Der Landkreis ganz in Weiß

Landkreis - Wieder hat der große Schneefall nachts begonnen. Größere Unfälle waren aber nicht zu verzeichnen, auch der Gewaltmarsch eines Langengeislingers von Pulling nach Hause ging gut aus.

Eine nächtliche Suchaktion im Schneesturm lösten in der Nacht zum Donnerstag drei Männer aus dem Landkreis Erding aus. Das Trio (20, 28 und 29 Jahre alt) hatte in München gezecht und wollte nun zu sehr später Stunde nach Hause. Da nach Erding keine S-Bahn mehr fuhr, fasste man einen „Plan B“: Mit der S 1 zum Flughafen und dann mit dem Bus weiter. Doch die Männer saßen im Neufahrn im falschen Zugabteil, und so ging die Fahrt Richtung Freising. In Pulling bemerkten die drei Zecher ihr Malheur und stiegen aus, um nach Neufahrn zurückzufahren. Dem 29-Jährigen aber erschien die Wartezeit zu lang - er machte sich trotz Schneegestöber und Sturm zu Fuß auf den Weg nach Langengeisling.

Schneebilder aus dem Landkreis Erding

Schneebilder aus dem Landkreis

Schneebilder aus dem Landkreis

Bald machten sich die Freunde Sorgen und alarmierten die Polizei, die angesichts der Witterung eine Suchaktion mit fünf Streifenbesatzungen (aus Freising, Erding und vom Flughafen) startete. Nur weil es das Wetter nicht zuließ, musste man auf einen Hubschraubereinsatz verzichten. Nach vier Stunden Suche gab es endlich Entwarnung: Die Eltern des Vermissten, die die Polizei längst angerufen hatte, meldeten, der Sohn sei nun gerade angekommen. Ob er die gesamte Strecke zu Fuß zurückgelegt hat, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen. Der 29-Jährige hatte aber von der großen Suchaktion nichts mitbekommen.

Seit vier Uhr morgens waren die Fahrzeuge des Bauhof Erding auf den Straßen. Heinrich Schraufstetter musste sein gesamtes Aufgebot aussenden. Sieben Großfahrzeuge und vier Traktoren wurden eingesetzt, um die Verkehrswege zu räumen und Salz auszustreuen. Auch die Fußtruppen wurden verstärkt, um die Gehwege für Fußgänger passierbar zu machen. Die Straßenmeisterei Erding versuchte sogar schon seit drei Uhr morgens den Schneemassen Herr zu werden. „Unsere elf Fahrzeuge werden auch noch bis Mitternacht unterwegs sein“, glaubte Manfred Zisselsberger gestern. Am Nachmittag war die Situation dann unter Kontrolle, und alle Haupt- und Nebenstraßen bestens befahrbar. Genügend Salz sei auch ausgestreut worden.

Im Dienstbereich der Polizeiinspektion Dorfen lief der Wintereinbruch mit schweren Schneefällen glimpflich ab. In den Morgenstunden war die B 15 zwischen Dorfen und Taufkirchen und bei Klaus kurzzeitig wegen quergestellter Lastwagen gesperrt. Polizei und Straßenmeisterei bekamen die Brummis aber schnell wieder in Fahrt. Zwei weitere Kleinunfälle mit Sachschaden und zwei Autos, die in den Straßengraben rutschten, behinderten den Verkehr nicht. Die Verkehrsteilnehmer passten sich den winterlichen Straßenverhältnissen an und fuhren vorsichtig, teilt die Polizeiinspektion Dorfen mit.

Im Dienstbereich der Polizeiinspektion Erding ereignete sich lediglich ein Unfall mit Folgen. Kurz nach 5 Uhr kam bei Polzing der Fahrer eines Nissan von der verschneiten Fahrbahn der Staatsstraße 2084 ins Schleudern undlandete im Straßengraben. Dabei zog er sich eine Schulterverletzung zu und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Bei dem Unfall entstand 500 Euro Sachschaden. Im Laufe des Vormittags wurden von der Polizei Erding keine weiteren witterungsbedingten Unfälle aufgenommen. Aufgrund der Straßenverhältnisse kam es allerdings zu Behinderungen im ganzen Dienstbereich. Es wurden lediglich noch zwei Fahrzeuge gemeldet, die von der Fahrbahn abgekommen waren, ohne dass dabei Schäden entstanden.

Zu teilweise erheblichen Verzögerungen kam es im S-Bahn-Verkehr. Die Flughafenlinie S 8 verkehrte mit Verspätungen von bis zu 50 Minuten, auch die S 2 hinkte stark hinter dem Fahrplan her. Hier mussten die Fahrgäste bis zu 40 Minuten auf ihre Züge warten. Grund war eine Weichenstörung.

Schon ab 0 Uhr war die Frühschicht des Winterdienstes am Münchner Flughafen auf den Beinen, um dort die fünf Zentimeter Neuschnee zu beseitigen. 150 Männer und ebenso viele Fahrzeuge waren im Einsatz. Zweimal musste wegen der Räumarbeiten die Nord- und einmal die Südbahn gesperrt werden. Inklusive des Runway-Checks dauerte es laut Flughafensprecher Edgar Engert jeweils rund eine halbe Stunde, bis die Piste wieder betriebsbereit war. Das hatte auch Auswirkungen auf den Flugverkehr. Bis zum Nachmittag zählte die Flughafen München GmbH (FMG) rund 100 Verspätungen mit mehr als 30 Minuten. 71 Flüge mussten annulliert werden - 38 davon wegen des Münchner Wetters, die restlichen kamen schon von ihrem Abflugort nicht weg. Auf den Deponien am Moos-Airport türmt sich der Schnee inzwischen auf.

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