„Shopping-Date“ wird „Click & Meet“ im Modehaus Kraus genannt. Die Kunden werden in einem Extra-Raum beraten, wie hier im Herbst 2020 Martina Hess (l.) mit Verkäuferin Doris Murr (oben). Damals haben noch durchsichtige Plastikvisiere gereicht
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„Shopping-Date“ wird „Click & Meet“ im Modehaus Kraus genannt. Die Kunden werden in einem Extra-Raum beraten, wie hier im Herbst 2020 Martina Hess (l.) mit Verkäuferin Doris Murr (oben). Damals haben noch durchsichtige Plastikvisiere gereicht.

Vor der Öffnung des Einzelhandels

Lieber so öffnen als gar nicht

  • vonMayls Majurani
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Die Händler sind erleichtert über die angekündigten Lockerungen. Das Schielen auf die Inzidenzen stellt sie aber vor Herausforderungen.

Landkreis – „Wenigstens dürfen wir wieder öffnen“, sagt Leopold Gruber, gefragt nach den neuen Regelungen für den Einzelhandel ab Montag. Die staatlichen Vorgaben seien aber „kompliziert und unberechenbar“, sagt der 32-Jährige, der zur Geschäftsleitung des Gewandhauses Gruber gehört. Um öffnen zu können, muss Gruber Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückholen. Wenn die Inzidenz auf über 100 springen sollte, muss aber wieder zugesperrt werden.

„Die ganze Planung wird sehr schwierig sein, weil wir nicht wissen, was morgen oder übermorgen passiert“, sagt Gruber. Eine große Herausforderung für das Gewandhaus: „Wir haben neben Erding und Dorfen auch Filialen in Freising und Wasserburg. Wir müssen uns immer an drei Inzidenzwerten orientieren.“ Aber: Lieber so öffnen als gar nicht.

Auch Stefan Tremmel sieht das so. Der 45-Jährige Vorsitzende des Dorfener Förderkreises und Inhaber des Elektrofachmarkts „Der Heuschneider“ sagt: „Es war überfällig. Viele Händler haben es nötig, wieder zu öffnen. Es war wichtig, dass wir eine Überlebenschance bekommen.“ Die logistische Herausforderung ist aber auch ihm bewusst: „Wenn die Inzidenz zwischen 0 und 50 oder 50 und 100 ist, geht immerhin etwas. Wenn sie dann aber auf über 100 springt, müssen wir von heute auf morgen wieder schließen.“ Trotzdem ist er glücklich. Die Mitarbeiter bräuchten wieder Beschäftigung, „die wollen arbeiten. Auch die Kunden wollen wieder raus. Das merkt man an Wochenenden in Supermärkten. Das ist ja fast schon Erlebnisshopping, weil die Menschen sonst nirgendwo hin können.“

Termine vor der Tür wird es bei Schuh-Mode Gerlspeck geben. Wie das funktionieren soll, zeigen hier Rainer Gerlspeck und seine Mitarbeiterin Manuela Münsterer.

Trotz der Unberechenbarkeit ist auch Wolfgang Kraus vom Erdinger Modehaus Kraus am Eck mit einem Lächeln aufgewacht, sagt er. Er freue sich sehr über die Lockerungen, es sei „höchste Eisenbahn“: „Viele hätten mit dem strengen Lockdown nicht mehr lange durchgehalten.“ Kraus sagt: „,Click & Collect‘ war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Durch die Erweiterung mit ,Click & Meet’ entstehen verbesserte Möglichkeiten.“

Mit „Click & Meet“ ist ein individueller Einkaufstermin gemeint, der nach Vereinbarung im Geschäft stattfinden kann. Wenn die Inzidenz zwischen 50 und 100 liegt, ist der Einkauf nur noch so möglich. Dieses Konzept gab es im Modehaus Kraus bereits im vergangenen Herbst: „Wir nennen es Shopping-Date“, sagt Inhaber Kraus.

Dieses Prinzip soll auch im Radl-Center Stöckl in Taufkirchen angeboten werden. Es wird jedoch trotz allem nicht den Verlust des eigentlichen Umsatzes decken können, sagt Markus Stöckl.

Telefonische Termine vor der Ladentür bietet Schuh-Mode Gerlspeck an der Langen Zeile in Erding an. „Das wollen wir auf jeden Fall aufrecht erhalten“, sagt Inhaber Rainer Gerlspeck, der ebenfalls glücklich über die Lockerungen ist. Alles sei besser, als nichts tun. „Wir brauchen jetzt dringend den Umsatz“, betont Gerlspeck.

Nun hoffen die Einzelhändler, dass die Fallzahlen möglichst niedrig bleiben, damit ein weitgehend normales Arbeiten möglich ist. „Die Kunden haben auch viel dazu gelernt, die Regeln werden überall viel besser eingehalten als noch im ersten Lockdown“, sagt der Dorfener Förderkreis-Vorsitzende Tremmel.

In welcher Form die Geschäfte im Landkreis am Montag öffnen dürfen, wird sich allerdings erst am Sonntag herausstellen. Spätestens dann will das bayerische Gesundheitsministerium die ab Montag maßgebliche Inzidenz-Einstufung bekannt geben. Nach Angaben des Landratsamtes lag der 7-Tage-Wert am Freitag bei 42. Seit mehr als einem Monat, genau seit 6. Februar, hat er die 50er-Grenze nicht mehr überschritten.

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