Die Geschmäcker sind verschieden. Das bekommt Straßenmusiker Leon Kazander (25) gerade in Erding zu spüren. Der Streit – eine Posse. ArchivFoto: privat

Leon Kazander hat oft in Erding gespielt, bis das Ordnungsamt meint, er könne nicht singen

Krach um einen Straßenmusiker

  • vonAlexandra Anderka
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In Erding gibt es eine Posse um einen Straßenmusikanten, der mit dem Ordnungsamt aneinander geraten ist. Eine Frage des - guten - Geschmacks.

Erding Beinahe der „Schlag getroffen“ hätte Leon Kazander bei seinem jüngsten Besuch im Ordnungsamt im Erdinger Rathaus. Er wollte nachträglich, nachdem ihn zwei Angestellte vom Ordnungsamt „sehr nett und respektvoll“ darauf hingewiesen hatten, eine Genehmigung einzuholen, um am Schrannenplatz Straßenmusik zu machen. Zuvor hatte er bereits eine Stunde gespielt.

Seit zehn Jahren singt der 25-jährige Volkswirtschaft-Student zu seiner Gitarrenbegleitung in der Erdinger Innenstadt bluesige und rockige Coversongs „à la Eric Clapton und Bob Dylon“, wie er seinen Stil beschreibt. Noch nie habe es Probleme gegeben, und nun hieße es, sein Gesang sei zu schlecht.

Im Wortlaut habe Ordnungsamtsleiter Robert Buckenmaier gesagt: „Ich habe 40 Minuten zugehört. Der Gesang ist zu schlecht, über instrumental können wir reden.“ Unserer Zeitung erklärt Buckenmaier, dass es sich hier nicht um seine eigene Meinung handle, sondern, dass „zwei bis drei“ Beschwerden eingegangen seien. „Da bricht nicht immer die totale Freude aus, wenn Musiker vor der eigenen Haustür spielen“, weiß der Rathaus-Angestellte, der allerdings kaum Genehmigungen für Straßenmusiker ausstellen muss.

„Hin und wieder kommt im Sommer eine Anfrage von osteuropäischen Gruppen, das ist aber eher selten.“ Eine nachträgliche Erlaubnis habe er Kazander nicht mehr erteilen wollen. „Das wäre ja so, wie wenn ein Schwarzfahrer beim Erwischen nachträglich eine Fahrkarte lösen könnte.“

Der Musikant beteuert, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass es sich um einen „ungenehmigten Bußgeldtatbestand“, wie Buckenmaier es ausdrückte, gehandelt habe. Ganz am Anfang seiner Straßenmusiker-Karriere habe er im Rathaus angefragt, ob man eine Genehmigung brauche. Das sei verneint worden, solange er ohne Verstärker spielt.

Buckenmaier glaubt durchaus, „dass der Straßenmusiker nicht absichtlich ohne Zustimmung der Stadt gespielt hat“ – zumal diese kostenlos sei. Deshalb habe er auch keine Strafe bezahlen müssen.

Kazander beteuert, dass er sich „auf jeden Fall an die vorgegebenen Richtlinien“ halten wolle und gibt auch zu: „Ich bin sicher kein Profi. Nicht jedem gefällt meine Musik, aber für Straßenmusik reicht’s, da bin ich selbstbewusst genug.“ Zumal der Hobbymusiker schon auf dem Sinnflut-Festival, bei der Nacht der blauen Wunder, auf Hochzeiten oder Veranstaltungen wie dem St. Patrick’s Day im Dubliner Irish Pub oder bei „Kino et Vino“ im Cineplex aufgetreten ist.

Auch in München sei er schon als Straßenmusiker unterwegs gewesen: „Da muss man für eine Genehmigung im Ordnungsamt sogar vorsingen, und da bin ich nicht durchgefallen“, gibt er zu bedenken.

Kazander regt es nach eigenen Worten „tierisch auf“, dass ein vielfältiges Erding durch „genau solche willkürlichen Aktionen“ unmöglich und kulturtot gemacht werde. Außerdem wundert es ihn, „dass sich jetzt plötzlich so viele über meine Musik beschweren. Seit zehn Jahren bin ich unterwegs, und immer ist alles gut gegangen“. Auch Leute, die im Café am Schrannenplatz gesessen sind, hätten sich gewundert. „Ein Kellner aus dem veganen Café Green Leaf hat sogar bedauert, dass ich eingepackt habe. Ich hätte eine so gute Stimmung verbreitet.“ Auch das Geld im Koffer habe nicht darauf schließen lassen, dass seine Musik nicht ankomme. Zudem wechsele er immer nach einer Stunde den Standort.

Buckenmaier versicherte gegenüber der Heimatzeitung, dass Kazander für das nächste Mal eine Genehmigung erhalten werde, wenn er diese rechtzeitig, mindestens einen Tag vorher, beantragt. „Da sind wir relativ großzügig.“

Ob Kazander noch einmal in Erding spielen möchte, weiß er noch nicht. „Ich muss schon zugeben, gleich nach dem Vorfall war ich sehr enttäuscht. Mittlerweile hat sich die Wut etwas gelegt. Jetzt kommt erst einmal der Winter, im Frühjahr sehe ich weiter. Es gibt auch noch andere schöne Städte.“

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