Wahlkampf vor bescheidener Kulisse: Grünen-Landesvorsitzende Eva Lettenbauer mit Bundestagskandidat Christoph Lochmüller und dem neuen Ortssprecher Konrad Thees (v.  l.) auf dem Kleinen Platz in Erding.
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Wahlkampf vor bescheidener Kulisse: Grünen-Landesvorsitzende Eva Lettenbauer mit Bundestagskandidat Christoph Lochmüller und dem neuen Ortssprecher Konrad Thees (v.  l.) auf dem Kleinen Platz in Erding.

Grünen-Landeschefin Lettenbauer und Bundestagskandidat Lochmüller sprechen in Erding vor kleinem Publikum

„Landwirte sind Gefangene im falschen System“

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Erding - Wahlkampf vor bescheidener Kulisse: Bayerns Grünen-Chefin Eva Lettenbauer warb auf dem Kleinen Platz in Erding für ihre Partei. Nur eine Handvoll Zuhörer scharte sich um den Stand.

Straßenwahlkampf ist ein hartes Geschäft. Das bekamen am Donnerstagnachmittag auch der Grünen-Bundestagskandidat Christoph Lochmüller und Landesvorsitzende Eva Lettenbauer bei ihrem Auftritt auf dem Kleinen Platz in Erding zu spüren. Nur eine Handvoll Zuhörer scharte sich um den Stand – die meisten davon waren dank entsprechend gestalteter FFP2-Schutzmasken noch dazu klar als Parteifreunde zu erkennen, darunter Kreisrat Stephan Glaubitz sowie die Vorstandsmitglieder Doris Kraeker und Cornelia Ermeier.

Dass es auch anders geht, hatte tags zuvor Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bewiesen, zu deren Auftritt in Dachau 1500 Besucher gekommen waren. In Erding war es ein mageres Hundertstel davon.

„Frag’ die Grünen“ lautete das Format, in Erding fragten vor allem Grüne Grüne. Den Termin eröffnet hatte Lettenbauer mit dem euphorischen Hinweis: „Wir leben in bewegten Zeiten, es ist alles möglich“, rief sie angesichts der gut möglichen Beteiligung der Öko-Partei an der nächsten Bundesregierung.

Aus Gesprächen mit Unternehmern berichtete sie, dass auch von dort immer öfter der Ruf nach einer grünen Wende zu vernehmen sei. Bei der Umstellung auf erneuerbare Energien stehe man nach wie vor am Anfang, die Windkraft sei gerade in Bayern nahezu zum Erliegen gekommen, auch bei den Solaranlagen sei noch viel Luft nach oben. Die Forderung nach einer Pflicht nahm Lettenbauer aber allerdings nicht in den Mund.

Auch bei der Kinder- und Nachmittagsbetreuung gebe es enormen Nachholbedarf. Das aktuelle Angebot passe nicht zur modernen Arbeitswelt. An Staat und Kommunen appellierte sie, alles zu unternehmen, damit im Herbst regulärer Unterricht möglich sei – mittels zu 100 Prozent vom Staat bezahlter Luftfilter. Grundsätzlich mahnte sie eine bessere Ausstattung der Schulen an. In die öffentliche Infrastruktur wollen die Grünen 50 Milliarden Euro stecken – ab 2022 Jahr für Jahr.

Auf die Frage, wie er sich die Landwirtschaft in zehn Jahren vorstelle, antwortete Lochmüller: „Die Landwirte sind Gefangene im falschen System“. Dieses zwinge sie, möglichst billig zu produzieren. Das Motto „Wachse oder weiche“ sei schädlich. Leistungen für die Kulturlandschaft müssten besser vergütet werden. Um das Tierwohl müsse man sich zumindest in Bayern mit seinen kleinen Höfen weniger Gedanken machen. Wenn sich alle in ein wenig Verzicht übten, müssten nicht so viele Tiere gehalten werden.

Lettenbauer stellte sich hinter die deutsche Automobilindustrie, „sofern sie klimaneutrale Autos baut“. Dabei denke sie nicht nur an die Konzerne, sondern auch an die Zulieferer, die staatliche Hilfe bei der Neu- und Umgestaltung ihrer Arbeitsplätze bräuchten.  

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