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„Logistik für Menschen“: Das ist der Job von Nina Solke im Camp Shelterschleife.

Porträt der stellvertretenden Leiterin

Die Logistikerin: Nina Solke im Camp Shelterschleife

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Erding - Nina Solke ist die stellvertretende Leiterin des Warteraums Asyl. Zuvor hat die Logistik-Expertin viele Jahre in internationale Krisengebieten gearbeitet.

„Jetzt mach’ ich was Normales“, sagte sich Nina Solke vor zwei Jahren - und ist nun stellvertretende Leiterin des Camps Shelterschleife im Fliegerhorst Erding. Gemessen an humanitären Einsätzen an Krisenherden dieser Welt mag das ein Schritt in ein geregeltes Berufsleben gewesen sein. Doch alltäglich ist der Alltag der 40-Jährigen sicher nicht. Täglich kommen über 1000 neue Flüchtlinge im Warteraum Asyl an und reisen kurz darauf wieder ab. Zudem ist das Camp selbst in ständiger Veränderung.

Bei der Eröffnung des Warteraums im Oktober war Solke dort zunächst als Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuzes tätig. „Da habe ich nach zwei Wochen die Leitung des Gästeflusses übernommen“, erzählt sie. Dabei geht es um die erste Versorgung und Unterbringung. Nun ist sie als Angestellte des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Stellvertreterin von Leiter Volker Grönhagen.

Nach Tripolis kurz vor der Invasion

Zuvor war Solke für „Ärzte ohne Grenzen“ und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) an vielen Brennpunkten - darunter Mali, Afghanistan und Syrien. Und das teilweise bis zum letzten Moment, als es für Helfer aus dem Ausland zu gefährlich wurde. Im August 2011 flog die Logistik-Expertin mit einem IKRK-Team erst zwei Tage, bevor die libyschen Rebellen einrückten, in Tripolis ein. „Wir haben uns bewusst überrollen lassen“, erzählt Solke. Danach war sie ein gutes Jahr im Ost-Kongo, wo 2012 der Bürgerkrieg tobte.

2014 kehrte die Bielefelderin nach Deutschland zurück, „mit dem Entschluss, sesshafter zu werden. Ich habe ja mein ganzes Erwachsenenleben im Ausland verbracht“. Zuvor fragte sich die Globetrotterin: „Willst du mit Mitte 50 für zwei Jahre nach Bagdad geschickt werden?“ Die Antwort lautete Nein. Zurück in der Heimat studierte sie zunächst „zur eigenen Reintegration“ ein Jahr Nachhaltigkeitsmanagement.

Nah dran am Leid der Menschen

„In dieser Zeit ist die Flüchtlingskrise passiert“, erzählt die studierte Betriebswirtin. Mit ihrem Hintergrund erkannte sie das schnell als spannendes Betätigungsfeld. Aber vor allem habe sie in manchen Kriegssituationen zumindest eine Ahnung davon bekommen, in welcher Situation viele Flüchtlinge sein müssen, die in Deutschland ankommen.

„Ich habe zweimal erlebt, wie eine Stadt eingenommen wird - in Tripolis und Goma.“ Natürlich sei das auch für internationale Helfer gefährlich. Das Risiko stehe aber in keinem Verhältnis zu dem der heimischen Bevölkerung. „Außerdem hatte ich dort ja keine Familie, musste mir keine Sorgen um Angehörige machen. Das ist auch jenseits meiner Vorstellungskraft. Weil es so schrecklich ist.“

Jetzt also der Warteraum Asyl in Erding: Von außen wirkt die Koordinierung eines solchen Lagers, das bis zu einer Kapazität von 5000 Plätzen anwachsen soll, wie ständiges Krisenmanagement. „Langsam gehen wir in den Regelbetrieb“, bezeichnet Grönhagen das aktuelle Stadium. In dem kleinen Container, den sie sich als Büro teilen, wachen Solke und der pensionierte Offizier über alles in der kleinen Stadt mit ständig wechselnden Einwohnerzahlen. Gemeinsam stehen sie nun an der Spitze des Camps mit knapp 500 Mitarbeitern, darunter 172 Soldaten, die ans BAMF abkommandiert wurden.

In der Shelterschleife geht es um die ersten Schritte im Asylprozess. „Wir machen hier Logistik für Menschen“, sagt die Bielefelderin. Das sei das, was sie schon bei anderen Einsätzen getan und letztendlich auch studiert habe. In dem Zentrum mit derzeit 2500 Schlafplätzen sollen sich die Flüchtlinge nach einer strapaziösen und gefährlichen Reise erst einmal erholen können. Dazu müssen die passenden Abläufe entworfen und umgesetzt werden. Denken in Strukturen ist da ebenso wichtig wie die Lust am Improvisieren.

Ständiger Wechsel als Berufsalltag

Nicht nur die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen sind ständig im Fluss. Auch das Camp selbst ist im Umbruch. Momentan steht der Ersatz von sieben großen Schlafzelten für jeweils bis zu 500 Menschen durch feste Bauten auf der Agenda.

Eine weitere große Herausforderung ist der Abzug der Gebirgsjäger-Brigade 23 Mitte des Jahres. Die Soldaten haben derzeit viele wichtige Aufgaben inne und müssen dann von zivilen Mitarbeitern ersetzt werden. Gar nicht so leicht. Gerade viele Soldaten haben durch ihre Einsätze einen Erfahrungsschatz, den man im Inland nicht erwerben kann: interkulturelles Verständnis.

Mittendrin in diesem organisatorischen Kraftakt ist die studierte Betriebswirtin und Logistik-Expertin mit langjähriger Auslandserfahrung in humanitären Einsätzen. Mit ihrem Studienschwerpunkt Supply Chain Management also Lieferketten-Steuerung war die Bielefelderin zunächst in der Wirtschaft tätig. Studiert hatte sie unter anderem in den Niederlanden und in Frankreich. Und beruflich zog es sie wieder ins Ausland.

Erst Daimler, dann Ärzte ohne Grenzen

Der Wendepunkt kam für Solke, als sie im Alter von 27 Jahren an einem internationalen Trainee-Programm von Daimler in Japan und Südafrika teilnahm. „Vielleicht ist da noch was anderes“, habe sie damals gedacht und einen Studienfreund angerufen, der schon zuvor versucht hatte, sie für „Ärzte ohne Grenzen“ zu begeistern. „Von da ging es direkt nach Mosambik“, erzählt sie - als blutjunge Leiterin eines Beschaffungsteams von Ärzte ohne Grenzen. Die Mission: Bekämpfung von HIV. Später arbeitete sie einige Jahre beim IKRK in bewaffneten Konflikten.

„Ich weiß, wie sich Krieg anfühlt, wenn in dem Haus, in dem man ist, Bomben einschlagen“, erzählt Solke. In der größten Gefahr sei sie zwar immer angespannt, aber doch erstaunlich gelassen gewesen. Schon 2011 bei dem Flug nach Tripolis, habe sie darüber nachgedacht, ob eine solche Coolness angemessen ist. Heutzutage werde zudem die Arbeit von humanitären Helfern immer gefährlicher. „Man kennt auch immer mehr Leute, denen etwas passiert ist“, sagt die 40-Jährige.

Das waren Argumente für die Rückkehr nach Deutschland und am Ende den Job in Erding. Noch fährt Nina Solke täglich von einem Hotelzimmer in die Arbeit. Aber sie sucht schon in der Gegend eine Wohnung für sich und ihre zwei Katzen.

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