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Mit ihrem Mercedes „Vitali“ machen sich am Sonntag Klaus Kronseder, Jakob Karrer und Michael Gotowtschikow (v. l.) auf den Weg.

Landkreis-Team bei Rallye nach Zentralasien 

Das Abenteuer der „Tadschikbuam“

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In fünf Tagen starten die Erdinger Michael Gotowtschikow und Jakob Karrer sowie der Angerskirchener Klaus Kronseder in ein großes Abenteuer. Sie fahren mit dem Auto nach Tadschikistan – eine spannende Reise für den guten Zweck.

Erding/Angerskirchen – Seit gut einem dreiviertel Jahr sind Michael Gotowtschikow, 55 und Technischer Produktmanager aus Erding, Jakob Karrer, 60-jähriger Elektromeister aus Erding, und Klaus Kronseder, 61 Jahre alter Holzhändler aus Angerskirchen, im Reisefieber. Sie planen einen Männertrip der ganz besonderen Art. Nicht an den Strand soll es gehen, auch nicht zum Wandern in die Berge. Nein, die drei wollen nach Tadschikistan. Und zwar mit dem Auto.

Unter dem Namen „Tadschikbuam“ machen Gotowtschikow, Karrer und Kronseder bei der Tajik Rally mit. Dabei steht neben Abenteuerlust und Spaß am Fahren ganz klar der humanitäre Bereich im Vordergrund: Die Fahrzeuge, mit denen die Teams unterwegs sind, werden am Zielort versteigert. Der Erlös kommt Projekten vor Ort zugute. Kooperiert wird unter anderem mit Caritas International und der Kinderstiftung Hänsel und Gretel.

„Wir wollten einfach mal was anderes machen“, sagt Karrer zur Motivation seiner Truppe, sich auf eine rund 10 000 Kilometer lange Tour durch zwölf Länder bis in die Hauptstadt Duschanbe zu begeben. Und dass diese Reise tatsächlich „was anderes“ ist, erleben die drei schon bei den Planungen. Dass man diverse Visa und Impfungen braucht – sowieso klar. Aber wer hätte etwa gedacht, dass Reservekanister aus Metall sein müssen, weil Plastikgefäße in Kasachstan nicht erlaubt sind?

An der Route haben die Männer lange getüftelt. Am 3. September fahren sie in Hohenthann (Landkreis Landshut) los – durch Österreich, Ungarn, Rumänien und Moldawien in die Ukraine. Eine Fähre bringt die Tadschikbuam übers Schwarze Meer nach Georgien. Es geht weiter durch den Kaukasus nach Russland und Kasachstan sowie ums nördliche Kaspische Meer herum. Der letzte Teil führt in Tadschikistan über den spektakulären Pamir Highway bis auf 4600 Meter Höhe hinauf.

Routenverfolgung per GPS-Tracker

„Wir wollen möglichst schnell nach Usbekistan kommen, um dort ein bisschen was anzuschauen“, sagt Karrer. Denn auch das Kennenlernen fremder Kulturen gehört zur Rally dazu. Und so planen die drei einen Abstecher zum Aralsee oder in Städte wie aus 1001 Nacht – wenn es ihr Zeitplan zulässt. Sie rechnen damit, die Strecke innerhalb von dreieinhalb Wochen zu bewältigen. Rund 500 Kilometer wollen sie am Tag runterreißen, alle paar Stunden wechseln sie sich beim Fahren ab. Ihr Ziel wollen sie am 28. September erreicht haben.

Doch welche Unwägbarkeiten auf die mehr als 30 Teams warten, lässt sich kaum abschätzen. An manch einer Grenze kann es sein, dass die Gepäckkontrolle einen halben Tag dauert. Und wenn das Auto irgendwo im Nirgendwo stehen bleibt, gibt’s keine Pannenhelfer.

Doch das Team glaubt an ihren Rallyboliden. Eine Testfahrt in die Berge mit voller Ausstattung hat der Mercedes Vito, Baujahr 2003, schon hinter sich. Von einem Sponsor hat er einen Unterfahrschutz bekommen – damit auf schlecht ausgebauten oder auch gar nicht vorhandenen Straßen nichts passiert. Ebenfalls gesponsert wurde eine Matratze zum Schlafen auf den umgeklappten Rücksitzen des Autos, das die Männer liebevoll „Vitali“ getauft haben. Dort können zwei schlafen, während einer im Dachzelt nächtigt.

Viel mehr Komfort gibt es nicht, abgesehen von der Kübeldusche. Allzu viel Gepäck haben die Männer deshalb auch nicht dabei. „Vieles reist ohne Rückflugticket“, sagt Karrer – Kleidung und Ersatzteile fürs Auto etwa, die vor Ort gespendet werden. Gut verpackt in Bananenkisten aus Karton sind auch Gastgeschenke wie Stofftiere für Kinder oder auch Sparschäler, denn „die sind dort heiß begehrt“. Nicht fehlen darf die Fotoausrüstung, um die Daheimgebliebenen mit Bildern versorgen zu können. Apropos: Wer will, kann die Tadschikbuam-Tour via GPS-Tracker auf www.karrer-tour.de verfolgen.

Ausreichend Nudeln, Fleisch- und Fischkonserven haben die Männer auch eingepackt. Ein Campingkocher ist sowieso dabei. „Und ansonsten werden wir schon irgendwas Essbares aufgabeln“, sagt Karrer, der in der Gruppe die Aufgaben des Küchenmeisters übernimmt und zuständig ist für Navigation und Routenplanung. Kronseder ist der Fahrzeugversteher, der Chefmechaniker und Langstreckenfahrer. Gotowtschikow ist Teambeauftragter für Visa- und Grenzangelegenheiten – er spricht als einziger der Truppe Russisch – sowie der Finanzverwalter.

Apropos Finanzen: Ein paar Sponsoren haben die Männer auftreiben können, den Großteil ihrer Reise bezahlen sie aber aus eigener Tasche. Bis zu 10 000 Euro können da alles in allem schon zusammenkommen.

Doch der gute Zweck und das Abenteuer stehen für Gotowtschikow, Karrer und Kronseder an erster Stelle. „Wir wollen ja was erleben. Und wenn es ganz schön ist, fliege ich nächstes Jahr mit meiner Frau dort hin“, sagt Karrer, für den mit der Tour auch ein Traum in Erfüllung geht, den er seit seiner Meisterprüfung träumt: „Ich wollte mit dem Motorrad bis nach Indien fahren“, erzählt er. Aus dieser Tour wurde zwar nichts, der Traum aber blieb – und wird nun in gewisser Weise Realität.

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