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Leserhilfswerk „Licht in die Herzen“ 

Der Mund als Schaltzentrale

Andrea R. (Name geändert) ist eine starke Frau. Seit einem Fahrradunfall vor 30 Jahren ist sie querschnittgelähmt. Dank technischer Hilfsmittel und 24-Stunden-Betreuung meistert sie ihr Schicksal.

von Elvi Reichert

Erding– Die Diagnose war ein Schock: Als Andrea R. nach einem Fahrradunfall im Krankenhaus erfährt, dass sie vom Hals abwärts gelähmt bleibt, bricht für das Mädchen eine Welt zusammen. 30 Jahre ist das jetzt her. Heute ist Andrea R. (44) eine lebensbejahende Frau, die ihr Schicksal angenommen hat.

In der Reha-Klinik zeigte man ihr, dass das Leben auch für sie lebenswert sein kann. Sie machte eine Ausbildung zur Sozialpädagogin und kann einen Teil ihres Lebensunterhalts selbst bestreiten. Sie arbeitet für eine Firma, die Beatmungsgeräte und Sauerstoff vertreibt. Dazu bezieht sie Grundsicherung.

Die 44-Jährige selbst muss mit Raumluft beatmet werden, denn ihre Lungenmuskulatur ist außer Kraft. Mit Hilfe eines Sprechventils bedient sie den Rollstuhl, und mit einem Mundstab kann sie auf dem Computer schreiben. „Früher gab es nur eine elektrische Schreibmaschine. Das war viel anstrengender und komplizierter“, erzählt Andrea R. Derzeit hilft sie einer Wohngruppe mit zehn Personen, sich wieder ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen.

Sie macht Betroffenen Mut und ist selbst das beste Beispiel. Obwohl die 44-Jährige ein Pflegefall ist, kämpft sie sich jeden Tag ins Leben und will auf gar keinen Fall Mitleid. Ein Betreuungsteam kümmert sich abwechselnd rund um die Uhr um sie, fährt mit ihr beispielsweise zum Einkaufen. Zuletzt machte die 44-Jährige in Nürnberg eine Weiterbildung als Referentin für menschenrechtsbasierte Behindertenpolitik. Hier sieht sie noch einen großen Bedarf. Die Fahrt war anstrengend, doch sie hat sie gut gemeistert. Und: „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt“, sagt Andreas R.

„Für mich ist es wichtig, dass das Leben der Behinderten als normal angesehen wird, dass es nichts Ungewöhnliches ist.“ Wörter wie „arm und behindert“ müssten aus den Köpfen der Menschen verschwinden, sagt sie bestimmt. Dafür setzt sie sich ein.

Andrea R. eine Kämpfernatur, die finanziell haushalten muss. Während die Pflegekosten übernommen werden, hat sie durch ihre berufliche Tätigkeit zwar ein kleines Einkommen, doch für zusätzliche Ausgaben reicht das nicht. Einen Weihnachtswunsch hat Andrea R. Sie würde sich über eine neue Schlafcouch im Wohnzimmer freuen, denn die ihre ist schon sehr alt und und durchgelegen. Auf dem Sofa ruht sich Andrea R. tagsüber gerne einmal vom langen Sitzen im Rollstuhl aus.

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt Menschen wie Andrea R. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN:

DE54 7005 1995 0000 0171 11.

Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung.

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