Landgericht Landshut 

Mit gefälschten Führerscheinen direkt ins Gefängnis

Wer sein Auto unberechtigt auf einem Behindertenparkplatz abstellt, riskiert eine saftige Strafe. Man kann dafür aber auch ins Gefängnis kommen. Genau das ist einem Polen passiert. Er musste sich vor dem Landgericht Landshut verantworten.

Erding/Landshut – Bereits vor 15 Jahren war dem Angeklagten der Führerschein entzogen worden. Der Pole besorgte sich Ersatz – einen komplett gefälschten Lappen. Den musste er zeigen, als er vor ziemlich genau einem Jahr in Erding auf einem Behindertenparkplatz stand – ohne Erlaubnis. Die Beamten hatten wenig Mühe, die Fälschung zu erkennen.

Der 42-Jährige wollte offensichtlich nicht dazulernen: Nur knapp zwei Monate später saß er wieder am Steuer seines Kombis – und geriet prompt zwischen Erding und Eitting in eine allgemeine Verkehrskontrolle. Und wieder präsentierte er einen polnischen Führerschein, das zweite Falsifikat.

Vor dem Amtsgericht Erding hatte sich der Gelegenheitsarbeiter wegen Urkundenfälschung und vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten eingehandelt, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zu lang waren nicht nur sein Vorstrafenregister und die Liste widerrufener Bewährungen. Der Pole weiß, wie es im Knast aussieht.

In der von Anklage und Verteidigung angestrengten Berufung vor dem Landgericht räumte der Gelegenheitsarbeiter die Schwarzfahrten ein – des Jobs wegen.

Verteidiger Andreas Martin sagte, seinem Mandanten sei versichert worden, dass es sich um echte Dokumente handle und er keine Schwierigkeiten bekomme.

Zahlreiche Vorstrafen

Vorsitzender Richter Markus Knoblach hielt dem 42-Jährigen Unbelehrbarkeit vor: Das Verfahren gegen ihn wegen der ersten Schwarzfahrt sei bereits gelaufen, als er sich erneut eine Fälschung besorgt habe. Staatsanwältin Dr. Lina Schneider forderte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten – auch wegen des üppigen Sündenregisters.

Verteidiger Martin dagegen plädierte auf eine Geld- oder Bewährungsstrafe. Sein Mandant sei davon ausgegangen, dass der polnische Führerschein echt sei, so dass man ihm zumindest im ersten Fall lediglich grobe Fahrlässigkeit vorwerfen könne. Außerdem habe sich der 42-Jährige bereit erklärt, Aufklärungshilfe zu leisten.

Die Kammer verwarf beide Berufungen. Der Gelegenheitsarbeiter, so Vorsitzender Richter Knoblach, habe schon bei der ersten Fahrt zumindest billigend in Kauf genommen, dass es sich bei dem polnischen Schein um eine Fälschung handle. Schließlich sei er aus den früheren Verurteilungen „führerscheintechnisch“ durchaus bewandert gewesen.

Straferschwerend seien die zahlreichen, auch einschlägigen Vorstrafen ins Gewicht gefallen. Dahingestellt bleibe, wie oft der 42-Jährige in all der Zeit tatsächlich „schwarz“ unterwegs gewesen sei und nicht kontrolliert wurde. 

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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