Landgericht Landshut 

Eine Tat, die Angst macht

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Beide Angeklagte kamen vor dem Landgericht Landshut mit Bewährung davon. Doch die Schuld eines heute 18-Jährigen und eines 25-Jährigen sah Richter Oliver Dopheide als erwiesen an. Er verurteilte sie wegen räuberischer Erpressung mit gefährlicher Körperverletzung und Beihilfe.

Erding– Vier junge Männer spät abends am S-Bahnhof in Erding. Am Ende hat einer von ihnen Schnitt- und andere Verletzungen. Sein Geld und sein Smartphone kann er verteidigen. Das Ergebnis dieses Aufeinandertreffens im April 2016 und sogar der Tathergang sind unstrittig. Videos von Überwachungskameras dokumentieren, wie der 21-jährige Geschädigte zunächst von drei Fremden umringt wird und wie er dann mit einem von ihnen kämpft. Doch wie kam es zu der Tat? War der damals 16-jährige Angreifer der eigentliche Aggressor? Oder nur „naiv und beeinflussbar“? So formulierte es Staatsanwalt Gerald Siegel am Donnerstag vor dem Landgericht Landshut.

Die Antworten auf diese und weitere Fragen fand die Jugendkammer des Landgerichts nur teilweise in den Videos. Die Filme wurden in drei Prozesstagen immer wieder von allen Beteiligten – zwei Angeklagte und ihre Verteidiger, Staatsanwalt und Richter – betrachtet. Vor allem die Aussage des Opfers überzeugte dem Vorsitzenden Richter Oliver Dopheide. Der 21-jährige Münchner hatte berichtet, dass der nach eigenen Angaben betrunkene 16-Jährige mit der Tat „gehadert“ habe und von seinen Begleitern angestachelt worden sei.

Dennoch: Es war ausschließlich der jüngste der Drei, der auf den Münchner mit einem selbst gebastelten Messer losging (in der Art eines Schabers hatte er die Klinge eines Obstmessers waagrecht in einen Holzgriff eingesetzt). Dafür wurde der junge Mann aus dem südlichen Landkreis am Donnerstag wegen räuberischer Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu sieben Monate Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt.

Direkt nach der Tat hat er einen Monat Untersuchungshaft in der JVA Laufen und anschließend weitere fünf Monate in einer Jugendeinrichtung in Abensberg verbracht. Auch hat er dem Opfer bereits eine Entschädigung von 2500 Euro gezahlt. All das, sein Geständnis, mehrere Entschuldigungen und eine günstige Sozialprognose wertete Dopheide als strafmildernd.

Dem anderen Angeklagten, einem 25-jährigen Erdinger, glaubte der Richter nicht, dass er nichts mit der Sache zu tun gehabt habe. So nah, wie er an den Streitenden und später Kämpfenden stand, müsse er etwas gehört haben. Auf jeden Fall habe es „kein ernsthaftes Bemühen zur Verhinderung der Tat“ gegeben, so Dopheide. Aber vor allem die Aussage des Opfers belaste den Erdinger schwer.

Er wurde zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss der Taxi- und Mietwagenfahrer 2000 Euro an die Brücke Erding zahlen. Auch er hatte 2016 einen Monat in U-Haft gesessen. Wegen Beleidigung, Betrug und vorsätzlicher Körperverletzung war er bereits vorbestraft. Da der Angeklagte jedoch verlobt und in Arbeit sei, sah der Richter eine günstige Sozialprognose.

Der dritte Angreifer stand nicht vor Gericht. Es handelt sich um Murat A., der bereits wegen einer schrecklichen Straftat einsitzt. Er hatte vor einem Jahr eine 40-Jährige vergewaltigt und dabei fast getötet. Er kann nach Ansicht des Richters sogar die treibende Kraft gewesen sein bei der eskalierenden Situation. Auf jeden Fall gebe es keinen Hinweis auf einen zuvor gefassten Tatplan.

Es sei zu vermuten, „dass man einfach jemand triezen wollte“, sagte der Staatsanwalt im Plädoyer. Darin stimmt der Richter ebenso mit Siegel überein wie in der gesellschaftlichen Bewertung des Vorfalls. „Durch solche Taten ist das Sicherheitsbedürfnis der Allgemeinheit empfindlich gestört“, erklärte der Staatsanwalt und an den 25-Jährigen gewandt: „Vor Menschen wie den Angeklagten haben große Teile der Bevölkerung Angst.“

Timo Aichele

Rubriklistenbild: © Markus Scholz

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