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Starkes Podium (v. l.): Ali Kicikaya, Peter Felixberger, Andrea Bliese, Marcel Huber, Werner Reuß, Hildegard Kronawitter, Helmut Haßlberger und Georgios Vlantis nahmen sich kritische Fragen vor. 

Podiumsdiskussion beim Kirchentag 

Leitkultur: Konsens oder Kampfbegriff

Fragen der Religion sind heute nach wie vor Fragen des Zusammenlebens. Das wurde bei der Podiumsdiskussion in der Mädchenrealschule deutlich. Wie wichtig Religion im Alltag ist, dazu gab es unterschiedliche Befunde.

13Erding – Polarisiert Religion die Gesellschaft eher? Oder ist sie ein Mittel zur Integration? Diese Fragen beschäftigten sieben hochkarätige Gäste bei einer Podiumsdiskussion am Samstag. Die Zuhörer erlebten eine fundierte und auch streitlustige Debatte. Die Turnhalle der Mädchenrealschule Heilig Blut in Erding hätte aber durchaus voller sein dürfen. In einem waren sich die Redner einig: Religion ist ungeheuer wichtig. „80 Prozent aller Menschen sind religiös. Das kommt nicht von ungefähr“, erklärte Weihbischof Bernhard Haßlberger.

Der Vertreter der Muslime bekam die Frage vorgelegt, ob der Islam zu Deutschland gehöre. „Habe ich als deutscher Staatsbürger nun eine fremde Religion?“, fragte Ali Kizilkaya zurück. „Wie will man den vier Millionen Muslimen das Gefühl geben, dazu zu gehören?“, meinte der Vorsitzende des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland weiter.

Das wollte CSU-Politiker Marcel Huber nicht so stehen lassen. „Wir haben keinen rechten Ansprechpartner, das ist einer der wesentlichen Punkte“, monierte der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei. Da ging es schon etwas rund auf dem Podium, denn Kizilkaya blieb angriffslustig: „Die Politik hat ihren Lieblingspartner noch nicht gefunden.“

Moderator Werner Reuss (BR Alpha) legte noch eine Schippe drauf und brachte den Begriff „Leitkultur“ ins Spiel. „Vergessen sie die Leitkultur, sie hat immer etwas Identitäres“, erwiderte darauf der in Erding lebende Journalist und Autor Peter Felixberger. „Hier wird künstlich ein Problem geschaffen“, sagte Kizilkaya zu den Forderungen nach einer deutschen Leitkultur. „Die einzige Leitkultur, die für uns akzeptabel ist, ist das Grundgesetz“, meinte er

„Das ist fast schon ein Kampfbegriff“, gab auch Huber zu. Die christlichen Grundwerte seien „gute Leitplanken“, sagte er. Da gebe es aber auch einen „gewaltigen Traditionsabbruch in den Familien“, beklagte Andrea Bliese, Direktorin am Camerloher Gymnasium in Freising, Das erlebe sie im Schulalltag, berichtete die Repräsentantin der evangelischen Kirche. Dem pflichtete die frühere SPD-Landtagsabgeordnete Hildegard Kronawitter bei: „Wir haben einen Rückzug aus der Religion.“

Huber sprach bei der Leitkultur von einem gesamtgesellschaftlichen Wertekonsens und verwahrte sich gegen den Vorwurf der Ausgrenzung. Georgios Vlantis überzeugte das nicht. „Wachsam sein. Ohne Kritik geht es nicht“, mahnte der Vertreter der griechisch-orthodoxen Kirche, der auch Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Bayern ist. Wo Kritik nicht mehr möglich sei, könne Gewalt entstehen.

„Religion kann ein Treibriemen sein“, sagte auch Haßlberger. Bei Konflikten habe man es immer mit einer „Gemengelage“ zu tun, etwa wenn soziale Spannungen dazukommen, wie etwa in Nordirland. Felixberger gab ihm hier Recht. Die „Gefahr der letzten Wahrheit“ müsse man ernst nehmen. „Die Terroristen nehmen den Islam als Schutzschild, um die Massen hinter sich zu bringen“, pflichtete Kizilkaya bei. Die Leidtragenden seien die Muslime. Dem wollte niemand widersprechen, auch Huber nicht, der von einem bestehenden Konsens sprach und dazu aufrief, sich hinter der Bergpredigt zusammenzufinden, in der Jesus unter anderem Barmherzigkeit und Friedfertigkeit forderte.

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