Mit ihrer samtigen Stimme beeindruckte Sängerin Anna Lauvergnac. Für die jazzige Untermalung sorgten (v. l.) Claus Raible, Giorgos Antoniou und Steve Brown. Foto: Bauersachs

Jazzmusik

Leidenschaft, Energie und Poesie

Erding – Anspruchsvolle Jazzmusik boten Anna Lauvergnac und ihr International Quartet am Freitagabend in der Kreismusikschule.

Die Italienerin gastierte neben Billy Cobham (siehe oben)als einer der Stars der Erdinger Jazz Tage. Die attraktive Jazz-Sängerin ist ein Gesamtkunstwerk. Ihre rauchige und zugleich samtige Altstimme erfüllte den Saal vom ersten Stück an mit Leidenschaft, Energie, Poesie und Emotion. Ihre eloquente Art, kleine Geschichten zu den Songs zu erzählen, machte sie sympathisch und nahbar, ihre Eleganz zu einer Erscheinung. Doch die 50-Jährige drängte sich nicht in den Vordergrund. Sie ließ den herausragenden Musikern ihres Internationalen Quartet, das sie 2009 gründete und mit dem sie ihr aktuelles Album „Coming Back Home“ aufgenommen hat, viel Platz. So legte der Münchner Pianist Claus Raible, den die Sängerin schon seit ihrer Studienjahre in Graz kennt, immer wieder souverän den jazzmusikalischen Teppich für die Frontfrau aus. Es gelang ihm spielerisch, das Emotionale aus Lauvergnacs Stimme herauszuholen und zu unterstreichen. Die beiden schienen sich blind zu verstehen. Für drei Stücke hatte Raible die Musik komponiert und Lauvergnac den Text dazu geschrieben. Die Songs handeln meist von Liebe und davon, hin- und hergerissen zu sein zwischen Lauvergnacs‘ Lieblingsland Indien und ihrer Heimat Europa.

Neben Eigenkompositionen präsentierten die Musiker auch unbekanntere Lieder aus dem Great American Songbook, bei denen die Aura einer amerikanischen Bar aus den 40er und 50er Jahren aufkam. Gefördert von den Jazzlegenden Mark Murphy und Sheila Jordan trat Anna Lauvergnac als Sängerin des „Vienna Art Orchestra“ ein Jahrzehnt lang auf allen großen Bühnen der Welt auf, ebenso wie ihre musikalischen Partner des International Quartet. Der griechische Bassist Giorgos Antoniou und der Brite Steve Brown am Schlagzeug zählen zu den Besten ihres Genres und sorgten für die feine swingende Untermalung der Stücke. In etlichen Soli zeigten sie überzeugend, dass sie Jazz auf höchstem Niveau beherrschen. Jazz auf einem Niveau, wie man ihn auch in New York oder San Francisco hören könnte, hat Christian Wanninger für die Stadt als Veranstalter mit diesen Musikern nach Erding geholt. Schade, dass diese Ausnahmetalente nur rund 100 Zuhörer erleben wollten.  

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