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Landesgartenschau 2018: Erding muss alle Träume begraben

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Erdings Bürgermeister Max Gotz

Erding - Die Landesgartenschau 2018 wird nicht in Erding stattfinden. Den Zuschlag erhielt Würzburg. Im Rathaus herrscht Katerstimmung. Eine der Ablehnungsgründe: die Unwägbarkeiten mit dem S-Bahn-Ringschluss.

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Von den Erdinger Kirchen erklang das Mittagsgeläut, als Bürgermeister Max Gotz am Montag den seit Tagen heiß ersehnten Anruf bekam. Er hätte am liebsten gleich wieder aufgelegt. Denn Roland Albert als Chef der Kommission teilte ihm mit: Erding geht leer aus, die Landesgartenschau 2018 wird im unterfränkischen Würzburg - 1990 war die Stadt übrigens schon einmal Gastgeber - stattfinden. Zwei Stunden nach dem ernüchternden Anruf lud Gotz zur Frust-Pressekonferenz ins Rathaus.

„Ich bin persönlich zutiefst enttäuscht“, sagte Gotz gleich zu Beginn. Als schlechter Verlierer wollte er aber nicht dastehen. „Ich gratuliere Würzburg und wünsche, dass sie ihre Vorstellungen auch umsetzen können.“

Zwölf Millionen Euro Zuschüsse sind passé

Gotz ist nach wie vor überzeugt, „dass wir ein Konzept haben, mit dem viele wichtige Dinge auf den Punkt gebracht werden können“. Es gehe um nichts weniger als „um tragende Elemente der Stadtenwicklung in den kommenden Jahrzehnten“.

Die Absage habe ihm wieder einmal vor Augen geführt, „dass wir als Stadt im Speckgürtel München/Flughafen alleine gelassen werden“. Es könne aber nicht sein, dass Erding eine reine Verkehrsdrehscheibe werde, die sich selbst helfen müsse.

Die genauen Gründe der Ablehnung wird die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen, der Vertreter mehrere Ministerien angehören, in einigen Wochen schriftlich nachreichen. „Herr Albert ließ nur durchblicken, dass es in Sachen Ringschluss und Walpertskirchener Spange noch zu viele Unwägbarkeiten gebe, vor allem bei der Frage der Untertunnelung.“ Dieser Bereich bildet aber einen der Kernbereiche der Bewerbung. Zudem empfand die Jury die Verbindung Erdings und Altenerdings als zu wenig erkennbar. Auch das ärgert Gotz: „Wir haben das Mayr-Wirt-Grundstück neben dem Stadtpark genau zu diesem Zweck erworben. Das kann seine Wirkung aber nur entfalten, wenn die S-Bahn unterirdisch geführt wird.“

Die Jury begründet ihr Votum zu Gunsten Würzburgs mit dem „äußerst eindrucksvollen und zukunftsweisenden Gesamtkonzept für die Entwicklung eines neuen Stadtteils“ im Bereich einer aufgelassenen Kaserne. Sie erinnert daran, dass die Universitätsstadt nach 2016 ein zweites Mal ihren Hut in den Ring geworfen habe. „Bei der erneuten Bewerbung konnte die Stadt durch die Weiterentwicklung des letztmaligen Konzepts überzeugen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Erding sprechen die Juroren Mut zu. Die Ablehnung sei gewiss eine herbe Enttäuschung. „Die planerisch und inhaltlich sehr qualitätsvolle Bewerbung sollte jedoch ermutigen, die Stadtentwicklung voranzutreiben.“

Das will Gotz gemeinsam mit Stadtrat und Verwaltung auch tun. Allerdings warnte er vor überzogenen Erwartungen. „Wir müssen jetzt alles selbst finanzieren. Die Landesgartenschau hätte um die zwölf Millionen Euro an Zuschüssen erbracht. Allen muss klar sein: Es wird jetzt schwieriger.“ Welche Teile des Konzepts auch ohne Zuschlag angepackt werden sollen, darüber möchte der Gotz erst mit dem Stadtrat reden.

Auch die Frage, ob sich Erding ein zweites Mal bewirbt, wollte er gestern noch nicht beantworten. „Angesichts der Schienenpläne hätten wir den Zuschlag jetzt gebraucht.“ Zu den Kosten der bisherigen Bewerbung sagte Gotz: „Es dürfte sich um einen fünfstelligen Betrag handeln.“

Auf die Frage, ob Würzburg vielleicht aus landes- oder strukturpolitischen Gründen den Vorzug bekommen haben könnte, erwiderte Gotz nur: „Dazu sage ich lieber nichts, das wäre reine Spekulation.“ Würzburg habe sicher den Vorteil gehabt, die Ablehnungsgründe von vor zwei Jahre aufgreifen und die Bewerbung entsprechend ändern zu können.

Das will er jetzt auch im eigenen Haus machen: „Vielleicht zeigt uns die Begründung Schwachstellen und Defizite auf, die wir gar nicht erkannt haben.“

(Hans Moritz)

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