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Landkreis soll Asylbewerber aufnehmen

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Erding - Die Zahl der Asylbewerber nimmt seit 2008 wieder stark zu. Die großen Unterkünfte in München sind überlastet. Nun soll die Region helfen.

Es war eine eindringliche Bitte, die Regierungspräsident Christoph Hillenbrand unlängst an Martin Bayerstorfer und seine oberbayerischen Landräte-Kollegen gerichtet hat: „Bitte prüfen Sie, ob Sie Räumlichkeiten haben, in denen wir Asylbewerber unterbringen können“.

Regierungssprecher Heinrich Schuster erklärt auf Anfrage: „Bayern spürt seit zwei Jahren eine stark steigende Zahl von Aslybewerbern“. Derzeit lebten zirka 2100 Bewerber in 20 oberbayerischen Unterkünften. „Im Vergleich zu 2009 haben wir eine Steigerung von 43 Prozent, und voriges Jahr war es ein Viertel mehr als 2008.“ Das Problem laut Schuster: Die großen Gemeinschaftsunterkünfte in München drohen aus allen Nähten zu platzen. In Einzelfällen gab es massive Beschwerden über die Qualität der Unterbringung.

Die Situation wird sich ab 2011 zuspitzen, wenn in einigen osteuropäischen Staaten, darunter das bettelarme Albanien die Visumspflicht für Reisen unter anderem nach Deutschland wegfällt.

Christina Centner, Sprecherin des Landratsamtes, erklärt, dass der Landrat das Anliegen an die Bürgermeister weitergegeben habe. „Bislang gab es aber keine Rückmeldung.“ Eine zentrale Gemeinschaftsunterkunft habe es im Landkreis nie gegeben, lediglich kleinere dezentrale Heime, sprich meist privat angemietete Wohnungen oder Häuser. „Die gibt es seit Mitter der 90er Jahre nicht mehr, nachdem aufgrund der Verschärfung des Asylrechts die Zahl der Bewerber stark rückläufig war“, so die Behördensprecherin.

Was aber, wenn kein Landkreis freie Kapazitäten an die Bezirksregierung meldet? Schuster versichert: „Wir suchen natürlich auch selbst, unter anderem über die Immobiliengesellschaft des Freistaates.“ Eine weitere Möglichkeit sei, dass private Vermieter von sich aus an die Regierung herantreten.

Täglich mit Asylbewerbern zu tun hat die Bundespolizei am Flughafen. „Unsere Beamten treffen regelmäßig Personen an, die angeben, politische Flüchtlinge zu sein“, erklärt Bundespolizeisprecher Matthias Knott. 2009 seien 419 Asylanträge am Airport gestellt worden, im Jahr zuvor waren es laut Knott 136. Und in den ersten elf Monaten dieses Jahres waren es bereits 372. Noch am Flughafen werde geklärt, ob die Personalien stimmen. Danach entscheidet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, ob die Aslybewerber - vorerst - bleiben dürfen. Bis das feststeht, werden die Einreisenden in eine Unterkunft in der Nähe des Frachtterminals gebracht. „Dort kann man maximal 21 Tage bleiben“, so Knott. Danach geht es entweder in eine der großen Gemeinschaftsunterkünfte, mitunter aber sofort wieder in das Land, von dem aus der Asylsuchende eingereist ist.

(Hans Moritz)

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