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In den neuen Räumlichkeiten im Beratungszentrum West in Oberding: Leiterin Dr. Sylvia Fratton-Meusel (l.) und die Leiterin des Beratungszentrums Ost, Andrea Kugi.

Landkreis baut Inklusion an Grund- und Mittelschulen aus

Zwei neue Beratungszentren im Landkreis: Damit kein Schüler auf der Strecke bleibt

Im Landkreis Erding gibt es zwei neue Beratungszentren. Damit baut der Landkreis die Inklusion an Grund- und Mittelschulen aus.

Landkreis – Es gibt Schüler, die könnten wesentlich mehr als das, was sie im Unterricht zeigen. Sie können ihr Potenzial aus den verschiedensten Gründen nicht abrufen – etwa wegen Problemen im familiären Bereich, Mobbing, AD(H)S oder Legasthenie. Im Landkreis Erding wird diesen Schülern bereits in vielfacher Hinsicht geholfen. Das Schulamt setzt nun zusätzlich auf gebündelte Hilfe: mit den zwei neuen Schulberatungszentren Erding West in Oberding und Erding Ost in Dorfen, die jetzt eingeweiht worden sind.

Standorte in Oberding und an der Grundschule Dorfen Nord

Bislang steht jeder Schule im Landkreis eine Schulpsychologin und ein Beratungslehrer als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie sollen künftig eng miteinander als Tandem agieren, gebündelt an zwei Standorten. Das soll die Koordination, die Absprache und die Erreichbarkeit der Fachleute verbessern, erklärt Sylvia Fratton-Meusel auf Nachfrage unserer Zeitung. Sie leitet das Schulberatungszentrum Erding West, das gegenüber dem Oberdinger Kindergarten mehrere Räume zur Verfügung hat. Für das Zentrum Erding Ost sind auf dem Gelände der Grundschule Dorfen Nord eigens Container errichtet worden. Leiterin ist Beratungslehrerin Andrea Kugi.

Pro Beratungszentrum sind drei bis vier Psychologinnen aktiv. Sie beleuchten pädagogisch-psychische Aspekte wie Mobbing oder Lernschwierigkeiten. Die Gespräche seien vertraulich, so Fratton-Meusel, selbst Schulpsychologin. Die Eltern können sich – etwa nach der Diagnose – bei Bedarf noch dazu entscheiden, die Schule hinzuzuziehen. Dazu kommen pro Standort drei Beratungslehrer, die sich zum Beispiel um die Übertrittsberatung kümmern.

Bei schwierigen Beratungsfällen wird im Team geholfen

Bei schwierigen Beratungsfällen soll im Team geholfen, notfalls weitere Beratungsdienste wie der Mobile sonderpädagogische Dienst (MsD) hinzugezogen werden. Die Räumlichkeiten stellt die Kommune, das Personal wird vom Freistaat bezahlt.

Dass sich das Schulamt im Bereich der Grund- und Mittelschulen mit den Beratungszentren nun breiter aufstellt, kommt nicht von ungefähr: Der Hilfebedarf ist groß. Es gebe zwar keine internen Statistiken, sagt Fratton-Meusel. Aber laut einer Studie herrsche auch im Erdinger Raum „ein hoher Unterstützungsbedarf“, und zwar in den Bereichen Schulverweigerung, Legasthenie, Dyskalkulie, Schulangst, AD(H)S, Mobbing, Hochbegabung, Depression und soziale Auffälligkeiten. „Die Schulpsychologinnen unterstützen hier sowohl die Eltern als auch die Schulen“, so Fratton-Meusel.

Die Expertinnen kommen auch an die Schule des Schülers

Bei einer Bündelung der 41 Grund- und Mittelschulen im Landkreis an zwei Standorten – besteht da die Gefahr, dass Hilfe nicht in Anspruch genommen wird, weil die Anfahrt nach Dorfen oder Oberding unter Umständen recht weit ist? „Das ist bisher kein Problem“, sagt Fratton-Meusel. „Falls es im Einzelfall für die Eltern oder Schüler nicht möglich ist, das Beratungszentrum aufzusuchen, wird die Beratung an der Schule des Schülers durchgeführt“, versichert sie.

„Das ist eine Aufwertung für unseren Schulstandort“, sagt Oberdings Bürgermeister Bernhard Mücke im Gespräch mit unserer Zeitung. Er sprach genauso wie Dorfens 2. Bürgermeister Günther Drobilitsch Grußworte bei einer schulischen Veranstaltung im Erdinger Landratsamt. Auf der Tagesordnung stand dort die Inklusionsarbeit im Landkreis, deren neuestes Kapitel die Beratungszentren sind.

Beispiel Stütz- und Förderklasse

Dabei wurden auch andere inklusive Angebote vorgestellt. Als stellvertretendes Beispiel soll in diesem Bericht die Stütz- und Förderklasse genügen, die zum laufenden Schuljahr am Sonderpädagogischen Zentrum in Dorfen eingeführt wurde.

Die Klasse besteht derzeit aus sechs Schülern, die von mindestens zwei Personen aus Schule und Jugendhilfe betreut werden. Klingt nach viel Personal. „Das war in der Anfangszeit nicht genug“, berichtete Rektorin Gabi Schober im Landratsamt. Anfangs habe man alle Hände voll damit zu tun gehabt, die Kinder am Verlassen des Schulgeländes zu hindern.

Sie hätten zwar eigentlich Grund- oder Mittelschulniveau, bedürften allerdings einer speziellen individuellen Förderung. Das sei freilich eine große Belastung, sowohl für Lehrer wie auch für Eltern, und zudem kostenaufwendig. Allerdings auch jeden Euro wert, wenn man sehe, welche Fortschritte die Schüler bereits erzielt haben, sagt Schober.

Schulberatungszentren:

Erding West in Oberding für 3606 Schüler in 19 Schulen:

Mittelschule (MS) Altenerding, Grundschule (GS) Bockhorn, Carl-Orff-GS Altenerding, GS Eitting, MS/GS Erding am Lodererplatz, GS Erding am Grünen Markt, GS Erding am Ludwig-Simmet-Anger, GS Klettham, GS Langengeisling, MS/GS Finsing, MS/GS Oberding, GS Ottenhofen, GS Walpertskirchen, GS Wörth, MS Wörth, GS Moosinning.

Erding Ost in Dorfen für 3686 Schüler in 22 Schulen:

GS Langenpreising, GS Berglern, MS/GS Wartenberg, GS Schröding, GS Fraunberg, GS Inning, MS/GS Taufkirchen, GS Moosen, MS Dorfen, GS Dorfen-Nord, GS Dorfen am Mühlanger, GS Eibach/Grüntegernbach, GS Schwindkirchen, GS Lengdorf, GS St. Wolfgang, GS Pastetten, MS/GS Forstern, MS und GS Isen.

Markus Schwarzkugler

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