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Ein „Luxus-Ensemble“, nicht nur für Dirigent Wolfgang Gieron: die Klassische Philharmonie Erding. Wegen fehlender Sponsoren könnte es am Samstag ihr letztes Konzert in der sehr gut besuchten Stadthalle gewesen sein.

Klassische Philharmonie Erding

Der letzte Konzert-Genuss dieser Art?

Erding – Seit 24 Jahren gibt es die Konzertreihe der Klassischen Philharmonie Erding. Damit könnte jetzt Schluss sein. Die Sponsoren fehlen. Dies sagte Dirigent Wolfgang Gieron am Samstag in der gut besuchten Stadthalle. Zuvor hatte er mit seinen Musikerkollegen für einen konzertanten Hochgenuss gesorgt.

Dirigent und Mitinitiator Wolfgang Gieron hatte sich den bedeutungsschweren Satz bis zum Schluss des Konzerts aufgehoben. Wollte er doch den vielen Freunden der Klassischen Philharmonie Erding in der Stadthalle nicht die Freude an einem schönen Musikerlebnis nehmen. Dabei, so Gieron, „war dies vermutlich unser letztes Konzert“.

Der Grund dafür liege vor allem am Schwund der Sponsoren: erst die Flughafen München GmbH, jetzt die Stadt Erding, nach 24 erfolgreichen Jahren. „Konzerte sind teuer, wir haben hier ein Luxus-Ensemble“, sagte Gieron über die Musiker, die in den großen Münchner Orchestern spielen. Welcher Verlust es ein würde, sie nicht mehr einmal im Jahr in Erding zu hören, das hatten sie fast zwei Stunden lang mit Werken von Franz Schubert und Wolfgang Amadeus Mozart eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Die Individualität Schuberts im Reigen der großen Meister wurde gleich in der ersten Darbietung des Orchesters hörbar, der Symphonie Nr. 5 in B-Dur. Schubert war damals noch sehr jung, entsprechend stieg er schon im ersten der vier Sätze ziemlich „forte“ (stark) ein. Eine große Rolle spielen dabei immer Oboe, Flöte und natürlich viele Violinen. Speziell am Anfang der Symphonie treffen hier Violinen und die entsprechenden Geigenbögen mal melodisch geschwungen, mal Stakkato-artig hart aufeinander, um dann romantisch-verträumt zu erklingen, wie ein musikalischer Blick in vorbei ziehende Wolken.

Ganz der Violine gewidmet hat Mozart sein Konzert Nr. 5 in A-Dur. Dieses zweite Stück im Programm der Philharmonie Erding, in dem der noch junge Mozart Elemente aus der französischen, italienischen und böhmischen Violinen-Musik verarbeitet hat, ist sein wohl bekanntestes und meistgespieltes Werk mit diesem Instrument. Als Solisten konnte Gieron hierzu den russischen Stargeiger Anton Barachovsky verpflichten.

Der erste Konzertmeister des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks forderte seiner Violine alles ab, entlockte ihr schier unglaubliche Sequenzen. Obwohl Solist, kommunizierte er stets mit den übrigen Musikern, die ihm, sogar aus den hinteren Reihen des Orchesters, sichtbar Hochachtung für sein Können zollten. Das begeisterte Publikum dankte es ihm mit nicht enden wollendem Applaus.

Nach der Pause hatte Gieron noch die so genannte Jupiter-Symphonie, die letzte des hoch begabten Österreichers Mozart, im Repertoire. In vier Sätzen, ganz klassisch, geht der Meister aller Noten hier weg von der alten, barocken Schule hin zu einer ganz eigenen Sprache, die Millionen von Musikliebhabern auf der Welt begeistert – vor allem das furiose Finale (Molto Allegro), natürlich auch in Erding.

Eine Zugabe, das war nach diesem Konzert und seiner als düster dargestellten Zukunft klar, musste sein. Und so verabschiedete sich die Klassische Philharmonie von ihren treu ergebenen Freunden mit einem Choral von Johann Sebastian Bach – hoffentlich nicht für immer.

Friedbert Holz

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