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Die Corona-Patientin aus dem Landkreis ist in häuslicher Quarantäne und schreibt für die Heimatzeitung ein Tagebuch. Symbolfoto.

Tagebuch einer Corona-Patientin – Teil 2

Klopapier-Kicker, Küchen-Experimente, Schul-Konflikte

Eine 46-Jährige aus dem nördlichen Landkreis hat sich im Skiurlaub angesteckt. In der Heimatzeitung berichtet sie über ihr Leben in Quarantäne.

Landkreis – Über 300 Bürger im Landkreis haben sich mit dem Corona-Virus angesteckt. Eine Betroffene schreibt für unsere Zeitung ein Tagebuch, das wir in mehreren Folgen veröffentlichen. Die verheiratete Mutter (46) dreier Kinder aus dem nördlichen Landkreis hatte sich im Skiurlaub im Zillertal angesteckt.

Hier lesen Sie den ersten Teil des Tagebuchs.

Montag, 23. März

Letzte Nacht hatte ich wieder leichtes Fieber und ziemliche Gliederschmerzen. Medikamente wollte ich nicht nehmen, da ich nur Ibuprofen zu Hause habe und ich irgendetwas gelesen hatte, dass dieses Medikament die Symptome verschlimmern könnte. Da muss ich heute unbedingt meinen Hausarzt fragen.

Meine Freundin erfreut mich mit der Geschichte von Johannes B. Kerner. Er war Corona positiv, seine Quarantänezeit ist um und er gilt nach Aussage seines Arztes als geheilt und momentan als einer der gesündesten Deutschen. Na, das sind doch Aussichten. Ich habe mittlerweile viel über das Virus und die Immunität gelesen und beschließe, nach meiner Gesundung immun zu sein – alles andere wäre Wahnsinn!

Bei einem Caterer im Nachbarort bestelle ich Essen für die nächsten Tage. Mal schauen, ob das klappt. Mein erwachsener Sohn zeigt mir heute das Video der dantelnden Fußballer des FC Finsing, woraufhin alle männlichen Familienmitglieder das „Klopapier danteln“ beginnen. Ich versuche ihnen zu vermitteln, dass sie kostbares Gut durch die Gegend schießen, werde aber nicht gehört.

Erkenntnis des Tages: Männer ticken anders, Frauen auch! (Coronainfizierte im Landkreis: 129)

Dienstag, 24. März

Ich wache das erste Mal ohne Gliederschmerzen auf. Gleich Fieber gemessen – unter 38 Grad. Juhuu! Gestern Abend war ich etwas kurzatmig und ich verspürte hin und wieder ein leichtes Stechen in der Lungengegend. Was, wenn das jetzt eine Verschlechterung der Symptome wird oder der Beginn einer Lungenentzündung? Ich mache mir das erste Mal Sorgen über meinen Gesundheitszustand und beginne, mitten in der Nacht, Berichte von Virologen darüber zu lesen.

Zwei Stunden später bin ich noch nicht schlauer, aber ich bemerke etwas anderes. Es sind in den letzten Stunden drei Flugzeuge gestartet. Welche Ziele werden sie wohl ansteuern? Holen sie gestrandete Urlauber nach Hause? Das muss ja ein schreckliches Gefühl sein, an irgendeinem Ort der Welt gefangen, zuhause tobt Corona und man kommt nicht heim. Was bin ich doch für ein Glückspilz, diese Zeit bei meiner Familie verbringen zu dürfen.

Es ist jetzt 24 Uhr und ich bin hellwach. Ich beschließe, endlich die Netflix-Serie zu beginnen, welche mir mein Sohn schon vor einem halben Jahr empfohlen hat. Ich schaffe zwei Folgen, dann schlaf ich endlich ein.

Erkenntnis des Tages: Der Mensch denkt und Gott lenkt! (Coronainfizierte: 143)

Mittwoch, 25. März

Mit Gliederschmerzen und Fieber bin ich scheinbar durch, dafür habe ich heute Vormittag etwas trockenen Husten. Die Essenslieferung vom Catering ist da: Rinderbraten mit Spätzle, Auberginen-Lasagne (manchmal muss man die Familie auch ärgern), Chicken Wings, Putengyros, Backhendl und frisch abgefüllte Rinderbrühe. Ich bin begeistert. Eine Freundin aus der Nachbarschaft versorgt uns noch mit frischen Wurstwaren vom Metzger. Verhungern müssen wir schon mal nicht.

Am Nachmittag sitze ich im Wohnzimmer und das Radio läuft. Eine Grafikdesignerin fragt den Freistaat, ob sie ihr Kind guten Gewissens in die Kita schicken kann, damit sie in Ruhe zu Hause Homeoffice machen kann. Ich frage mich, ob Grafikdesign ein systemrelevanter Beruf ist und ob sich denn niemand fragt, was es für die Kindererzieherinnen und -pflegerinnen bedeutet, sich in dieser Zeit der Gefahr auszusetzen, sich bei einem fremden Kind anzustecken? Ich beschließe, den Sender zu wechseln.

Erkenntnis des Tages: Kein Hirn, kein Kopfweh! (Coronainfizierte im Kreis: 178)

Donnerstag, 26. März

Der Morgen beginnt mit meiner täglichen Routine: Fieber messen, Temperatur notieren, eine Tasse Kaffee und frische Semmeln vom Bäcker. Ich weiß noch gar nicht, wer uns da so fleißig beliefert. Um 9 Uhr höre ich in meinem Quarantänezimmer, dass der Schulunterricht für unseren Jüngsten begonnen hat. Mein Mann hat seine Berufung als Lehrkörper gefunden – mein Sohn ist bereits eine Stunde später extrem genervt.

Insgeheim bin ich ganz froh, aus der Schulnummer raus zu sein. Ob den Lehrern bewusst ist, was das für ein Konfliktpotenzial in manchen Familien birgt? Ich beginne meine WhatsApp-Nachrichten abzuarbeiten und bin überwältigt, wie viele sich nach meinem Gesundheitszustand erkundigen und für uns Besorgungen machen würden. Ich schreibe gleich mal eine Einkaufsliste.

Mittag freue ich mich auf die Auberginen-Lasagne, mein Sohn wünscht sich vorsichtshalber eine Nudelsuppe. Da ich als „Infizierte“ lieber nicht für meine Familie koche, erkläre ich meinem Mann kurz die Vorgehensweise beim Nudelsuppe kochen. Suppennudeln kochen, abseihen, Rinderbrühe erhitzen, Nudeln rein, fertig. Als mein Sohn am Mittagstisch meint, die Suppe schmeckt total fad, weiß ich im Nebenzimmer sofort, welchen Vorgang mein Mann vergessen hatte. Unglaublich!

Erkenntnis des Tages: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! (Coronainfizierte im Landkreis: 210)

Alle News und Infos zur Corona-Krise im Landkreis finden Sie in unserem Ticker.

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