christentum und Islam unterschiedlich gehandhabt wird und einen wichtigen Schlüssel für das Verstehen beider Religionen darstellt.

Schließlich wurden noch historische Themen angesprochen, unter anderem die Kreuzzüge und die Frage der Anwendung von Gewalt bei der Glaubensausbreitung des frühen Christentums in der vielschichtigen religiösen Welt der römischen Spätantike.

„In vielen Punkten konnten an diesem Abend in der Diskussion Gegenwartsbezüge hergestellt und aktuelle Themen besprochen werden“, bilanzierte Seitschek. So blieb am Ende die Hoffnung, „dass sich der Gedanke wahrer Religionsfreiheit immer weiter ausbreiten möge“, wie es der KBW-Geschäftsführer formulierte.  red

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