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Dicke Zigarre im Bierzelt? Heute ist so was nicht mehr erlaubt. Unser Bild zeigt das Oktoberfest 2006.

Wirte im Landkreis Erding sind (mittlerweile) fast alle dafür

Zehn Jahre Rauchverbot: Der Qualm hat sich verzogen

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Macht heute Corona den Wirten und Kneipenbesitzern schwer zu schaffen, war es vor zehn Jahren noch der Glimmstängel. Am 4. Juli 2010 entschieden sich die Bayern – und übrigens auch die Erdinger in allen 26 Landkreisgemeinden – per Volksentscheid für das Rauchverbot, das am 1. August in Kraft trat. Der Aufschrei war groß. Andreas Mayr, Sprecher der Wirte im Landkreis, stellte damals ernüchtert fest, die Gastronomen würden in ihrer unternehmerischen Freiheit beschnitten. Heute hat sich die Meinung ein bisserl geändert.

Landkreis – Der Rauch hat sich seither längst verzogen. Die Pandemie mal ausgeblendet – auch ohne sie würden viele zum zehnten Geburtstag des Verbots die gleiche Schlussfolgerung ziehen: Das war damals wohl viel Rauch um nichts. Das zeigt auch unsere Umfrage unter Wirten im Landkreis. Mit einer Ausnahme allerdings.

„Viele Raucher haben gesagt, dass Gemütlichkeit eingebüßt wird“, erinnert sich Mario Pianka, seit 2018 Festwirt im Weißbräuzelt auf dem Erdinger Herbstfest. Als das Rauchverbot kam, war sein Vater Uwe noch Chef auf der Wiesn. „Wir haben damals alle drauf eingeschworen und Schilder aufgestellt“, erzählt sein Sohn. Die Security habe beispielsweise plötzlich verstärkt auch draußen aufpassen müssen, nicht mehr nur im Zelt.

Pianka, 33, wie sein Vater Nichtraucher, befürwortet das Rauchverbot. Es habe für die Wirte sogar einen positiven Effekt beim Speisenverkauf mit sich gebracht. Denn: „Wenn die Luft besser ist, konsumieren die Leute mehr Essen.“ Die Umstellung auf das Verbot sei ein Prozess gewesen. „Es war damals eine andere Zeit“, findet Pianka. „Die jungen Leute heute kennen es ja nur mit Rauchverbot. Für die Älteren war’s schlimmer.“

David Deimel betreibt in der Erdinger Altstadt die Bar Speak Easy. Der 35-Jährige ist selbst Raucher, seine Meinung hat sich seit damals dennoch ins Gegenteil geändert. „Damals dachte ich: Das Rauchverbot ist eine Katastrophe. Heute würde ich es aber nicht mehr ändern. Drinnen ist es jetzt viel angenehmer. Wir haben zwar ein anderes Publikum, das aber nicht schlechter ist.“

Bevor nun der Eindruck entsteht, jeder Wirt befürworte heute das Rauchverbot: So ist es auch wieder nicht. Sylvia Kiffe, Inhaberin der Dorfener Kneipe La Boom, 52, selbst Raucherin, ist noch heute der Meinung, „dass man es so hätte lassen sollen, wie es war“. Sie hätte weiterhin gerne ein weißes R auf einer blauen Plakette im Fenster, das darauf hinweist, dass drinnen geraucht werden darf – so wüsste jeder Bescheid und könnte weiterziehen, wenn er keinen Qualm wolle.

Kiffe stört „dieses Raus-und-Rein-Gerenne im Winter“. Von der Kälte könne man krank werden. Und wenn die Gäste zum Rauchen raus müssten, und das spätnachts, dann gebe es immer wieder Ärger mit Nachbarn, wie Kiffe von einer benachbarten Bar in Dorfen zu berichten weiß. Ihr Fazit also: „Das Rauchverbot ist genauso beschissen wir vor zehn Jahren.“

Anders sieht es Maria Angermaier vom Bergcafé in Wartenberg. Sie hat einen positiven Nebeneffekt festgestellt: „Die Tischdecken und Vorhänge haben keine Brandflecken mehr, wenn wer den Aschenbecher nicht getroffen hat“, erzählt die 57-jährige Wirtin schmunzelnd. Sie und ihr Mann Anton sind Nichtraucher, konnten das Verbot vor zehn Jahren also auch persönlich ganz gut verkraften. „Bei uns war es entspannt damals“, blickt Angermaier zurück. Zwei, drei Monate lang habe so mancher Raucher gemurrt. Aber das habe sich schnell wieder gelegt. Vereinzelte Beschwerden, wenn man mit dem Glimmstängel nach draußen muss, kämen sogar heute noch vor, „aber die wird’s auch noch in 50 Jahren geben“.

Ein paar „Halbstarke“, erzählt auch Herbst-Wirt Pianka, seien immer dabei, die – oft unter Alkoholeinfluss – meinten, sie müssten drinnen rauchen. „Da geht’s dann vielleicht um den Kick“, mutmaßt er. „Aber so was wirst du immer haben.“

Eine Sorge der Gegner des Rauchverbots war damals: Viele Kartenspieler und Stammtische, darunter eben zahlreiche Raucher, könnten den Wirtshäusern als Gäste verloren gehen. So ist es im Bergcafé aber nicht gekommen, erinnert sich Angermaier. „Die sind dann halt so zum Essen gekommen, haben draußen geraucht – und zuhause Karten gespielt.“ Drei Mitarbeiter im Bergcafé sind übrigens Raucher. „Für die haben wir eine kleine Lounge im Privatbereich“, erzählt Maria Angermaier.

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