Steil steigt die (blaue) Kurve der aktiven Corona-Infektionen an – wie zu Beginn der Pandemie. Grafik: LRA Erding
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Steil steigt die (blaue) Kurve der aktiven Corona-Infektionen an – wie zu Beginn der Pandemie.

47 Neuinfektionen am Montag – Hilfskrankenhaus ruht weiter – Mehr Schulbusse

Corona: Landkreis testet Lüftungsgeräte an Schulen

  • Hans Moritz
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Die Schulen im Landkreis rüsten auf. Neue Luftreinigungsgeräte und CO2-Ampeln sollen den Alltag erleichtern. Derweil gab es 47 Neuinfektionen im Landkreis.

Erding – Raumluftreinigungsgeräte, die Aerosole filtern, können Schulen die Sicherheit bieten, dass im Unterricht keine Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus besteht. Demnächst sollen die ersten Filter in Landkreisschulen zum Einsatz kommen, ebenso wie CO2-Ampeln. Das kündigte Matthias Huber von der Liegenschaftsverwaltung des Landratsamtes im Bauausschuss an. „Wir haben vier Geräte unterschiedlicher Hersteller bestellt, die noch in diesem Monat geliefert werden sollen“, berichtete Huber. Zudem habe man die Schulen in Trägerschaft des Kreises abgefragt, ob sie Bedarf haben. Er plane einen Testlauf.

Huber betonte jedoch, „dass es nur eine Förderung für Klassenzimmer gebe, die nicht über ausreichend große Fenster gelüftet werden können. Deswegen kämen die Geräte nur in begrenztem Umfang in Betracht.

Zudem sollen 400 so genannte CO2-Ampeln bestellt werden. Sie zeigen an, wann der Sauerstoffgehalt in der Raumluft zu gering ist, und stoßgelüftet werden sollte. Sie gelten als indirekter Schutz vor dem Covid-19-Virus. Für die Luftfilter gibt es eine Förderung von 3500 Euro pro Raum, für die Ampeln 7,27 Euro pro Schüler.

Hans Wiesmaier, Kreisvorsitzender des Gemeindetags und Sprecher der Bürgermeister, begrüßt es, dass die Gemeinden mit ihren Grund- und Mittelschulen von den Erfahrungen profitieren dürften. Er kann sich die Beschaffung der Aerosol-Filter nur in Zimmern vorstellen, die unter die Förderkriterien fallen. Sonst sei das zu teuer. Wiesmaier sieht die Sache von zwei Seiten. Einerseits lobt der Fraunberger Rathauschef die Filterung der Raumluft, allerdings warnt er auch vor den Folge-Herausforderungen. „Die Geräte müssen regelmäßig gewartet und die Filter häufig getauscht werden. Es muss geregelt sein, wer das macht. Und man muss aufpassen, dass nicht dadurch nicht eine neue Ansteckungsgefahr entsteht.“ Wiesmaier ist froh, „dass wir eine Schule nicht nach dem modernsten Passivhausstandard haben, bei denen man die Fenster oft nicht öffnen kann. Denn so können wir nach wie vor stoßlüften – und zwar so, dass danach sehr schnell wieder eine angenehme Temperatur herrscht“.

Kein Problem hat diesbezüglich die nach den Herbstferien neu eröffnete Grund- und Mittelschule in Oberding. Hier wurde – sehr vorausschauend – eine starke Lüftungsanlage eingebaut, die binnen einer Viertelstunde die gesamte Luft in einem Klassenzimmer austauscht.

Um die Ansteckungsgefahr in Schulbussen zu verringern, hat der Freistaat die zusätzlichen Verstärker über die Herbstferien hinaus bis zum Jahreswechsel genehmigt.

Während an den Schulen jetzt generelle Maskenpflicht im Unterricht herrscht, gilt das für den Kreistag noch nicht. Helga Stieglmeier, Vize-Vorsitzende der Grünen-Fraktion, will das ändern. In einem Antrag fordert sie den verpflichtenden Mund-Nasen-Schutz auch in allen Gremien des Kreistags. Bislang wurde darüber noch nicht entschieden. Zum Auftakt der Haushaltsberatungen am Montag trugen nur die beiden Grünen-Kreisräte Maria Feckl und Dominik Rutz (fast) durchgängig Maske.

Coronavirus im Landkreis Erding: Die Lage am Dienstag

Die Corona-Pandemie hat sich am Dienstag weiter ausgebreitet. Erding zeigt in diesen Tagen eine deutlich höhere Dynamik als viele andere bayerischen Landkreisen. Das könnte an einem zeitlichen Verzug liegen. Denn Erding geriet aus unerklärlichen Gründen erheblich später in die gelbe, rote und nun dunkelrote Zone. In den anderen Landkreisen könnte der Scheitelpunkt bereits erreicht sein. Das macht auch in Erding Hoffnung, dass der Lockdown in Bälde Wirkung zeigt.

Dafür spricht auch eine Einschätzung des Robert-Koch-Instituts. Das bezifferte am Dienstag das so genannte Sieben-Tage-R mit 0,98. Am Montag lag es bei 1,01. Das heißt, 100 Infizierte stecken „nur noch“ 98 weitere Menschen an – das sicherste Indiz, dass die Pandemie langsam gebremst wird.

Das Gesundheitsamt meldete am Dienstag 47 Neuinfektionen, tags zuvor war mit 97 neuen Fällen ein neuer Rekord erreicht worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg nur minimal von 233,3 auf 234,1 neue Ansteckungen in einer Woche bezogen auf 100 000 Einwohner, berichtet Landratsamtssprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer. Die neuen Fälle stammen aus Erding (15), Dorfen (11), Taufkirchen (9), St. Wolfgang (3), Isen, Wörth, Lengdorf (je 2), Forstern, Kirchberg, und Wartenberg (je 1). Die Zahl der Genesenen sieg um 5 auf 1202 Personen. 409 Personen gelten aktuell als infiziert, ein neuer Höchststand.

Im Klinikum werden nun 16 Covid-19-Patienten behandelt. Einer konnte die Intensivstation verlassen. Dort müssen vier Personen künstlich beatmet werden.

Die Wiederinbetriebnahme des Hilfskrankenhauses im Warteraum Asyl ist nach Aussage Fiebrandt-Kirmeyers derzeit nicht geplant. „Es könnte aber innerhalb von kürzester Zeit wieder hochgefahren werden.“

Taufkirchen bleibt Corona-Hotspot. Nach einem positiven Test in der Grundschule befinden sich 49 Kinder und zwei Lehrer in Quarantäne. Das gilt auch für neun Kinder und zwei Betreuer in einer Kita in Inning sowie für zehn Mädchen und Buben mit fünf Betreuern einer Heilpädogischen Tagesstätte in Erding.

Hans Moritz

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