Eine Taschenlampe ist dem Angeklagten zum verhängnis geworden. Foto: mm

Die Logik der Fingerabdrücke

Taufkirchen/Erding - Eine Lektion über Einbruchsdiebstahl erteilte ein Dorfener (58) dem Amtsgericht Erding und überführte sich mit seinen detailreichen Schilderungen am Ende selbst.

Bereits am 12. Juli 2008 war eine Pizzeria in Taufkirchen von einem Einbrecher heimgesucht worden, der zunächst ein Fenster aufgehebelt und drei Geldspielautomaten aufgebrochen hatte. Mit einem Schaden von 1000 Euro für das Fenster und 150 Euro an den Automaten machte er 728 Euro Beute. Allerdings fand sich eine LED-Stabtaschenlampe in der Größe eines Kugelschreibers auf dem Fußboden und darauf die aus zahlreichen Vorstrafen bekannten gentechnischen Spuren des Dorfener Handwerkers.

Der freilich will in der Tatnacht nicht einmal in Taufkirchen gewesen sein, sondern mit Freunden in der Tschechoslowakei, wie er dem Gericht erklärte. Näher bekannt seien ihm die Freunde zwar nicht, die Pensionswirtin könne dies jedoch bestätigen, wäre eine eidesstattliche Versicherung oder eine richterliche Vernehmung nicht viel zu umständlich.

„Ich kann die Anklage auch so entkräften“, begann der 58-Jährige seine Geschichte und schilderte, dass er die Pizzeria immer dann aufgesucht habe, wenn er die Tochter seiner Lebensgefährtin zu einer Reitstunde brachte. Die Wartezeit habe er am Spielautomaten verbracht, und eben da habe er seine Taschenlampe in der Geldablage dem Vergessen preisgegeben. Als der große Unbekannte die Automaten aufbrach, sei die Lampe wohl zu Boden gefallen. „Ich hab’ ja solche Sachen schon gemacht“, berichtete er mit der Erfahrung von einem Dutzend Vorstrafen und schilderte, wie man einen Geldautomaten fachmännisch aufbricht. Dabei trage er aber Handschuhe, erklärte er und führte es mit einem mitgebrachten Paar vor: Damit wären die Spuren auf der Taschenlampe aber verwischt gewesen, folgerte er in der Manier eines Fernsehkommissars. Außerdem schaue ein guter Einbrecher, „immer noch einmal nach, ob man nicht etwas vergessen hat“.

Richterin Astrid von Boenninghausen-Budberg fragte sich jedoch nicht, ob der Handwerker „guter oder schlechter Einbrecher ist“, sondern verurteilte den Dorfener zu zehn Monaten Freiheitsstrafe die zur Bewährung ausgesetzt wurde. „Es ist unwahrscheinlich, dass die Lampe mehrere Tage im Geldablagefach schlummerte, da spielen ja auch Leute die vielleicht etwas gewinnen“, erklärte sie das Urteil.

Nach Antrag der Staatsanwaltschaft hätte der 58-Jährige zwar 1500 Euro Geldauflage zahlen, weil er aber für ein Kind aufzukommen hat, genügen jedoch 100 Stunden Arbeitsleistung bei der AWO-Erding. „Das passt ganz gut“, gab sich der Angeklagte pragmatisch und nahm das Urteil an, „im Januar muss ich sowieso meinen Führerschein für drei Monate abgeben“.

Gert Seidel

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