Prozess vor dem Landgericht Landshut

Drogen-Anwalt muss viereinhalb Jahre ins Gefängnis

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Einen schwunghaften Handel mit Kokain und Amphetaminen hat ein Erdinger Rechtsanwalt betrieben. Dafür ist der 32-Jährige gestern vor dem Landgericht Landshut zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Erding - Der  Erdinger Jurist muss aber unter Umständen nur die Hälfte der Strafe im Gefängnis verbüßen.

„Der Anwalt meines Vertrauens“ war sein Spitzname in der Erdinger Drogenszene. Neben seiner Anwaltstätigkeit in einer Münchner Kanzlei betrieb der 32-Jährige seit November 2015 in seiner Heimatstadt einen schwunghaften Drogenhandel und nutzte die Wohnung seiner Mutter als Lieferadresse sowie als Lager.

Ein V-Mann hatte die Polizei auf die Spur gebracht, im Mai 2017 erfolgte der Zugriff. Beim ersten Termin vor dem Landgericht legte der Erdinger ein umfangreiches Geständnis ab, sodass es zu einem so genannten Verständigungsgespräch kam. Richter Ralph Reiter, Staatsanwältin Maria Offenbeck und Verteidiger Peter Witting einigten sich auf eine Strafe von vier Jahren und sechs Monaten.

Einen Streitpunkt zwischen Verteidiger und Staatsanwalt gab es gestern am zweiten Verhandlungstag aber doch: Ob der 32-Jährige selbst drogensüchtig sei und folglich die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach Paragraf 64 Strafgesetzbuch (StGB) gerechtfertigt sei oder nicht.

Die Staatsanwältin zweifelte daran. Der Angeklagte sei gesund in die JVA eingeliefert worden und habe „keine Entzugserscheinungen gezeigt. Eine Haarprobe hätte auf „gelegentlichen Konsum“ hingedeutet. Für sie war klar: „Er hat die Drogen nicht verkauft, um seinen Eigenkonsum, sondern einen höheren Lebensstandard zu finanzieren.“ Auch dass er rund 30 Prozent seiner Drogen „aus reiner Gutmütigkeit an Freunde verschenkt hat“, sei für sie „völlig unglaubwürdig“.

Anders sah es der Verteidiger, der die Staatsanwältin kritisierte, weil sie am Urteil des Sachverständigen, der den Angeklagten untersucht hatte, zweifle: „Es ärgert mich richtig, wie Sie hier agieren.“ Sehr wohl habe der 32-Jährige im Gefängnis Entzugserscheinungen gezeigt. „Er braucht dringend therapeutische Hilfe.“

„Ich habe riesengroßen Mist gebaut“, erklärte der Angeklagte in seinem Schlusswort. „Gut, dass es jetzt passiert ist und nicht später, sonst wäre ich noch tiefer gefallen.“ Er hoffe, dass das Gericht ihm die Möglichkeit zur Therapie gebe.

Genau das tat der Richter. Er schloss sich der Meinung des Verteidigers an, dass hier der Paragraf 64 StGB anwendbar sei. Für Reiter sei es „kein taktisches Geständnis“ gewesen. „Die Ermittlungen decken das Geständnis.“ Die Vorgeschichte, dass der 32-Jährige als Kind drogensüchtiger Eltern aufgewachsen sei, habe er ebenfalls ins Urteil mit einbezogen, erklärte der Richter. Man müsse auch die günstige Sozialprognose berücksichtigen, zudem werde die Strafe berufliche Folgen haben. Die neun Monate Untersuchungshaft würden angerechnet, sagte Reiter. Sobald das Urteil rechtskräftig sei, könne der Erdinger eine 18-monatige Therapie antreten und bei Erfolg nach der Hälfte der Strafe wieder ein freier Mann sein. „Sie kommen gebeutelt und zerzaust aus dieser Sache raus, aber nicht vernichtet“, schloss Reiter. „Jetzt haben sie die Chance.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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