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Landkreis Erding: Lage an den Schulen angespannt

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Von: Hans Moritz

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Blumen zum Einstand: Schulamtsleiter Robert Leiter (2. v. l.) mit dem neuen Vollzeitschulrat Stephan Rettig, Seminarrektorin Simone Artmann und Fabian Steffl, jetzt Konrektor der Mittelschule Erding (v. l.).
Blumen zum Einstand: Schulamtsleiter Robert Leiter (2. v. l.) mit dem neuen Vollzeitschulrat Stephan Rettig, Seminarrektorin Simone Artmann und Fabian Steffl, jetzt Konrektor der Mittelschule Erding (v. l.). © Hans Moritz

Erding – Corona, Quarantäne, Erkältungszeit und Schwangerschaften: Die Lehrerversorgung an den Grund- und Mittelschulen im Kreis Erding ist angespannt.

„Die Personalsituation ist sehr eingeschränkt“, gab Schulamtsleiter Robert Leiter in einer Pressekonferenz zu. Allerdings habe man erst eine Klasse auf die gesamte Jahrgangsstufe verteilen müssen, weil die Lehrerin längere Zeit ausfällt. Es handelt sich um eine vierte Klasse an der Grundschule am Ludwig-Simmet-Anger in Altenerding. „Das soll aber nur vorübergehend so sein“, betonte er.

In Isen, so Leiter weiter, sei man dabei, eine solche Situation zu verhindern. Eine Teamlehrkraft stehe unmittelbar vor der Einstellung. Sie soll eine schwangere Kollegin, die von zu Hause unterrichtet, im Klassenzimmer unterstützen. „Wegen Corona müssen Schwangere sofort abgezogen werden, ob sie wollen oder nicht“, erklärte Leiter.

Die Mobile Reserve, immerhin 38 Kollegen, sei komplett und langfristig gebunden. „Und auch hier gibt es Krankheiten und Schwangerschaften.“ Man sei nach wie vor auf der Suche nach Ersatz – Lehrer nach dem ersten Staatsexamen und Lehramtsstudierende höherer Semester. „Wir freuen uns über Bewerbungen“, so Leiter.

Der Freistaat habe zwar mehr Studienplätze geschaffen, „aber es dauert natürlich ein paar Jahre, bis die jungen Kollegen zu uns kommen können“. Immerhin: An den Grundschulen sehe er „Licht am Horizont“. An den Mittelschulen sei die Lage „sicher nicht besser“. Das größte Problem hier: Der oftmals schlechte Ruf dieser Schulart motiviere nicht dazu, darauf zu studieren. Dabei sei der Ruf völlig ungerechtfertigt. Ein Problem sei auch die Bezahlung. Der Vorstoß im Landtag, Lehrer besser zu besolden und die Grund- und Mittelschullehrer finanziell nicht schlechterzustellen, ist bekanntlich an der CSU/FW-Staatsregierung gescheitert.

Um die angehenden Grundschullehrer kümmert sich ab sofort Simone Artmann, die Leiter als neue Seminarrektorin am Standort Oberding vorstellte. Ein Hauptschul- und zwei Grundschulseminare gibt es im Landkreis – in Taufkirchen, Klettham und Oberding. „Nach dem zweiten Staatsexamen sind die jungen Kollegen an zwei Tagen in der Woche bei uns und werden auf den Schuldienst vorbereitet, die anderen drei Tage sind sie in ihren Klassen“, berichtet die Poingerin (50). Sie hat in München studiert und dort vier Jahre unterrichtet. 19 Jahre lang war sie Lehrerin in Poing. Zuletzt unterrichtete die verheiratete Mutter dreier Kinder in Kirchheim (Landkreis München).

Nur noch für das Erdinger Schulamt und nicht mehr mit einer halben Stelle in Ebersberg ist Stephan Rettig tätig, der im September 2020 als weiterer Schulrat berufen worden war. Rettig ist 62 Jahre alt, verheiratet, hat ein Kind und wohnt in Erding. Rettig war unter anderem Leiter der Heimvolksschule Wartenberg und der Grund- und Mittelschule Finsing. Beteiligt war er an der Gründung der Schulverbünde Erding und später Finsing-Oberding-Wörth. Nun muss Leiter nur noch eine halbe Stelle in der staatlichen Aufsicht über die Grund- und Mittelschulen im Erdinger Land besetzen.

Einen Wechsel gibt es an der Mittelschule am Lodererplatz in Erding. Als Konrektor folgt Fabian Steffl auf Sonja Wachtler, die an die Grund- und Mittelschule Kirchheim gewechselt ist. Seit September 2020 war der 50-Jährige kommissarischer Vertreter von Stephan Treffler, zuvor von 2009 an Lehrer an der Mittelschule Finsing.

Er hat eine Berufsbiografie vorzuweisen, die es in Schulkreisen selten gibt. Denn Steffl, der verheiratet ist, eine Tochter (15) und einen Sohn (12) hat und in Wörth wohnt, kommt aus der Wirtschaft. Von 2000 an arbeitete Steffl acht Jahre in der Marktforschung der Europazentrale eines japanischen Pharma-Herstellers in München, koordinierte dann die Fusion der HypoVereinsbank auf IT-Ebene, ehe er 1998 drei Monate lang an einem Stadtplanungsprojekt der City of New York arbeitete.

Erst danach studierte Steffl in München auf Lehramt. Kein Wunder, dass er im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Erding-Freising-Flughafen aktiv ist und es als seinen Schwerpunkt sieht, seine Schüler gut in den Betrieben unterzubringen.

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