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Unterhaltsam: Mit dem gebotenen Ernst, aber doch mit Humor führte Dietmar Schmitz durch das dunkle 19. Jahrhundert.

Vortrag über Kriminalität im 19. Jahrhundert 

Von Lastern, Ängsten und Dieben

Erding – Hier und heute zu leben, dürfte trotz oft negativer Schlagzeilen für die Zuhörer von Dietmar Schmitz eine Freude sein. Der Heimatforscher referierte über Kriminalität im 19. Jahrhundert und brachte manchem, wenn auch mit einer Prise Humor, das Schauern bei.

Der Vortragsraum im Museum Erding an der Prielmayerstraße war so voll, dass im Foyer noch Stühle bereitgestellt werden mussten. So interessiert zeigten sich die Bürger am Thema. Dietmar Schmitz, gebürtiger Erdinger und wohnhaft in Klettham, hat Geschichte und Publizistik studiert und ist seit 25 Jahren ehrenamtlich im Museum Erding tätig.

Seinem Kriminalitätsvortrag stellte er das Zitat der Mauggener Ortschronik voran – nämlich, dass man zu jener Zeit noch auf die Straße gehen konnte, „in Ruhe und in Sicherheit“. Dem war aber keineswegs so – und Xaver Härtinger, dessen Steckbrief von 1818 Schmitz präsentierte, war da eher noch ein „Gentleman-Verbrecher“, machte er doch nur lange Finger in der Amtskasse.

Schlicht Angst konnte einem auf den vermeintlich sicheren Straßen werden. 1833 erwischte es einen Hofstallwart, der ursprünglich 130 Gulden in der Tasche hatte, danach aber 18 Stiche und einen Schnitt durch den Kehlkopf. Im gleichen Jahr töteten Straßenräuber im Landkreis einen weiteren Knecht, und 1835 wurde Josef Glockshuber auf der Landstraße erschlagen. Dessen Marterl präsentierte der Historiker zwar, ließ es aber nicht herumgehen. „Die Jüngeren würden nur darauf herumwischen“, erklärte er (ver)schmitzt.

Der Bayerische Volksfreund berichtete von „Entsittung“, beklagte die „in die Höhe gestiegene Immoralität“ und stellte fest, dass schauderhafte Laster auf dem Höhepunkt angelangt seien. Schlechte Nachrichten, so Schmitz, „welche die Urangst, dass uns irgendetwas passieren könnte, schüren“.

Das Landgericht Erding, das viertgrößte im Isarkreis, hatte dem wenig entgegenzusetzen. Es war mehr ein Verwaltungsapparat bis hin zur Rekrutierung, „und Kriminalität war das Letzte, was das Landgericht gebrauchen konnte. Es war kein Leben, sondern ein Vegetieren im Aktenschrank“.

Auch die andere Seite, die der vermeintlich Bösen, vergaß Schmitz nicht. Es herrschte bittere Armut, so dass zehn Prozent der Bevölkerung dauerhaft auf der Straße lebten. Felder mit Saatkartoffeln wurden geplündert. Brandstiftung war fast alltäglich. 1832 wurde die 85. Feuersbrunst in nur eineinhalb Jahren gemeldet. Trittbrettfahrer, die als angebliche Abbrendler um Mitleid baten, waren an der Tagesordnung.

Nichts war mehr sicher. 1833 stellte eine Diebesbande in Langengeisling ein Haus auf den Kopf, während der Pfarrer im Gottesdienst eine Predigt hielt, „dass ihm der Schweiß troff“.

Eine amtliche Meldung aus dieser Zeit zur Geburt von Drillingen verdeutlicht die Not. „Während der zweite starb“, so hieß es, „sind die übrigen aber zum Entsetzen des Vaters gesund“.

Gert Seidel

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