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Peter Stadick ist Leiter des Jugendamts Erding.

Interview mit Peter Stadick

„Lücke in der Jugendhilfe-Landschaft“

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Kloster Moosen/Erding – Das Kinderheim des Ordens der Armen Schulschwestern in Kloster Moosen bei Dorfen wird zum Jahresende geschlossen. Wir sprachen mit dem Leiter des Erdinger Jugendamts, Peter Stadick, über die Auswirkungen dieser Entwicklung.

Gründe sind nach Angaben der Ordensleitung der relativ geringe Bedarf an einem sozialpädagogisch ausgerichteten Kinderheim wie in Kloster Moosen sowie das Ausscheiden der Schwestern aus dem Heimbetrieb mit dem damit verbundenen Kostenaufwand für Personal (wir berichteten). Wir haben mit dem Leiter des Erdinger Jugendamts, Peter Stadick, über die Auswirkungen dieser Entwicklung gesprochen.

Was ist das Besondere an der Betreuung im Kloster Moosen?

Peter Stadick: Kloster Moosen zeichnet sich durch seine familiäre Atmosphäre aus, die gerade jüngeren Kindern Geborgenheit vermittelt. Das Kinder- und Jugendheim stellt einen wichtigen Baustein in der stationären Jugendhilfe im Landkreis dar. Die Einrichtung beherbergt Kinder bis zum 14. Lebensjahr, welche keine intensiveren Formen der stationären Betreuung benötigen. Die im Kloster Moosen auf unser Betreiben hin zusätzlich neu geschaffene Möglichkeit der Inobhutnahme im Krisenfall stellte eine gute Alternative zur Unterbringung in einer Bereitschaftspflegefamilie dar – in Fällen, in denen keine Bereitschaftspflegefamilie zur Verfügung steht.

Reißt die Schließung eine Lücke im Landkreis?

Stadick: Durch die Schließung der Einrichtung entsteht tatsächlich eine Lücke in der Jugendhilfe-Landschaft. Eine vergleichbare Einrichtung haben wir lediglich noch bei der Familienwohngruppe Heim in Langenpreising. Aus unserer Sicht wäre es, insbesondere im Falle einer Übernahme des Kinderheims durch einen anderen Träger, durchaus sinnvoll, die Ausrichtung des Leistungsangebots von einer sozialpädagogischen hin zu einer intensiveren heilpädagogischen Einrichtung zu ändern. Eine solche heilpädagogische Gruppe gibt es für Kinder bis 14 Jahre im Landkreis Erding nicht. Die nächstgelegenen heilpädagogischen Einrichtungen für diese Altersgruppe sind St. Klara der Katholischen Jugendfürsorge in Freising und das Kinderheim der Caritas in Landshut.

Was sind die Gründe für eine Unterbringung von Mädchen und Buben in einem Kinderheim wie Kloster Moosen?

Stadick: Bei der Betreuung eines Kindes in einem sozialpädagogischen Kinderheim wie Kloster Moosen geht es um den Bedarf einer längerfristigen Unterbringung, weil die Eltern aus unterschiedlichsten Gründen ausfallen oder die Erziehung nicht leisten können. Es handelt sich um Kinder, bei denen soziale Bezüge im Landkreis bestehen und gehalten werden sollen – also Kindergarten, Schule, Musikunterricht oder Sportverein. Die Wahl einer weiter entfernten Einrichtung, um einen Neustart zu ermöglichen, ist bei diesen Mädchen und Buben nicht angemessen und spricht für eine wohnortnahe Unterbringung. Es handelt sich um Kinder, die keine gravierenden Entwicklungsauffälligkeiten aufzeigen und darum keine intensive therapeutische Unterstützung brauchen. Auch eine intensive Elternarbeit mit dem Ziel einer schnellen Rückführung ins Elternhaus ist in diesen Fällen nicht angezeigt.

Wie viele Kinder hat das Jugendamt Erding im Kloster Moosen untergebracht?

Stadick: Derzeit sind im Kinderheim Kloster Moosen lediglich zwei Kinder in der sozialpädagogischen Wohngruppe und zudem zwei Kinder auf Inobhutnahme-Plätzen durch das Jugendamt Erding untergebracht. Diese relativ geringfügige Belegung ist insbesondere darin begründet, dass es sich beim dortigen Angebot um eine reine sozialpädagogische Wohngruppe für Kinder handelt und kein intensiveres heilpädagogisches oder sogar therapeutisches Angebot vorhanden ist. Auch bei anderen Jugendämtern, ist feststellbar, dass die Nachfrage nach sozialpädagogischen Jugendhilfe-Plätzen rückläufig ist, während intensivere Angebote verstärkt nachgefragt werden.

Welche andere Heime kommen nun in Frage? Sind Pflegefamilien eine Alternative?

Stadick: Als Alternativen kommt die Familienwohngruppe Heim in Langenpreising (derzeit haben wir dort nur ein Kind untergebracht) oder vergleichbare Einrichtungen außerhalb des Landkreises in Frage, zum Beispiel das Kinderheim der Inneren Mission in Feldkirchen. Auch können im Einzelfall geeignete Pflegefamilien eine Alternative sein. Diese Möglichkeit wird insbesondere bei kleinen Kindern aber ohnehin vorrangig abgeprüft.

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