Überflutet: Einen Meter hoch stand das Wasser am Montag im Keller des Thermen-Hotels Victory. Kühlung, Elektrik und Lager wurden beeinträchtigt.
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Überflutet: Einen Meter hoch stand das Wasser am Montag im Keller des Thermen-Hotels Victory. Kühlung, Elektrik und Lager wurden beeinträchtigt.

Grundwasserspiegel bereitet Sorge

Nach heftigen Überschwemmungen: Therme Erding kämpft mit Hochwasserschäden - Aufräumarbeiten laufen

  • Gabi Zierz
    VonGabi Zierz
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Hotel geschlossen, Wellenbad außer Betrieb: Die Therme Erding hat der Starkregen mit Überflutungen gleich doppelt getroffen.

Erding - Das ist nach der monatelangen Corona-Zwangspause eine neue finanzielle Belastung für das Unternehmen. Seit Dienstag ist Großreinemachen angesagt.

Hochwasser in Therme Erding: Untergeschoss vom Hotel Victory überflutet - Feuerwehr im Einsatz

Mit 380 Gästen war das Hotel Victory ausgebucht, als das sonst eher träge fließende Wasser im Itzlinger Graben am Montagfrüh überlief und sich binnen weniger Minuten über die Hochwasserschutzwand direkt in den Keller des Hotels ergoss. Das komplette Untergeschoss des Hotels und der Keller des Wellenbads wurden überflutet. Unzählige Feuerwehrleute aus Erding und Umgebung waren den ganzen Tag über mit Pumpen im Einsatz.

Auch wenn für die Gäste keine Gefahr bestand, war schnelles Handeln nötig. Viele seien abgereist, einige in Partner-Hotels in Erding ausquartiert worden, erklärt Direktor Jens Bernitzky. Die meisten hätten mit Verständnis reagiert. Bis zum Ende der Sommerferien sei das Hotel ausgebucht gewesen. „Uns entsteht also in doppelter Hinsicht ein finanzieller Schaden“, so der Direktor. Zur Höhe konnte er noch nichts sagen.

Therme Erding: Aufräumarbeiten nach Hochwasser - Wellenbad außer Betrieb

Die Begutachtung durch die Versicherung hat am Dienstagnachmittag begonnen. Bis dahin waren alle Gäste, die noch nicht angereist waren, informiert. Sie haben umgebucht oder storniert. Das Hotel bleibt vorerst bis mindestens Donnerstag geschlossen. Ob es länger dauert, wird sich zeigen. Nach Bernitzkys Einschätzung gibt es keine Schäden am Gebäude, die statische Folgen hätten.

„Das Wasser ist weitgehend aus dem Keller raus. Jetzt sind wir mit vereinten Kräften dabei, alles zu reinigen“, berichtet er. Es gibt viel zu tun. Das größte Problem: Alles, was für den FB-Bereich und das Housekeeping nötig ist – einschließlich Lager – „ist abgesoffen“. Auch die Elektrik für die Kühlhäuser muss wieder in Gang kommen. Gestern standen 70 Kubikmeter fassende Abfallcontainer bereit, „die wir füllen werden“, so der Direktor.

40 Mitarbeiter und Helfer waren im Einsatz. Es sei ein Kraftakt, das alles zu stemmen, sagt Bernitzky. Er spricht aber auch von einem Glücksfall, denn der Itzlinger Graben sei erst vor zwei Wochen sauber gemacht und gemäht worden. Wer weiß, wie es sonst gelaufen wäre.

Mit vereinten Kräften räumten die Hotel- und Thermenmitarbeiter am Dienstag auf. Das Wasser hatte sich wieder in den Itzlinger Graben zurückgezogen.

Von der Überflutung nicht betroffen ist das Victory Gästehaus. Dafür ist in der Therme Erding das Wellenbad außer Betrieb, dessen Keller ebenfalls überflutet wurde. Auch das Außenbecken und die Sommerrutschen im Thermengarten könnten nicht genutzt werden, teilt die Therme mit. Das Galaxy mit seiner Rutschenwelt, die Vitaltherme und Saunen haben wie gewohnt geöffnet.

Eine unruhige Nacht hat auch Josef Biller hinter sich. Als der Fehlbach am Montagnachmittag auf der Ostseite über das Ufer trat und sich in die angrenzenden Felder ergoss, schwante dem Althamer nichts Gutes – zu frisch sind noch die Erinnerungen an das Juni-Hochwasser 2013.

Überschwemmungen im Kreis Erding: Grundwasserspiegel bereitet Sorgen

„Zwischen Sempt und Fehlbach ist so viel Wasser rausgelaufen, dass das Grundwasser wieder so hoch ist wie 2013“, sagt der ehemalige langjährige CSU-Stadtrat. An verschiedenen Stellen sei das Grundwasser durch kleine Seen auf den Wiesen sichtbar. Er selbst könne den gestiegenen Grundwasserspiegel einfach nachprüfen: „Ich habe einen großen offenen Kellerschacht. Und da steht das Wasser drin.“

Billers Keller selbst ist wasserdicht, konnte 2013 allerdings nicht stand halten und riss an einer Stelle auf. „Das ist abgedichtet worden, aber jetzt wieder aufgegangen“, erzählt er. Deshalb war er in der Nacht auf Dienstag zweimal im Keller, um nach dem Rechten zu sehen und Wasser aufzuwischen. Seit Mittwochfrüh sei der Grundwasserspiegel nicht mehr gestiegen, sagt Biller. Dafür führte der Fehlbach mehr Wasser als noch am Montagnachmittag. „Und da stand das Oberflächenwasser schon 30 bis 40 Zentimeter hoch am Feldkreuz“, erklärt der Althamer die Dimensionen.

Trügerische Idylle: Im Althamer Moos ist der Fehlbach am Montag über das Ufer getreten und hat sich nach Osten zur Esche und zum Feldkreuz ausgebreitet

Er setzt sich seit Jahren für einen Hochwasserschutz für Eichenkofen und Altham ein und kämpft dafür, dass der Erdinger Norden im Planfeststellungsverfahren berücksichtigt werden muss. Biller und seine Mitstreiter plädieren dafür, den Fehlbach – wie zu Urzeiten – auch in den Westen ausufern zu lassen und auch die Fluren dort als Überschwemmungsgebiet auszuweisen.

Sehr viel Wasser führt auch die Sempt. Am Pegel Berg bei Wörth wurden am frühen Montagabend 159 Zentimeter gemessen. Das war der Höchststand an diesem Tag und bedeutete Meldestufe 3. Bis morgens um 7 Uhr ging der Pegel am Dienstag auf 135 Zentimeter zurück und fiel stündlich weiter. Am Abend lag er unter 120 Zentimetern und damit wieder unter Meldestufe 1.

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