1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Erding

Kunstvolle Hineinwinker

Erstellt:

Kommentare

In Schwarz und Gold gehalten ist das Nasenschild am Geschäftshaus der Konditorei Krönauer am Ende der Langen Zeile. Es ziert eine kunstvolle Torte.
In Schwarz und Gold gehalten ist das Nasenschild am Geschäftshaus der Konditorei Krönauer am Ende der Langen Zeile. Es ziert eine kunstvolle Torte. © Peter Gebel

Erding - Sie sollten die Kundschaft zum Eintreten animieren: Nasenschilder. In Erding gibt es davon noch einige an Geschäftshäusern. Wir haben uns umgesehen.

Bei einem Stadtrundgang in Erding lohnt sich nicht nur ein Blick in die bunt geschmückten Schaufenster, sondern auch in die Höhe. Dort finden sich kunstvoll gestaltete Schilder, die auf die Profession der Ladeninhaber hinweisen. Diese so genannten Nasenschilder, die wie eine Nase aus dem Geschäft herausragen, haben eine lange Tradition.

Bereits im Mittelalter gab es Nasenschilder für Gasthäuser, die Reisende zur Einkehr animieren wollten. Abgebildet waren oft Zunftzeichen oder Bilder, selten jedoch ein Name oder Text. Auch Handwerksbetriebe übernahmen diese Art der Werbung. Da zeigte die Breze eine Bäckerei oder der Schuh einen Schuster an. Doch Nasenschilder seien nicht mit Zunftzeichen zu verwechseln, betont Harald Krause, Leiter des Museums Erding: „Die Zunftzeichen wurden bei Zusammenkünften der Handwerkszunft mit ihren Meistern an die Deckenleuchte über den Tisch gehängt und zeigten den anderen Gästen im Raum, dass hier eine Sitzung stattfand, die nicht gestört werden durfte“. Aber die Zunftsymbole wurden auf den oft schmiedeeisernen Schildern gern genutzt, um Kundschaft ins Geschäft „hineinzuwinken“, so Krause.

Obwohl das Museum Erding eine stattliche Sammlung an Werbeschildern der vergangenen 150 Jahre hat, befindet sich kein Nasenschild im Bestand. Dies wird sich mit dem Abriss des Mayr-Wirt an der Haager Straße ändern, dann soll das Schild dem Museum übergeben werden, freut sich Krause.

Die Installation eines stilvollen Nasenschildes über dem Eingang zur Gaststätte war eine der ersten Taten von Andreas Mayr als Wirt. „Ich wollte damals unbedingt ein Schild, das auf unseren Gasthof hinweist, denn der Schriftzug an der Wand war viel zu unauffällig“, erzählt Mayr, der den Hotel-Gasthof bis zur Schließung Ende 2017 geführt hat. Überraschend für ihn sei die Erfordernis eines Bauantrages für das Schild gewesen, erinnert er sich. Da das Schild in den öffentlichen Raum hineinrage, sei dafür eine so genannte „Luftsteuer“ zu bezahlen, weiß Mayr heute.

Später wurde das Schild, das zunächst nur einen Schriftzug in gotischer Schrift aufwies, ersetzt mit dem Logo mit der Stadtsilhouette in Blau auf weißem Hintergrund und geschwungenem Schriftzug. Er fand sich auch auf den Briefbögen und Menü-Karten wieder.

Schmiedepatron Eligius könnte die Figur auf dem Schild mit Hammer und Amboss beim Eisen-Schmid zeigen.
Schmiedepatron Eligius könnte die Figur auf dem Schild mit Hammer und Amboss beim Eisen-Schmid zeigen. © Peter Gebel

Auf eine vergangene Tradition weist auch das imposante Nasenschild vom Gschmeimacher Karl Schmid an der Landshuter Straße hin. Dort hatte die Firma Eisen-Schmid bis zur Schließung Ende 2009 ihren Sitz. Begründet wurde das Geschäft 1805 in dem kleinen Friseurhaus hinter dem Schönen Turm. Es vergrößerte sich dann in dem neuen Geschäftshaus gegenüber (heute das Geschäft „Gewusst wo“), an dem noch heute eine großflächige Sgraffito-Fassadenverzierung von Benno Hauber auf die ehemalige Eisenwarenhandlung hinweist.

1977 wurde das neue Geschäftshaus auf der anderen Straßenseite bezogen und mit einem Nasenschild geschmückt. Der Begriff „Gschmeimacher“ weist auf feinere Schmiedearbeiten wie Zaumzeuge für Pferde hin, die Figur auf dem Schild mit Hammer und Amboss könnte den Schmiedepatron Eligius als Bischof darstellen, wie Albrecht Gribl in seinem Buch „Schatzkammer Erding“ schreibt.

Kaum zu übersehen sind die Nasenschilder am „Gasthaus zur Post“, einst Rasthaus mit Poststation. Das goldene Posthorn an der Ecke ist weithin sichtbar, daneben bläst der Postillon auf dem Pferd ins Horn, beide Schilder wurden mit Blumen verziert.

Der Postillon auf dem Pferd bläst ins Horn. Das Nasenschild am Gasthaus Zur Post ist nicht zu übersehen. 
Der Postillon auf dem Pferd bläst ins Horn. Das Nasenschild am Gasthaus Zur Post ist nicht zu übersehen.  © Peter Gebel

Prunkvoll ist auch das Nasenschild am Stammsitz des Erdinger Weißbräu an der Langen Zeile mit dem fein ziselierten Ausleger in Schwarz und Gold. Der Braubottich mit den Weizenähren und den Braulöffeln verweist auf die Brautradition am Stammhaus der Weißbier-Brauerei.

Eine kunstvolle Torte ziert das Geschäftshaus der Familie Krönauer am Ende der Langen Zeile. Dort stand das ehemalige Schönherr-Haus am Freisinger Tor, das 1965 von Helmut und Genoveva Krönauer erworben und später neu erbaut wurde, wie eine Tafel informiert. Die Kuchen und Torten aus der Konditorei Krönauer werden nur noch im Straßenverkauf angeboten, im Café ist jetzt eine Bäderausstellung beheimatet.

Auch an der Bäckerei Neumaier, Landshuter Straße, locken Backwerk und Torten auf dem Nasenschild die Kundschaft an. Angefertigt wurde das Schild im Jahr 2000. „Mein Mann Max († 2021) wollte immer schon ein traditionelles Nasenschild anbringen lassen“, erinnert sich Renate Neumaier und erklärt auch die Geschichte des Zusatz-Täfelchens.

„Der Fasching hat in der Historie des Geschäfts eine wichtige Rolle gespielt, denn sowohl meine Schwiegereltern als auch ich und mein Mann haben sich jeweils beim Lumpen- und Baziball in der Post kennengelernt“. Dem Fasching blieben Max und Renate Neumaier eng verbunden und wurden 1999 als Prinzenpaar der Narrhalla gekürt.

Von einem Tegernseer Künstler ließen die Inhaberinnen des Buchladens Erdinger Lesezeichen ihr in Grün und Gold gehaltenes Ladenschild anfertigen. Bei der Eröffnung vor 20 Jahren war der Buchladen noch auf der anderen Seite der Haager Straße zu finden, 2015 zog der Laden mitsamt seinem Aushängeschild über die Straße, wie Mitinhaberin Birgit Stoiber erzählt.

Wer aufmerksam durch die Stadt geht, wird noch weitere schön gestaltete Nasenschilder entdecken – etwa der Herzogstubn am Kleinen Platz, beim Stadthotel an der Langen Zeile oder am Gasthaus Kreuzeder.

GERDA UND PETER GEBEL

Auch interessant

Kommentare