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Froh, dass wieder offen ist: Astrid Wandinger vom Jakobmayer. Ende Juni stehen zwei Auftritte an. 
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Lockerungen fürs Papier: Jutta Kistner, Chefin der Stadthalle, kann mit den Vorgaben nicht arbeiten. 

Lockerungen in der Kultur

Von Enttäuschung bis Optimismus

Die bayerische Staatsregierung hat eine weitere Öffnung des Kunst- und Kulturbetriebs beschlossen. Doch nicht für alle Gastspielhäuser lohnt sich der Aufwand.

Landkreis– Die bayerische Staatsregierung hat eine weitere Öffnung des Kunst- und Kulturbetriebs beschlossen: Seit Montag können kulturelle Veranstaltungen mit bis zu 100 Gästen im Freien und bis zu 50 Gästen unter Beachtung von Hygienevoraussetzungen in geschlossenen Räumen stattfinden. Elf Seiten umfasst das Schutz- und Hygienekonzept der Regierung.

Während Jutta Kistner, Chefin der Stadthalle Erding, die Stadthalle für die Kultur vorerst weiter geschlossen hält, denn „mit diesen Vorgaben kann man nicht arbeiten“, ist Astrid Wandinger, Kultur-Assistentin im Jakobmayer in Dorfen, froh: „Wir wollen optimistisch sein und sind glücklich, unseren Kunden endlich wieder etwas bieten zu können.“

Vorerst finden zwei Vorstellungen am letzten Juni-Wochenende (siehe Randspalte) im Saal des Jakobmayer statt. „Wir haben Glück, dass wir keine Probleme mit den Abständen haben und uns die Künstler mit ihren Gagen entgegenkommen.“ Wandinger glaubt, dass sowohl das Publikum als auch die Künstler große Lust auf Auftritte verspüren.

Ihre Chefin Birgitt Binder und sie hätten der Gesundheitsbehörde ein „genauestens“ ausgearbeitetes Hygienekonzept vorgelegt. „Es wird im Saal eine Bistro-Bestuhlung geben und an den Tischen wird bewirtet, was viele unserer Kunden ja eh so gerne mögen.“ Die Galerie bleibt geschlossen.

Natürlich seien 50 Gäste auch für den Jakobmayer, in den knapp 400 Gäste passen, zu wenig. „Doch wir freuen uns drauf, wenigstens diese Veranstaltungen durchführen zu können.“ Im Juli würden eigentlich noch die Rampensäue die Jakobmayer-Bühne stürmen, doch da warten Wandinger und Binder ab und hoffen auf weitere Lockerungen, „da haben wir schon zu viele Karten vorab verkauft“. Wandinger bittet, beim Kauf eines Tickets anzugeben, wer gemeinsam an einem Tisch sitzen darf.

Enttäuscht zeigt sich hingegen Kistner: „Das sind Lockerungen fürs Papier“, kommentiert sie das Konzept der Regierung. Zu viele Unwägbarkeiten sieht die Kulturmanagerin bei einer zeitnahen Öffnung. „Ich brauche ja viel mehr Personal, bei viel weniger zahlenden Gästen. Die Wirtschaftlichkeit ist da selbst in einem bezuschussten Haus wie dem unseren ganz und gar nicht mehr gegeben.“ Sie sieht auch andere Probleme, die auf sie zukommen könnten: „Haftungsrechtlich ist die ganze Sache ja noch gar nicht ausgegoren. Was mache ich, wenn sich tatsächlich jemand in der Stadthalle infiziert und wir als Verursacher ausgemacht werden?“

Natürlich würden Kistner und ihr Team ihr Bestes versuchen, alle Vorschriften einzuhalten, aber das sei ein schwieriges Unterfangen: „Was ist, wenn in einer Vorstellung einer hustet? Muss ich den dann rauswerfen?“ Im Falle einer Infektion befürchtet Kistner zudem einen Imageschaden für das Gastspielhaus am Alois-Schießl-Platz, das bei ausverkauften Vorstellungen bis zu 800 Karten ausgibt.

Auch Kistner ist überzeugt, dass es das Publikum nach Kultur dürstet, doch sie stellt sich die Frage: „Kommen die Gäste, wenn sie die ganze Zeit Mund- und Nasen-Schutz tragen müssen?“ Die Stadthallen-Chefin hat sich auf den wirtschaftlichen und kommunalen Bereich fokussiert. „Wir veranstalten Tagungen, Jahreshauptversammlungen und Kongresse. Es gibt ja so viele, die in größere Räume ausweichen müssen.“ Sie biete dabei auch einen Corona-Rabatt bei der Raummiete an.

„Die Kultur hat im Augenblick noch zu viele Fragezeichen. Wenn ich etwas sehe, dann vielleicht outdoor, da hätten wir mehr Spielraum, da sind wir am Planen.“ Die kulturellen Veranstaltungen, die im Augenblick noch im Terminkalender der Stadthalle für den Herbst stehen, hätten alle ein Fangnetz. ALEXANDRA ANDERKA

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