Ein Bild aus glücklichen Tagen: Hier wussten Bernd und Sonja Wiesner noch nichts von der schrecklichen Diagnose.

Typisierungsaktion für Bernd Wiesner  

Ein kleiner Pieks, der Leben retten kann

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Bernd Wiesner ist an einer besonders schweren Form der Leukämie erkrankt. Seine Frau Sonja ist Lehrerin an der Herzog-Tassilo-Realschule und hat dort eine Typisierungsaktion organisiert. Sie findet am Sonntag, 10. September, statt.

Erding – Es ist ein Kampf ums Überleben. Bernd Wiesner hat ihn Ende Juni aufgenommen, seine Frau Sonja steht ihm zur Seite. Der 43-Jährige hat damals eine vernichtende Diagnose bekommen: chronische Leukämie in einer besonders schweren Form. Mittlerweile ist er durch die Chemotherapie stark geschwächt. Seine einzige Chance auf Heilung ist eine Stammzellenspende. Seine Schwester kommt als Spenderin leider nicht in Frage. In diesen Tagen der Verzweiflung stützt Sonja Wiesner ihren Mann, so gut sie kann. Um einen genetisch passenden Spender zu finden, hat die Lehrerin an der Herzog-Tassilo-Realschule Erding eine Typisierungsaktion auf die Beine gestellt. Die Schulfamilie hilft bei der Veranstaltung in der Aula kräftig mit.

„Meine Kollegen waren top. Sie waren sofort bereit, meine Aufgaben zu übernehmen“, erzählt die 37-Jährige über die letzten Wochen des Schuljahres, in denen sie von anderen Lehrern vertreten wurde. Die Hohenthannerin musste bei ihrem Mann zuhause in Niederbayern bleiben. Tägliche Termine im Klinikum Landshut oder dem Uni-Klinikum Regensburg sowie vieles weitere machten das Arbeiten unmöglich.

Wiesner unterrichtet seit 2010 Englisch und Wirtschaft an der Realschule. Vier Jahre lang war sie Verbindungslehrerin. Sie ist eine Vertrauensperson für die Jugendlichen an der Schule und ihre Eltern. Auch deswegen haben Schüler und Elternbeirat sofort ihre Unterstützung für die Typisierungsaktion am Sonntag, 10. September, in der Schulaula zugesagt. Schließlich muss für einen Ansturm von hunderten Menschen alles auf- und später wieder abgebaut sowie Verpflegung angeboten werden. Während des Aktionstags von 11 bis 16 Uhr sind auch Helfer nötig, um Röhrchen mit Blutproben zu beschriften und vieles weitere. Während der vergangenen Wochen steht Sonja Wiesner ständig per Whatsapp, E-Mail und Telefon in Kontakt, um die Typisierung zu organisieren.

Die Schulfamilie steht voll dahinter

Die erste Initiative hatte die Klasse 9b mit Lehrerin Sonja Pfaller beim Schulfest im Juli gestartet. Die Schüler hatten ein Flugblatt zum Aktionstag und Plakate gestaltet, die über die Krankheit und den Ablauf einer solchen Typisierung informieren. „Das war beeindruckend“, sagt Wiesner.

Für die Besucher des Typisierungstages ist es nur ein kleiner Pieks. Arzthelferinnen entnehmen ihnen in ehrenamtlicher Arbeit Blutproben. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) überprüft, ob die genetischen Merkmale zu einem der vielen Patienten weltweit passen. Die große Hoffnung ist, für Bernd Wiesner, der bei der Regierung von Niederbayern arbeitet, einen Spender zu finden. Doch auch wenn nicht: „Es gibt zigtausende an Erkrankten, die jeden Tag auf einen Spender warten“, sagt die Frau des Betriebswirts.

Bedenken müsse niemand haben, auch wenn er für eine Spende in Frage kommt, sagt Sonja Wiesner. „Für einen Spender ist das keine große Sache.“ Die Stammzellenspende funktioniert über eine Art Blutwäsche oder über eine Knochenmarkpunktion unter Vollnarkose.

Sonja Wiesner ist vielen Menschen dankbar. Schulleiter Michael Altmann habe die Idee der Typisierungsaktion sofort unterstützt. Der Landkreis gab grünes Licht, und Landrat Martin Bayerstorfer hat die Schirmherrschaft übernommen. Ohne die Selbsthilfegruppe Leukämie Landshut würde es laut der 37-Jährigen eh nicht funktionieren. Der eingetragene Verein stellt das gute Dutzend Arzthelferinnen, auch ein Arzt steht bereit.

Die Typisierungsaktion

zur Ermittlung möglicher Stammzellenspender findet am Sonntag, 10. September, von 11 bis 16 Uhr in der Herzog-Tassilo-Realschule, Münchener Straße 134, in Erding statt. Jeder zwischen 18 und 55 Jahren kann spenden (Versicherungskarte mitbringen). Es wird nur eine kleine Menge Blut abgenommen. Anschließend gibt es eine kleine Verköstigung. Die Typisierung ist mit hohen Kosten verbunden. Die Auswertung einer Blutprobe kostet 50 Euro. Das kann nur über Spenden abgedeckt werden. Barspenden werden gegen Quittung angenommen. Spendenkonto:Selbsthilfegruppe Leukämie Landshut e.V., Sparkasse Landshut, IBAN DE29 7435 0000 0000 8444 70, Verwendungszweck: Typisierung Bernd Wiesner.

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